In vier Tagen ist es soweit: endlich wieder Mia! Neben der Freude über die positive Ausstrahlung für Gewerbe und Region weckt der Name bei mir vor allem Erinnerungen an Fischchnusperli, Hamburger im Lunapark, Matratzen – wir haben unsere tatsächlich dort gekauft − Gewürzstände und den monströsen Mocken Trockenfleisch, den wir vor ein paar Jahren nach Hause geschleppt haben.

Aber nicht nur die Mia wird zu neuem Leben erweckt: Am Mittwoch präsentiert «Light Food» das neue «Gränchnerlied», und am Samstag wird die kürzlich neu gestartete Literarische Gesellschaft am Stand von Radio Blitz mit Grenchner Schriftstellern präsent sein.
Bei mir lösen diese Neustarts einmal mehr den Gedanken aus, dass alles wiederkommt. Ob gut, ob schlecht: was heute blüht, hat seine Wurzeln in der Vergangenheit. Der Vorgänger der Literarischen Gesellschaft war Grenchens erster Verein, und sein Bücherfundus lieferte den Grundstock für die heutige Stadtbibliothek.

Selbst das Datum der diesjährigen Mia hat eine historische Entsprechung: Laut einer Anzeige im «Solothurner Tagblatt» von 1873 wurde am 11. Mai vor 145 Jahren die Saison im «Grenchen Bad» an der Bahnhofstrasse mit einem Tanz eröffnet. Sicher flogen die Tänzerbeine damals genauso begeistert über die Bühne, wie sie es nächsten Freitag zu den Klängen von «Sandee» im Festzelt tun werden – auch wenn Sound und Tanzstil sich minim unterscheiden dürften.

Angeregt durch diesen ausgegrabenen Trüffel vergangener Zeiten stecke ich meine historische Spürnase noch einmal in das 1873er «Solothurner Tagblatt». Ich werde nicht enttäuscht: Gerade die Inserate sind ein unterhaltsames Kaninchenloch der Wunderlichkeiten. Da sucht ein Inserent ein Ringlein, das auf dem Märet verloren ging, ein zweiter preist ein Bartwuchsmittel an. Mein persönlicher Favorit: ein Inserent verspricht dem «Nichtwiederbringer» einer entlaufenen Magd ein «schönes Trinkgeld bei der Expedition» der besagten Magd – wohl über die Kantonsgrenze nach Bern.

Nicht zu vergessen die riesigen Inserate von Auswanderungsgesellschaften – in zeitgenössischer Lesart: Schlepperorganisationen – die dem krisengebeutelten Schweizer fruchtbares Land in Brasilien anpreisen oder Überfahrten nach New York oder Philadelphia anbieten. Zu den vollen Schiffsladungen Schweizer hat sicher beigetragen, dass viele Gemeinden den Auswanderungswilligen eine ansehnliche Reiseprämie mit auf den Weg zu neuen Ufern gegeben haben.

Aber bevor ich in Nostalgie über die Preise auf dem Langenthaler Markt versinke (ein Ei 6 Rappen, das Pfund Butter 1 Franken 35), kehre ich in die Gegenwart zurück. Nächste Woche ist es soweit; wir fahren Bähnli, essen Bratwurst, hören das neue «Gränchnerlied» und freuen uns des Lebens. Vo Gränche by Gott a dr Mia!