Messerstecher
Messerstecher wird verwahrt – zum Schutz der Gesellschaft

23-Jähriger kassiert wegen vorsätzlicher Tötung 16 Jahre und 3 Monate Gefängnis. Während Saban B.* locker lächelnd von Polizisten eskortiert eintrat, herrschte gestern im Gerichtssaal eine seltsame, bedrückende Stimmung.

Hans Peter Schläfli
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Da sassen die Eltern des Opfers dicht neben den Freunden des Messerstechers, denn der Saal war fast zu klein für die vielen Zuschauer und Medienleute. Sie alle wollten das Urteil des Amtsgerichts Solothurn-Lebern im Fall des am 3. April 2011 im Grenchner Luxory Club getöteten Sicherheitsangestellten hören.

«Saban B. hat sich schuldig gemacht der vorsätzlichen Tötung», begann Gerichtspräsident Rolf von Felten die Urteilseröffnung mit dem wichtigsten von insgesamt 15 Delikten, die dem 23-jährigen Kosovaren aus Grenchen vorgeworfen wurden.

Auch in allen anderen Anklagepunkten wurde der Messerstecher schuldig gesprochen. «Saban B. wird zu einer Freiheitsstrafe von 16 Jahren und 3 Monaten verurteilt, die durch eine stützende, ambulante Behandlung mit stimmungshebenden Medikamenten begleitet wird», verkündete der Gerichtspräsident das Strafmass. Gefolgt vom wichtigsten Satz dieses Tages: «Die Verwahrung wird angeordnet.»

Hatz einer aufgebrachten Meute

Als der Gerichtspräsident in der Urteilsbegründung den Tatablauf beschrieb, wie ihn das Gericht anhand der Zeugenaussagen aus den polizeilichen Protokollen rekonstruiert hatte, lief es wohl den meisten Anwesenden nochmals kalt den Rücken hinunter. «Als sich die Tür des Getränkedepots öffnete, wurde das Opfer von mehreren Leuten angegriffen und wollte flüchten. Saban B. versperrte ihm den Weg, stach zunächst zweimal von vorn, dann dreimal von der Seite und zum Schluss noch zweimal von hinten zu», sagte von Felten.

Der Sicherheitsangestellte habe sich nicht gewehrt, sondern sei «von einer gewalttätigen Meute gehetzt» und auf seiner Flucht «regelrecht abgeschlachtet» worden». «Feige», «skrupellos» und «brutal» bezeichnete das Gericht die Tat. Wer sieben Mal so zusteche, lasse keine Zweifel an der Tötungsabsicht aufkommen. «Das rückt die Tat in die Nähe eines Mordes.»
Dass es noch einen weiteren Messerstecher gegeben haben könnte, schliesst das Amtsgericht zweifelsfrei aus: «Es gab nicht einen einzigen konkreten Hinweis darauf, dass jemand anderes auch nur ein Messer auf sich getragen haben könnte», erklärte von Felten.

Inakzeptabler Ehrenkodex

So wurde der Eindruck aus den drei vorangegangenen Verhandlungstagen bestärkt, dass der Messerstecher und seine eben so ruchlosen Freunde einem archaischen Ehrenkodex nachleben, der in der Schweiz inakzeptabel ist. «Er fühlte sich in seiner persönlichen Ehre angegriffen, weil einer seiner Freunde eingesperrt wurde. Aus seiner Sicht schrie das nach Rache.» Das Tatmotiv sei verwerflich, urteilte das Amtsgericht. Es sei nicht die Person des Opfers, sondern die durch dieses repräsentierte Ordnungsmacht gewesen, an der sich Saban B. und die gewalttätige Meute rächen wollten. Über die Mittäter wird später in einem separaten Verfahren geurteilt.

Eine Gefahr für die Gesellschaft

Das Gericht erkennt in Saban B. zudem eine Gefahr, vor der es die Gesellschaft schützen muss, indem es die zeitlich unbegrenzte Verwahrung anordnet. «Der forensische Gutachter geht von einem extrem hohen Rückfallrisiko von weit über 50 Prozent aus», wurde diese Massnahme begründet. Zudem gehe aus dem psychiatrischen Gutachten klar hervor, dass die dissoziale Störung unbehandelbar sei und es Saban B. an der nötigen Krankheitseinsicht fehle. Das Fazit des Gerichtes fiel also vernichtend aus: «Das Sicherheitsbedürfnis der Gesellschaft kann nur mit der Verwahrung von Saban B. erfüllt werden.»

Als er den Richtern für deren strenges Urteil recht geben wollte, wandte sich Saban B. noch im Gerichtssaal an seine anwesenden Freunde: «Verwahrung für einen 23-Jährigen - das ist ja unglaublich», enervierte er sich sichtlich. Dazu machte der anfänglich lächelnde Gewaltverbrecher eine finstere, hasserfüllte Mine, die einem das Fürchten gelehrt hätte - wäre er dabei nicht in Hand- und Fussfesseln von der Polizei abgeführt worden.

*Name von der Redaktion geändert.

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