Bettlachstock

Messen bis zur letzten Schneeflocke: Waldbeobachtungsstation soll wachsen

Messstation der Forschungsanstalt WSL am Bettlachstock. Diese soll nun vergrössert werden.

Messstation der Forschungsanstalt WSL am Bettlachstock. Diese soll nun vergrössert werden.

Die Waldbeobachtungsstation der Eidg. Forschungsanstalt WSL am Bettlachstock soll vergrössert werden. Die Station soll mit einer Niederschlagswaage erweitert werden.

Was machen die Bäume im Winter? Als vor knapp 30 Jahren die Waldbeobachtungsstation am Bettlachstock gebaut wurde, war diese Frage nicht wichtig. Denn eingerichtet wurde die Station, um herauszufinden, unter welchen Bedingungen die Bäume wachsen. Dass sie vom Dezember bis zum Februar unter einer dicken Schneekappe ausruhen, war selbstverständlich. Jetzt ist alles anders.

Der Schnee selbst ist zur begehrten Grösse geworden in der Entwicklung des Waldes. Genauer gesagt: die Menge des Niederschlags im Winter. Aus diesem Grund will die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) ihre Messstation auf dem Stockmätteli erweitern.

Die WSL betreibt am Bettlachstock auf rund 1000 Metern Meereshöhe sowohl eine so genannte Freilandfläche zur Messung des Niederschlags als auch eine Bestandesfläche mit unterschiedlichen Baumarten und Sonden im Boden. Erweitert werden soll die umzäunte Freilandfläche, wie der Baupublikation vom 7. November zu entnehmen ist. Die Einsprachefrist läuft bis zum 21. November.

Bettlachstock in der Vorreiterrolle

Als erste der landesweit 17 vergleichbaren Stationen soll der Bettlachstock zusätzlich zum bisherigen Regensammler mit einer Niederschlagswaage ausgerüstet werden. «Diese Waage erlaubt es uns, Niederschlag auch dann präzis zu messen, wenn er als Schnee fällt. In den nächsten drei Jahren wollen wir alle Beobachtungsflächen damit ausrüsten», erklärt Peter Waldner auf Anfrage. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der langfristigen Waldökosystemforschung der WSL. «Bisher waren wir auf die Sonne angewiesen, die uns den Schnee für die Messung geschmolzen hat. Aber bis zum Sonnenaufgang hatte der Wind einen Teil des Schnees, der nachts gefallen war, entweder weggeweht oder zu einer Kuppe aufgetürmt. Beides verzerrt das Ergebnis.

Damit soll ab dem nächsten Frühling Schluss sein. Die Niederschlagswaage in Kombination mit einem heizbaren Ring am oberen Rand wirkt dem Verlust von Schnee ebenso entgegen wie einer windbedingten Überladung respektive Vereisung durch Schmelzwasser. Die neuen Geräte samt einem grösseren Solarpanel zur Stromversorgung brauchen mehr Platz und damit einen neuen Zaun.

Wassermangel auch bei Frost messen

Der Grund, warum der Winter in den Fokus gerückt ist, sind die Trockenperioden, die zunehmen. «Wir wollen herausfinden, was es für die Bäume bedeutet, wenn das Wasser im Boden knapp ist. Das gilt in der Vegetationsperiode genauso, wie bei Minustemperaturen».
Peter Waldner rechnet mit einer Verdoppelung der Freilandfläche von heute 5 x 5 Metern auf 5 x 10 Meter. Kostenpunkt der Aufrüstung: rund 10'000 Franken. Genau lasse sich das noch nicht sagen. «Derzeit evaluieren wir zwei Typen von Niederschlagswaagen. Eine sammelt den Niederschlag eines Jahres, die andere lässt das Wasser abfliessen, sobald alle Messungen registriert und an den Computer übermittelt sind.»

Apropos Computer: Statt der Übermittlung der Ergebnisse einmal alle 24 Stunden, werden ein neuer Datensammler und ein leistungsfähigeres Modem die Übermittlung aus der Meteostation mehrmals pro Stunde an den Server zur WSL nach Birmensdorf sicherstellen. «Damit wird unsere Station als Wetterstation für MeteoSchweiz interessant», sagt Waldner. «MeteoSchweiz arbeitet mit diversen Partnern zusammen, wir sind einer davon.»

Die Tannen verlieren ihre Nadeln

Nicht tangiert von der geplanten Aufrüstung der Freilandfläche ist die Zusammenarbeit des Forstdienstes mit der WSL. Alle zwei Wochen schickt der Forstdienst Proben, besonders aus der Bestandesfläche, wo die Bäume stehen, zur chemischen Analyse nach Birmensdorf. Dabei werden die Messgeräte kontrolliert und wenn nötig gereinigt. Dieses Jahr habe man im Rahmen der allgemeinen Stickstoffmessung der Konzentration von Ammoniak besondere Beachtung geschenkt. Eine Messung, die alle fünf Jahre gemacht werde, so Waldner. Für Ergebnisse sei es noch zu früh. Doch eine Beobachtung lasse sich aus der Nadelanalyse der immergrünen Bäume bereits festhalten: «Rot- und Weisstannen haben diesen Herbst deutlich weniger Nadeln als im langjährigen Durchschnitt.» Die Trockenheit hinterlässt auch auf dem Bettlachstock Spuren.

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