Grenchen-Bettlach
«Menschen sollen sich mit der Kirche und sich selbst auseinandersetzen»

Die Reformierte Kirchgemeinde Grenchen-Bettlach will mit einem Vortragszyklus Traditionen aufleben lassen. Das Ziel: Die Kirche soll durch Aufklärung wieder gestärkt werden. Ein Gespräch mit Pfarrer Donald Hasler und der neuen Vikarin Doris Lehmann.

Daniela Deck
Drucken
Teilen
Donald Hasler und Doris Lehmann.

Donald Hasler und Doris Lehmann.

Oliver Menge

Es soll nicht mehr passieren, dass jemand nur deshalb aus der Reformierten Kirchgemeinde Grenchen-Bettlach austritt, weil er oder sie meint, diese werde vom Papst selbst geleitet. Aufklärung als mögliches Gegenmittel? Im März beginnt eine Reihe von zwölf Abendveranstaltungen mit dem Ziel, die Glaubensinhalte der Reformierten, von denen viele vergessen wurden, Interessierten vorzustellen.

Pfarrer Donald Hasler und die neue Vikarin Doris Lehmann erzählen, was ihnen dieses «reformierte Einmaleins» bedeutet und warum es in der heutigen Zeit so wichtig ist.

Donald Hasler, was ist das Ziel des Zyklus «reformiertes Einmaleins»?

Donald Hasler: Wir möchten den Leuten die Grundzüge des christlichen Glaubens wieder nahe bringen. Ich beobachte immer wieder, wie wenig manche Menschen davon wissen. Die Fragen, die die Bibel stellt, haben mit unserem Leben heute zu tun. Deshalb gibt es moderne Antworten auf diese Fragen. Vor sechs Jahren haben wir schon einmal einen solchen Kurs angeboten, und er war mit 40 bis 50 Personen gut besucht. Wir möchten damit besonders die 30- bis 50-Jährigen ansprechen, obwohl uns natürlich Erwachsene aller Altersgruppen willkommen sind. Im mittleren Alter sind die Leute beruflich und familiär sehr beschäftigt und haben am Sonntag oft keine Zeit für den Gottesdienst. Deshalb findet der Kurs am Donnerstagabend statt.

Das reformierte Einmaleins

Ab dem 7. März bietet die Reformierte Kirchgemeinde Grenchen-Bettlach im Zwinglihaus jeweils am Donnerstag zwölf Abendveranstaltungen zu den Grundlagen des christlichen Glaubens und der reformierten Tradition an. Ausgehend von der Frage «Was kann ich von Gott erwarten?» kommen 48 Themen wie Freiheit, Versöhnung, Gebet, Gesundheit, Hoffnung, Tod und Unsterblichkeit in Kurzreferaten und Diskussionen zur Sprache. Das Angebot ist gratis und steht Interessierten aller Religionen offen. Zur Planung ist eine Anmeldung bis 4. März erwünscht an Pfarrer Donald Hasler, E-Mail: donald.hasler@bluewin.ch oder Telefon: 032 952 12 39. (dd)

Wie sind diese Abende aufgebaut?

Hasler: Von den 48 Fragen des reformierten Einmaleins werden jeden Abend vier behandelt. Die Abende sind in zwei Blöcke aufgeteilt mit einer ausgiebigen Pause dazwischen. Schliesslich wollen wir uns kennenlernen. Vor und nach der Pause halten Doris Lehmann und ich ein Kurzreferat, ungefähr 20 Minuten, dann diskutieren wir in Gruppen.

Hat sich das reformierte Einmaleins von den Kursen inspirieren lassen, die in den Freikirchen sehr beliebt sind?

Hasler: Das Einmaleins ist unabhängig von diesen Alphalive-Kursen entstanden, aber etwa zur gleichen Zeit. Die Unterlagen wurden 2005 von der Landeskirche in Zürich ausgearbeitet. Übrigens gibt es reformierte Gemeinden, die den Alphalive-Kurs durchführen. Nicht im Kanton Solothurn, so weit ich weiss, aber zum Beispiel in Jegenstorf. Das bleibt dem Pfarrer überlassen. Ich identifiziere mich sehr stark mit der reformierten Tradition. Hier gibt es viele Schätze. Ich möchte, dass sie wieder mehr zum Tragen kommen. Deshalb habe ich mich fürs Einmaleins entschieden.

Doris Lehmann: Ich schätze das Einmaleins, weil es umfassend und ausgewogen ist. Es werden ganz verschiedene Themen angesprochen.

Das Einmaleins ist eine Werbekampagne für die reformierte Kirche?

Hasler: Auch das spielt mit. Wir wollen zeigen, was die Kirche alles tut. Es ist nicht so, dass wir zu wenig Arbeit hätten. Wir sind gut ausgelastet, seit der Auflösung des Pfarrkreises Süd in Grenchen und der Verteilung der Aufgaben auf die Kreise Ost und West sowieso. Zudem haben wir noch das Alterspfarramt von Kornelia Fritz.
Lehmann: Mit dem Einmaleins wollen wir zum Denken anregen. Wir möchten die Menschen ermutigen sich mit der Kirche und mit sich selbst auseinanderzusetzen. Dabei geht es nicht um Abgrenzung von anderen Konfessionen oder Religionen.

Warum bieten Sie das Einmaleins gerade jetzt an?

Hasler: Es ist Tradition, dass wir in der Erwachsenenbildung im Hinblick auf Ostern etwas machen. Diesmal dauert die Veranstaltungsreihe bis Juni. Wir hoffen, dass möglichst viele Leute den ganzen Zyklus besuchen. Aber es ist möglich, nur an einzelnen Abenden teilzunehmen.

Glaubensangelegenheiten gehören zu den intimsten Bereichen des Menschen. Wie verträgt sich das mit Gruppenveranstaltungen?

Hasler: Je nach Kultur ist das ganz unterschiedlich. In den USA zum Beispiel, wo ich letztes Jahr knapp zwei Monate verbracht habe, ist es an der Tagesordnung, über Glauben zu sprechen. Bei uns ist das eher Privatsache. Gerade deshalb haben viele Leute das Bedürfnis, etwas zu erfahren. Unsere Abende bieten einen geschützten Rahmen um Lebensfragen aufzugreifen und dem eigenen Glauben nachzuspüren.

Aktuelle Nachrichten