Anbieter von Mehrweggeschirr – Becher, Gläser, Teller und Besteck – musste man bisher weitherum suchen. Ein grosser Anbieter aus der Ostschweiz, die Cygnet GmbH, die eng mit Cup&More zusammenarbeitet, welche wiederum mit dem gleichnamigen Anbieter in Deutschland verknüpft ist, beliefert quasi die ganze Schweiz mit Mehrweggeschirr.

Seit einigen Wochen ist nun auch die Fotra GmbH, die Grenchner Catering- und Eventfirma von Peter Traub, ins Mehrweggeschäft eingestiegen: Rund 100 000 Teller, Schalen, Becher in diversen Grössen sowie Tassen und Gläser für Wein, Sekt und Shots aus Kunststoff führt die Cateringfirma nebst Küchen- und Kühlgeräten, Porzellangeschirr und Gläsern im Sortiment – und es sollen mehr werden. «Wir sind ein regionaler Dienstleister und wollen mit dem Mehrweggeschirr das Mittelland abdecken», sagt Peter Traub, Geschäftsleiter der Fotra GmbH. Es mache Sinn, wenn man schon auf Ökologie setze, dass die Teller, Becher und Gläser nicht durch die ganze Schweiz gekarrt werden müssen, sondern in der Region bezogen werden können. Denn Fotra will mit dem neuen Angebot auch etwas für die Umwelt tun.

Schwierigkeiten mit der Suche nach Produzenten

Produzenten für die Ware zu finden, sei nicht einfach gewesen, sagt Traub. «Wir mussten feststellen, dass viele der Produzenten – es gibt übrigens keine in der Schweiz – ausschliesslich für den ‹Grossen› in St. Gallen produzieren und auch durch entsprechende Verträge gebunden sind.»

Andererseits wollte Fotra keine Billigware aus China in ihr Sortiment aufnehmen. «Wir wollten saubere Ware, d. h. Geschirr aus Kunststoff, in dem nicht irgendwelche Stoffe enthalten sind, die in der EU und der Schweiz früher oder später verboten werden», sagt Markus Mehr, stellvertretender Geschäftsleiter der Fotra GmbH.

Man wurde fündig: Die Becher kommen aus Österreich, von der Schorm GmbH, vertreten durch die Frehner Kunststoffe in Buchs, St. Gallen, das Geschirr und Besteck aus Deutschland von der WACA. Die Becher sind aus Polypropylen (PP), die klaren Gläser aus Styrol-Acrylnitril (SAN), Teller und Besteck aus Melamin, einer Harzverbindung, die aus Harnstoff hergestellt wird.

Grosse Vorteile, aber auch einige Nachteile

Im Gegensatz zu herkömmlichem Glas und Porzellan ist das Mehrweggeschirr unzerbrechlich und leicht. Für Grossanlässe müsste man Tonnagen an Material verschieben, wenn man auf herkömmliches Geschirr setzte, sagt der Fotra-Chef. Für Firmenanlässe wie beispielsweise die Swatch-GV und auch für Privatanlässe verwende man aber ausschliesslich Porzellangeschirr und Gläser, so Traub.

Aber es gibt auch Nachteile: «Gerade an Grossanlässen, wie einem Stadtfest oder so ähnlich, müssen die Veranstalter Depot für das Mehrweggeschirr verlangen. Ohne das Depot landet es mit Sicherheit zu einem grossen Teil im Müll – etwas, das mit Porzellantellern nie passiert.» Das erfordere von den Veranstaltern eine Infrastruktur im Depotwesen, die nicht zu unterschätzen sei. «Mir wäre am liebsten, wenn wir irgendwann einmal so weit wären, dass die Leute das Mehrweggeschirr als solches erkennen und von selber zurückbringen, auch ohne dass sie ein Depot dafür bezahlt haben», so Traub.

Ein weiterer Nachteil: Die Reinigung der Becher und des Geschirrs ist aufwendiger: «Der Kunststoff nimmt die Wärme nicht in dem Masse auf, wie das Glas und Porzellan tut, und trocknet schlecht», erklärt Mehr. Die Fotra musste deshalb eine neue Abwaschmaschine anschaffen, eine Waschstrasse, die nebst der gründlichen Wäsche mit bis zu 87 Grad heissem Wasser – das Geschirr läuft durch drei Waschzonen – auch in der Lage ist, das Kunststoffgeschirr zu trocknen.

Die Maschine, rund 10 Meter lang, ist mit einer extralangen Trocknerzone und einem Rüttelmechanismus ausgerüstet, der das Wasser vom Mehrweggeschirr «abrüttelt». «Die Maschine verbraucht nur noch rund einen Drittel des Wassers ihrer Vorgängerin», sagt Mehr. Das Wasser wird überdies in der hauseigenen Anlage entkalkt und durch Osmose keim- und mineralfrei gemacht. Fotra bietet einen Full service an: Veranstalter können für ihren Anlass die gewünschte Menge Geschirr und Becher bestellen und erhalten diese in versiegelten Kisten. Werden Kisten nicht verwendet und kommen mit unbeschädigtem Siegel zurück, entfällt die Gebühr für die Reinigung.

Mehrweg steckt noch in den Kinderschuhen

Hat das System Zukunft? «Auf jeden Fall», sagt Traub. Nur hätten die Veranstalter noch keinen blassen Schimmer, wie das System funktioniere und er habe keine Ahnung, was da noch auf sie zukomme. «Verglichen mit dem Grossen, den ich erwähnte, sind wir ein kleiner, regionaler Anbieter, keine Konkurrenz. Aber sollte die Nachfrage steigen, genügt ein Anruf bei unseren Lieferanten, und die werfen die Produktion an, um noch mehr Geschirr und Becher herzustellen.» Insofern sei man auf der sicheren Seite.

Übrigens: Die Becher liessen sich auch ausgezeichnet bedrucken, sagt Traub. «Also kann sich zum Beispiel ein Sportverein über uns Becher mit dem eigenen Logo beschaffen, die wir dann für ihn lagern, für seine Festivitäten bereitstellen und danach reinigen.»