Mehrheit ist fremdsprachig
Immer mehr Schülerinnen und Schüler in Grenchen: Der Platz in den Schulhäusern wird knapp

Grenchen behauptet seine Rolle als grösste Volksschule im Kanton. Dabei gibt es inzwischen wohl mehr Kinder mit Migrationshintergrund in der Schule als andere. Der Report zeigt ausserdem, dass die Schülerzahlen in Grenchen schneller wachsen als im Kanton.

Andreas Toggweiler Jetzt kommentieren
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Die Kinder und Lehrkräfte vom Schulhaus Halden.

Die Kinder und Lehrkräfte vom Schulhaus Halden.

Andreas Toggweiler

Dies lässt ein Blick ins aktuelle Reporting der Grenchner Schulen vermuten, das heute dem Gemeinderat präsentiert wird. So zeigt ein Blick in die Statistik nach Nationalität, dass die Primarschule Grenchen einen Anteil von 49 Prozent an ausländischen Kindern aufweist. Der Durchschnitt im Kanton liegt bei 28 Prozent.

Total wurden im Schuljahr 2020/2021 1235 Schülerinnen und Schüler (SuS) in der Primarschule gezählt. 629 Schweizer Kinder und 606 mit ausländischen Papieren. Je nach Schulstufe und Klasse sind die ausländischen Kinder auch in der Mehrheit, so in der 1. Kindergartenklasse (53%), in der 3. Klasse (52%) und in der 5. Klasse (52%).

Kinder sprechen zum Teil gut deutsch

Bei den Schweizer Kindern wird selbstverständlich nicht unterschieden, ob sie aus Familien mit ausländischen Wurzeln stammen. «Kinder, die bei uns aufwachsen, haben in der Regel wenig Probleme mit der Sprache», erklärt Gesamtschulleiter Hubert Bläsi zu diesen Zahlen. Manche sprechen – im Unterschied manchmal zu ihren Eltern – perfekt Schweizerdeutsch.

Die Schulen Grenchen fragen jeweils bei Schuleintritt nach der Muttersprache zu Hause. Diese Erhebung ergab für Kindergarten und Primarschule zusammen einen Fremdsprachigen-Anteil von knapp 63 Prozent. «Die tatsächlichen Sprachkenntnisse des Kindes werden für diese Erhebung nicht überprüft», heisst es dazu.

So oder so sind die hohen Ausländeranteile für die Grenchner Schulen nicht einfach so wegzustecken, präzisiert Bläsi. Die Probleme beginnen dort, wo sich der Förderbedarf gemäss dem nun auch in Grenchen umgesetzten integrativen Schulungsmodell mit sprachlichen Defiziten kumuliert. «Das kann zu einer beachtlichen Herausforderung für die beteiligten Lehrkräfte werden», weiss Bläsi.

Report spricht Klartext

Noch deutlicher wird in diesem Zusammenhang der Reportingbericht: So hat laut Statistik die Zahl der Kinder, die zusätzlichen Deutschunterricht brauchen, einmal mehr markant zugenommen – um 59 Kinder auf neu 571 SuS. Noch im Schuljahr 2017/2018 waren es noch genau 200 SuS weniger (371):

«Wir stellen auch fest, dass vermehrt Familien mit Kindern nach Grenchen ziehen, die mehrere Schuljahre hinter sich haben, aber kaum Deutsch sprechen. Deren Wortschatz reicht kaum, um dem Unterricht zu folgen ...»

Die Stellenbesetzung mit Heilpädagoginnen und Heilpädagogen für den Bereich Spezielle Förderung seien «enorm schwierig», wie es heisst. «Der Stellenmarkt ist schweizweit ausgetrocknet und die Arbeitsbedingungen sind im Rahmen der Regelschule für viele ausgebildeten Fachkräfte unattraktiv, da sehr viele Kinder mit wenig Ressourcen betreut werden müssen.»

Ebenfalls gut ausgelastet ist die Schulsozialarbeit. Die totale Fallzahl erreicht mit 468 behandelten Fällen einen Rekordwert.

Dennoch spricht Bläsi von einer «prosperierenden Schule» mit einer markanten Zunahme der Schülerzahlen. «Der inzwischen 17. eröffnete Kindergarten zeugt ganz klar davon.» Total (inklusive Sekundarschule) wuchs die Kinderzahl um 44 auf neu 1661. Im ganzen Berichtsjahr waren es gar 58.

 Gesamtschulleiter Hubert Bläsi.

Gesamtschulleiter Hubert Bläsi.

Hanspeter Bärtschi

In der Sekundarschule wurden im 2020 430 SuS gezählt, zehn mehr als im Vorjahr. Hier beträgt der Ausländeranteil im Durchschnitt 42 Prozent (Kanton: 28 Prozent), wobei die Ausländerinnen und Ausländer in der Sek B mit 54–57 Prozent ebenfalls in der Mehrzahl sind.

Kinder aus 44 Nationen

In den Grenchner Schulen werden Schülerinnen und Schüler aus insgesamt 44 Nationen gezählt. Die grössten Ausländergruppen bilden Mazedonien (111 SuS), Italien (107), Kosovo (82), Serbien (75), Türkei (53), Deutschland (46), Eritrea (42), Sri Lanka (32) und weitere (87).

Die jährliche Statistik der Schulen Grenchen hat inzwischen einen Umfang von 35 Seiten angenommen. Erstmals einbezogen wurden die Tagesstrukturen, die seit 2019 in allen drei Primarschulkreisen angeboten werden. An den drei Standorten Eichholz, Kastels und Halden werden total 60 Plätze angeboten. 2021 wurden 93 Kinder betreut, gegenüber 109 im Vorjahr. Der Rückgang wird mit Corona begründet.

Zu diesem Stichwort meint Gesamtschulleiter Hubert Bläsi, dass die Schulen Grenchen bisher zwar gut durch die Pandemie gekommen seien, sich aber bei Lehrkräften und Schülern eine gewisse «Coronamüdigkeit» bemerkbar mache. «Für die jüngsten Schulkinder war es einschneidend, dass sie die Lehrpersonen schon kurz nach dem Schulstart nur noch in Masken sahen», heisst es dazu auch im Reporting.

Mehrheitlich Lehrerinnen

Im Schuljahr 2021 unterrichteten an den Schulen Grenchen (ohne Musikschule) 202 Lehrpersonen (Vorjahr 190). Davon waren 17 Prozent Männer (Vorjahr 15%).

Den Schlussbemerkungen des Reports ist zudem zu entnehmen, dass die steigenden Schülerzahlen zu Raumknappheit führen und zwar in allen drei Schulkreisen. Und weiter: «Im Schulkreis Kastels ist die Schulraumplanung ins Stocken geraten ... Der Zeitplan für die Volksabstimmung zum Siegerprojekt ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Die Raumsituation im Schulkreis Kastels ist aber nach wie vor prekär.»

Das Wachstum hält an

Das Wachstum der Schülerzahlen wird in Grenchen weiter anhalten. Dem Pensenantrag, einer Vorlage, die am Dienstag ebenfalls dem Gemeinderat vorgelegt wird, ist zu entnehmen, dass im kommenden Schuljahr 163 neue Schülerinnen und Schüler (SuS) in die 1. Klasse kommen. Total wird für das Schuljahr 2022/2023 mit 1759 SuS gerechnet, die auf 90 Schulklassen verteilt werden sollen.

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