Nach der Schliessung des Modegeschäftes Sergio an der Bettlachstrasse 7 handelt die Gebäudeeigentümerin Credit Suisse nach dem Prinzip Hoffnung. Sie will die grosszügigen, zweigeschossigen Räume weiterhin als Detailhandelsfläche vermieteten. Die Verwaltungsfirma Wincasa machte dafür sogar Plakatwerbung für einen «Mittag der offenen Tür», an welchem potenzielle Mieter das Lokal am Mittwoch über Mittag besichtigen konnten. Ein ungewöhnliches Vorgehen, doch bei Wincasa hofft man auf diese Weise, einen Nachmieter für das langjährige Modegeschäft zu finden.

Geschäft auf zwei Etagen

Investiert wurde allerdings nichts. Der Laden weisst immer noch die Innenausstattung der vormaligen Boutique auf, wie ein Augenschein anlässlich der gestrigen Publikumsöffnung zeigt. Das Ladenlokal auf zwei Etagen ist aber gut in Schuss und bietet zusammen eine Nutzfläche von insgesamt 129 Quadratmetern. Angaben über den Mietzins macht Wincasa keine.

Weitere Büros und Gewerberäume in der Liegenschaft Bettlachstrasse 7 stehen ebenfalls seit Jahren leer, darunter die ehemalige Schalterhalle der Credit Suisse-Filiale, welche innerhalb der Stadt umgezogen ist und ein ehemaliges Restaurant. Hier gebe es nichts Neues zu berichten, meint die zuständige Immobilienverwalterin.

Letztes Jahr wurden befristet einige Räume für das Projekt Start Up Space vermietet. Die CS stellte der Stadt und Jungunternehmern Büroraum zu einem symbolischen Mietzins zur Verfügung, was einigen Anklang fand.

Detailhandel kämpft

All das täuscht allerdings nicht über die nach wie vor grassierende Ladenlokal-Misere im Stadtzentrum hinweg. Die Krise des Detailhandels - beileibe nicht nur ein Grenchner Phänomen - ist an den vielen leeren Schaufenstern ersichtlich. Direkt am Marktplatz hat kürzlich auch das Solarium seine Segel gestrichen. Das Ladenlokal im Erdgeschoss mit Zugang direkt vom Marktplatz her ist zurzeit auf den Immobilienportalen für einen Bruttomietzins von 1900 Fr. für 87 Quadratmeter ausgeschrieben.

Im selben Gebäude steht zudem auch die ehemalige Arztpraxis Dr. Klaus leer. Sie ist für einen Bruttomietzins von 2615 Fr. zu haben. Schon länger leer stehen im Zentrum die ehemaligen Lokale von Fricker Schuhe an der Rainstrasse, von Radio TV Roth an der Marktstrasse und vom Goldschmied Leuenberger an der Bettlachstrasse. Im Untergeschoss des Coop hat diesen Sommer zudem noch Oviesse dichtgemacht und an der Centralstrasse ex libris. Man könnte in der Solothurnstrasse gleich weiterfahren mit aufzählen. Dort werden Schaufenster zum Teil seit Jahren nur noch als Grümpelkammer genutzt.

Zu Wohnungen umbauen?

Angesichts der Überschüsse an Schaufenstern haben in peripheren Lagen der Stadt Eigentümer bereits begonnen, Gewerberäume zu Wohnungen umzubauen. Im Zentrum hofft man offenbar weiter - oder kann sich die Leerstände leisten.

Hier beobachtet auch die Stadt genau, was geht, obwohl eine direkte Einflussnahme nicht möglich ist, wie Mike Brotschi vom Standortmarketing erläutert. «Wir stehen im Kontakt mit den Vermietern und teilen ihnen unsere Präferenzen schon mit. Gleichzeitig orientieren wir den Gewerbeverband, damit lokale Betriebe auf dem Laufenden sind », meint Brotschi. «Mehr tun können wir nicht.»

Ein weiterer Kebab?

Wird also am Marktplatz der x-te Kebab-Anbieter der Stadt eröffnet? Gewerbepräsident Heinz Westreicher tönt dies als unerwünschtes Szenario in einem Infomail an seine Mitglieder an. Mehr als diese über die allfälligen Opportunitäten informieren kann der GVG aber auch nicht.
Für Stadtpräsident François Scheidegger ist ein Kebab-Stand immer noch besser als gar nichts. «Ein Lokal mit Aussenbestuhlung würde immerhin zur Belebung des Marktplatzes beitragen«, meint er. Bis auf weiteres fällt nämlich das Restaurant Passage nach dem Grossbrand im September aus.