Er soll der Traditions-Uhrenmarke Fortis wieder neues Leben einhauchen. Der 34-jährige Maximilian Spitzy sprüht vor Tatendrang, wenn er über seine Pläne für die 1912 in Grenchen gegründete Uhrenfirma spricht. Sein Haupt-Credo: «Fortis muss wieder als Schweizer Qualitätsuhr im höherpreisigen Segment wahrgenommen werden.»

Seit September 2013 führt der eloquent auftretende Österreicher die Fortis als CEO. Er folgte auf den deutschen Uhrenfachmann Peter Peter, der das Unternehmen über zwei Jahrzehnte führte und prägte. Der Wechsel an der Spitze wurde nicht gross kommuniziert. «Wir wollen zuerst unsere Ziele erreichen», begründet er die Zurückhaltung. Geholt hätten ihn die Fortis-Aktionäre, welche «eine jüngere, aber erfahrene Führungskraft mit Asien-Hintergrund suchten.»

Der mit einem MBA ausgerüstete Spitzy arbeitete und lebte über zehn Jahre in China, genauer in Schanghai. «Ich habe dort in den Branchen Immobilien sowie im Getränkehandel drei Firmen mitgegründet und mitgeführt». Seine Anteile an den Firmen habe er behalten, operativ sei er aber nicht mehr tätig. Sein Engagement in China dürfte bei seiner Ernennung mitgeholfen haben. Spitzy spricht fliessend chinesisch und hat sich ein dichtes Beziehungsnetz aufgebaut. Das Angebot, eine über 100-jährige Uhrenfirma zu führen, flattere nicht jeden Tag auf den Tisch. «Die Komplexität der Uhrenwelt und die Schweizer Tradition faszinieren mich», erzählt er charmant und schmeichelt der Schweiz. Gerade das Label Swiss Made habe einen unglaublichen Wert. «Das haben nicht viele Länder.»

Mit Fortis hat er einiges vor, das Fundament aber sei solide und soll bleiben. Schliesslich existiere die Uhrmacherkunst im Unternehmen seit 1912 und der Betrieb sei – auch während der grossen Uhrenkrise – nie eingestellt worden. Aber in den vergangenen Jahren sei die Modellvielfalt zu stark ausgebaut worden. «Dies hat zu einer Verwässerung der DNA für Fortis geführt.» Die Palette von über 100 Modellen habe man im ersten Halbjahr 2014 auf 62 reduziert, im zweiten Halbjahr soll es noch 49 Modelle geben. In den Uhren ticken Eta-Werke, «die wir aber technisch veredeln.» Das so entschlackte Portfolio soll der Marke wieder ein prägnanteres Gesicht geben. Spitzy spricht von drei klar definierten Linien: Space (Raumfahrt), Flieger und Maritime. «Damit wollen wir wieder an die früheren Erfolge anschliessen.» Er erinnert an die mit Design-Preisen ausgezeichnete klassische Fliegeruhr oder an den Fortis-Chronografen, welcher seit 1994 die offizielle Uhr der russischen Kosmonauten sei. Fortis soll wieder – wie der Name sage – für Stärke und Robustheit stehen.

Keine Veränderung peilt der Salzburger bei der Firmengrösse an. Fortis sei und bleibe ein kleiner Uhrenhersteller. «Wir wollen keine marktgetriebene Massenproduktion aufbauen. Wir setzen auf die lange Tradition und wir wollen dem stets wechselnden Zeitgeist widerstehen», doziert Spitzy in blumiger Marketingsprache. Gleichzeitig will Fortis technisch- wie designmässig innovativ sein. Dazu werde Fortis im Hinblick auf die Baselworld 2015 neu entwickelte Variationen präsentieren. Die neue Ausrichtung trägt nach Firmenaussagen bereits Früchte. 2012 und 2013 seien schwierige Jahre gewesen und 2014 sei nach dem Wechsel an der Firmenspitze ein Übergangsjahr. Trotzdem liege man absatz- wie umsatzmässig deutlich über den Vorjahren. «Der Umsatz wird allerdings unter 10 Millionen Franken liegen und die Produktionskapazität von 10 000 Uhren jährlich wird nicht ausgeschöpft.» Im kommenden Jahr aber wolle Fortis die Umsatzmarke überschreiten.

Entscheidend für den Erfolg bezeichnet Spitzy die Markbearbeitung und den Vertrieb. Deshalb baue Fortis in mehreren Ländern eigene Agenturen auf. Innerhalb von 42 geografischen Märkten zählten die USA, Deutschland, Japan, China, Singapur, Russland und die Schweiz zu den Schlüsselmärkten. «Gerade im zuvor etwas vernachlässigten Schweizer Markt muss die Bedeutung der Marke wieder wachsen», hat sich Spitzy ins Pflichtenheft geschrieben. Eine Schweizer Uhr müsse, um im Ausland glaubwürdig zu sein, auf einen starken Heimmarkt zählen können. «Die Schweiz ist für uns sozusagen ein Auferstehungsmarkt und das Schaufenster zur Welt.» In einem ersten Schritt holte Spitzy das zuvor in Deutschland angesiedelte Marketing wieder zurück nach Grenchen. «Das Hauptquartier und das Herz von Fortis mit Produktion und Marketing ist jetzt wieder in Grenchen.» So ist die Zahl der Mitarbeitenden von zehn beim Amtsantritt von Spitzy wieder auf deren 15 angewachsen. Bis Ende Jahr sollen es dann rund 20 Beschäftigte sein.

Nicht überraschend ist, dass Fortis, mit Spitzy an der Spitze, das Augenmerk auch auf China richtet. Das Potenzial sei riesig, auch für Uhren in der Fortis-Preisklasse. 70 Prozent der Modelle kosten zwischen 1000 und 3500 Franken, die teuersten gehen für bis zu 16 000 Franken über den Ladentisch. Zwar könne sich von den rund 1,3 Milliarden Einwohner 1 Milliarde einen solchen Zeitmesser nicht leisten, trotzdem verbleibe aber ein Potenzial von 300 Millionen kaufkräftigen Chinesen, die sich eben explizit ein Luxusprodukt leisten wollen. «China wird in zehn Jahren auch für Fortis der wichtigste Markt sein.»

offen gesteht der Österreicher ein, dass er ein Branchenneuling ist. «Als Quereinsteiger muss ich viel lernen, aber ich kann mich auf ein erfahrenes und gutes Team abstützen.» Andererseits gebe es Eckpunkte, die unabhängig der Branche, entscheidend seien. «In jedem Geschäft müssen etwa die wirtschaftlichen Parameter wie Umsatz, Kosten, und Ertrag sowie die Technologie stimmen.»

Neuland für Spitzy ist auch die Wohn- und Arbeitsumgebung. Nach zehn Jahren in der Metropole Schanghai lebt er nun in der beschaulichen Uhrenstadt. «Das ist kein Problem für mich. Im Vergleich zu Schanghai ist Grenchen ein Paradies.» Das Umfeld zum Arbeiten sei toll und mache Spass. «Alles hat Qualität und wird nicht ‹irgendwie› gemacht.»