Pharmakonzern
«Marschhalt» bei der CSL Behring

Auf der Baustelle von CSL Behring in Lengnau ist es ruhig geworden. Die neue Chefin Susanne Jecklin hat den Innenausbau gestoppt.

Andreas Toggweiler
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«CSL Biotech Innovation Park» heisst die Lengnauer Fabrik seit vergangenem Dezember.

«CSL Biotech Innovation Park» heisst die Lengnauer Fabrik seit vergangenem Dezember.

Oliver Menge

«CSL Behring in Lengnau hat einen Marschhalt resp. eine Baupause eingelegt. Dies ist in keiner Weise ein Baustopp im klassischen Sinne. Aktuell überprüfen wir, wie die Produktion in Lengnau ergänzt und optimiert werden kann, um der ungebrochen grossen Nachfrage nach biotherapeutischen Produkten von CSL Behring gerecht zu werden. Damit die nötigen Anlagen und Installationen auch dafür passen, wurde der Innenausbau unterbrochen.»

Mit diesen Worten kommentiert eine Sprecherin des Pharmaunternehmens einen Bericht der «Berner Zeitung». Diese hatte diese Woche anlässlich eines Besuchs auf der derzeit grössten Baustelle im Kanton Bern getitelt: «Der Bau der Fabrik in Lengnau stockt».

1 Milliarde investieren

Der australische Mutterkonzern CSL hatte für das vergangene Geschäftssemester ausserordentlich starke Wachstumszahlen präsentiert. Im August 2017 hatte der Konzern zudem die Baubewilligung für eine nachträgliche Aufstockung des Hauptgebäudes in Lengnau erhalten. Zudem wurde kürzlich bekannt gegeben, dass auch der Standort Bern eine weitere Ausbauetappe plant: Mitte Februar teilte CSL Behring mit, dass man in der Hauptstadt 250 Mio. Fr. in zwei neue Produktionslinien investiere.

Der Marschhalt dürfte deshalb im Zusammenhang mit einer Gesamtschau des Konzerns erfolgt sein, der angibt, nun insgesamt eine Milliarde Fr. zu investieren. «Ebenfalls prüfen wir, ob wir nebst den rekombinanten Produkten zur Behandlung der Bluterkrankheit auch weitere Produkte von CSL Behring in Lengnau herstellen. Wir investieren rund eine Milliarde Franken in die neuen Produktionsanlagen und wollen daher die Infrastruktur inkl. eines möglichen Logistikcenters bestmöglich planen und ausnutzen.», teilt Kristin Pröpper von der CSL-BehringKommunikationsabteilung mit.

Bis das Konzept stehe, habe man die Bautätigkeit auf ein Minimum reduziert. Darüber, wann der Innenausbau wieder aufgenommen werde, machte die Sprecherin keine Angaben.

Zeitplan modifiziert

Nebst der geplanten Aufstockung will CSL Behring südlich der neuen Fabrik in einer weiteren Bauetappe auch ein neues Logistikcenter errichten. Das Baugesuch wurde eingereicht und es gingen Einsprachen ein, die man zurzeit bereinige, hiess es zuletzt im Februar. Die Fabrik soll nun offenbar schrittweise in Betrieb genommen werden.

«Wir rechnen mit der Betriebsbereitschaft der ersten Etappe im Jahr 2020. Das heisst, dass alle Installationen abgenommen sind und wir erste Testläufe für kommerzielle Produkte fahren können», heisst es zum neuen Zeitplan. September 2021 sei dann aus heutiger Sicht der frühestmögliche Zeitpunkt für die Zulassung des ersten rekombinanten Produkts aus Lengnau für die USA.

Arbeitsplätze bleiben gleich

Der Marschhalt hat offenbar auch noch keine signifikanten Auswirkungen auf die Anzahl Beschäftigten in Lengnau. «Um diesen Zeitplan zu erreichen und unseren Patienten die lebensnotwendigen Medikamente zur Verfügung zu stellen, brauchen wir die über 300 Mitarbeitenden in Lengnau», heisst es. Diese Zahl an Arbeitsplätzen wurde schon früher im Zusammenhang mit dem Neubau genannt.