Im vergangenen April wurde die Grenchner Uhrenfirma Breitling, Anbieter von Uhren des gehobenen Segments mit klarer Affinität zur Fliegerei, von der Londoner Investmentfirma CVC Capital Partners übernommen. Im Juli wurde auch der neue Chef bekannt: Georges Kern, der erst kurz davor in die Konzernetage von Richemont berufen worden war und vorher während Jahren die Geschicke von IWC geleitet hatte.

In Grenchen wurde seit dem Verkauf spekuliert, wie es mit der Uhrenmarke weitergeht. Als Breitling ankündigte, Büros in Zürich zu eröffnen, begann es in Grenchen in der Gerüchteküche erst recht zu brodeln. Schon bald sei Schluss mit dem Breitling-Standort Schlachthausstrasse, wird seither an Grenchens Stammtischen rumgeboten. Und als sich dann noch der mit Breitling angeschriebene Starfighter von seinem Podest am Flughafenkreisel Richtung Verkehrshaus verabschiedete, wurde dies wie eine Bestätigung der schlimmsten Befürchtungen aufgefasst.

Büros für neues Personal

Uwe Liebminger, Head of Corporate Communication bei Breitling, gibt Entwarnung. «Das Gegenteil ist richtig. Grenchen wird für Breitling der Hauptsitz bleiben und damit ein wichtiger Standort sein, ebenso wie La Chaux de Fonds, wo unsere Uhren produziert werden» Der neue Kommunikationschef, ein Zürcher mit Walliser Wurzeln, pendelt zwischen den neuen Breitling-Büros im Zürcher Hürlimann-Areal und Grenchen hin und her. 

Die zusätzlichen Büros in Zürich seien für das Unternehmen attraktivitätssteigernd, so Liebminger: «Wir haben die Organisation neu aufgestellt und zahlreiche Manager aus dem In- und Ausland eingestellt. Zürich bietet ein urbanes Umfeld, das kaum Wünsche offen lässt.». In Grenchen gebe es aber darum keine Entlassungen. «Das Gegenteil ist der Fall – wir bauen weiter aus und stellen weitere Fachkräfte an.»

Auch der neue Chef Georges Kern wie auch er selber würden mindestens drei Tage pro Woche in Grenchen arbeiten. Und so gehe es auch bei den meisten Angestellten am Grenchner Standort: «Einen geografisch festen Arbeitsplatz gibts eigentlich für niemanden mehr, der nicht in der Produktion arbeitet.»

Korrekturen beim Image

Das sind aber doch einschneidende Änderungen. Liebminger sieht das positiv. Stillstand ist für ihn Rückschritt und das kommt für die neuen Chefs nicht in Frage. Sie haben sich nämlich zum Ziel gesetzt, das aus Sicht der neuen Chefs leicht angestaubte Image der Uhrenmarke aufzupolieren. Schliesslich wolle man das Potenzial der etablierten Firma nutzen und zu einem «erfolgreichen Unternehmen mit globaler Präsenz» entwickeln.

Was kann man schon verraten, Herr Liebminger? - Definitiv passé ist das Frauenbild, das bisher bei Breitling gepflegt wurde und das in jüngster Vergangenheit auch vermehrt zu Diskussionen Anlass gab. Das Macho-Image mit auf Bomben sitzenden Blondinen, wie sie einst die Flugzeuge der Alliierten zierten, das sei heute einfach antiquiert. Insbesondere da man auch beabsichtige, künftig wieder Uhren für Frauen anzubieten. Das männlich-kantige Image soll also softer und damit mehrheitsfähiger werden. «Wir wollen als stilvolle Marke wahrgenommen werden, die sportliche und elegante Uhren für jede Situation im Leben offeriert» formuliert Liebminger.

Spitfire bleibt auf dem Dach

Der Verbindung zur Fliegerei werde man aber treu bleiben, versichert der Kommunikationschef. Will für Grenchen heissen: die «Spitfire», das legendäre Jagdflugzeug aus England auf dem Dach des Firmenhauptsitzes, bleibt dort. Entfernt wurde aber nebst dem Starfighter auch das Akro-Flugzeug auf dem Dach des Airport-Gebäudes (wir berichteten). Dies sei in einem schlechten Zustand gewesen, bestätigt Liebminger. Den Vertrag mit den Schweizer Betreibern der Lockheed Super Constellation, dem reparaturanfälligen Transatlantik-Liner der 1950er-Jahre, habe man auslaufen lassen und nicht verlängert. Dafür halte man am Engagement der Breitling Jet-Kunstflugstaffel mit nicht weniger als sieben Flugzeugen fest.

In China zulegen

«Wir wollen auch zeigen, dass Breitling mehr ist als Fliegerei und Navitimer», betont Liebminger. So habe das Unternehmen eine Vergangenheit, die bis anhin wenig bekannt sei. «Breitling hat eine unglaublich reiche Geschichte, die weit über die Fliegerei hinausgeht und die bis heute nicht erzählt wurde. Oder wussten Sie, dass Sean Connery 1965 im James Bond ‹Thunderball› eine Breitling getragen hat? Oder Breitling den ersten Schweizer Armbandchronographen im All hatte?» - Ein wichtiges Ziel ist für das Unternehmen die Erschliessung des chinesischen Marktes. «Hier sind wir noch vergleichsweise wenig präsent und sehen ein grosses Entwicklungspotenzial.» Breitling hat letzte Woche in Shanghai dem Handel und der Presse neue Produkte präsentiert. «Das Feedback war sehr gut, was uns natürlich in unseren Plänen – massiv in China zu investieren – bekräftigt», erklärt Liebminger.

Das Interesse in China scheint vorhanden: Präsentation von Breitling-Uhren letzte Woche in Shanghai.

Das Interesse in China scheint vorhanden: Präsentation von Breitling-Uhren letzte Woche in Shanghai.

Ein wichtiges Thema wird dieses Jahr auch der Vertrieb von Uhren im Internet werden. Ab Mitte Jahr wird man seine Breitling auch online kaufen können. «Die Kombination aus dem persönlichen Markenerlebnis in der Boutique und dem direkten Onlinehandel ist heute entscheidend für den Erfolg der Marke»,glaubt Liebminger. Und an der Uhrenmesse Baselworld vom 22. bis 27. März werde man ebenfalls wieder dabei sein. «Lassen Sie sich von unserem Auftritt überraschen», meint Liebminger.