Arch
Maria Nenniger: «Schauen Sie mal, wie viel Kraft ich noch habe»

Maria Nenniger feierte gestern im Altersheim «Lueg is Land» in Arch bereits ihren 105. Geburtstag und erhielt Gratulationen von höchster Stelle. Maria Nenniger ist nämlich seit ihrer Geburt mit Grenchen verbunden.

Marco Wölfli
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Vorne v.l.: Mareike Wurdack (Freundin des Enkels), Markus Nenniger (Enkel), die Jubilarin Maria Nenniger-Waelti. Hinten v.l.: Peter Nenniger (Sohn), Konrad Schwaller (Kantonsvertretung), Boris Banga (Stadtpräsident Grenchen), Mario Tosin (Pfarrer Grenchen).

Vorne v.l.: Mareike Wurdack (Freundin des Enkels), Markus Nenniger (Enkel), die Jubilarin Maria Nenniger-Waelti. Hinten v.l.: Peter Nenniger (Sohn), Konrad Schwaller (Kantonsvertretung), Boris Banga (Stadtpräsident Grenchen), Mario Tosin (Pfarrer Grenchen).

Hanspeter Bärtschi

Mit Geburtstagen ist es ja so eine Sache. Kinder fiebern wochenlang auf den grossen Tag hin und stehen dann auch dementsprechend im Mittelpunkt. Doch je älter man wird, desto mehr verliert der eigene Geburtstag normalerweise an Bedeutung. Allerdings kehrt sich diese Entwicklung ab einem gewissen Alter wieder um. Spätestens, wenn man 100 Jahre alt wird, ist einem grosse Aufmerksamkeit gewiss.

Maria Nenniger kennt sich mit diesem Phänomen gut aus. Gestern feierte sie im Altersheim «Lueg is Land» in Arch bereits ihren 105. Geburtstag. Da liessen es sich Grenchens Stadtpräsident Boris Banga mit seiner Frau Barbara, Vizestadtpräsident Hubert Bläsi, alt Staatsschreiber Konrad Schwaller und der Pfarrer Mario Tosin nicht nehmen, der Jubilarin zum Geburtstag zu gratulieren. Maria Nenniger ist nämlich seit ihrer Geburt mit Grenchen verbunden.

Treue Grenchnerin

Als sie dort am 10. Juli 1907 als Maria Waelti zur Welt kam, fuhren in Grenchen noch Dampflokomotiven und der Stadtpräsident hiess erstaunlicherweise nicht Banga, sondern Luterbacher. Bis sie 1996 ins Altersheim nach Arch ging, blieb sie ihrer Heimatstadt treu.

An der Kirchstrasse, wo sie heute noch ein Haus besitzt, bestickte sie während vieler Jahre Stoffe für die Aussteuer. Eine Arbeit mit grosser Nachfrage zu dieser Zeit. «Mein Vater hat mir damals sogar noch ein Schaufenster eingerichtet, damit ich meine Waren präsentieren kann», erinnert sich Maria Nenniger.

Ihr eigenes Geschäft gab sie auch nicht auf, als sie 1930 Paul Nenniger heiratete. Eine weise Entscheidung: Ihr Mann starb nämlich bereits 24 Jahre später. Somit stand Maria Nenniger mit 47 Jahren vor der Herausforderung, sich und ihren zehnjährigen Sohn Peter durchzubringen.

Enge Familienbande

Dank ihrem Geschäftssinn und den Mieteinnahmen aus dem Haus an der Kirchstrasse gelang, ihr das gut und sie konnte ihrem Sohn sogar ein Studium finanzieren. Dafür ist er seiner Mutter heute noch dankbar: «Das war eine gewaltige Leistung.»

Umgekehrt ist auch Maria Nenniger voller Lob für ihren Sohn: «Ich habe eine gute Familie und freue mich jedes Mal, wenn mich mein Sohn oder mein Enkel besuchen kommen.» Mit dem Leben im Altersheim in Arch ist Nenniger grösstenteils zufrieden: «Sie schauen gut zu mir.» Besonders Freude hat sie, wenn es ihr Lieblingsessen gibt: Früchtekuchen.

Wacher Geist und starke Hände

Über ihr hohes Alter ist Nenniger aber nicht nur glücklich. So alt zu sein, sei nicht immer einfach, sagt sie schwermütig. Trotz ihrer starken Sehschwäche und Problemen mit dem Herzen ist Nenniger nämlich immer noch in verhältnismässig guter Verfassung. Wie zum Beweis zeigt sie, wie stark sie mit ihren Händen noch zugreifen kann. «Schauen Sie mal, wie viel Kraft ich noch habe», meint sie zum Besucher und es schwingt fast ein Bedauern in ihrer Stimme mit.

Neben ihrem Körper ist Nenniger auch geistig noch auf der Höhe. Ihr wacher Geist zeigt sich besonders, wenn sie über Gedichte spricht. Seit ihrer Schulzeit begeistert sich Nenniger für Gedichte und kann auch heute noch einige auswendig. «Das Lernen fiel mir stets leicht und viele habe ich immer wieder aufgefrischt», sagt sie und lässt es sich nicht nehmen, mit glasklarer Stimme eines ihrer Lieblingsgedichte zu rezitieren.