Christoph Furrer betreibt ein altes Gewerbe als Hobby. Er ist als Mäusefänger tätig. In Leuzigen lebt damit eine jahrhundertealte Tradition fort, die vielerorts längst verschwunden ist. «Andere gehen als Ausgleich zum Beruf fischen, ich gehe mausen», sagt der Polier. Schon als Bub hat Christoph Furrer den Mäusen in Leuzigen nachgestellt und sich damit, wie das eine oder andere Schulkind heute, etwas Sackgeld verdient. Denn die Gemeinde zahlt nach alter Sitte pro Mäuseschwanz eine kleine Prämie.

Der finanzielle Anreiz hat einst findige Schlitzohren dazu gebracht, im Keller Mäuse zu züchten und mit dem konstanten Nachschub das Gemeinwesen zu schröpfen. «Das gibts schon lange nicht mehr, jedenfalls nicht hier», sagt Christoph Furrer schmunzelnd. Er führt zuhanden der Gemeindeverwaltung Buch über die in Leuzigen gefangenen Tiere. «Auf den Wiesen und Feldern gibt es mehr als genug Mäuse. Manchmal knallt es in der Falle schon, kurz nachdem ich sie aufgestellt habe.»

2241 wurden 2015 auf dem Gemeindegebiet gefangen, wie die «Leuziger Zytig» vermeldet – ein mausreiches Jahr. Neben dem «Hauptmauser» waren drei weitere Bewohner mit Fallen unterwegs – nach Lust und Laune, ohne Vorgabe oder System. «In Leuzigen wurde immer gemaust. Meistens waren es in den letzten Jahren Rentner, die das Hobby gepflegt haben», erzählt Furrer.

Fallen ohne Köder

Dass Christoph Furrer den Zeitvertreib aus Jugendtagen wiederbelebt hat, sei seinem Sohn zu verdanken. Vor fünf oder sechs Jahren habe sich der Junge eine Falle gewünscht, erzählt der Vater. Geblieben ist die Faszination beim Vater, der heute 14 Fallen im Einsatz hat.

Seit ihm Füchse sieben Fallen geklaut haben, verankert er sie im Boden. «Jetzt kommt es manchmal noch vor, dass ein Fuchs eine Falle ausgräbt oder die Maus herausreisst, aber wenigstens verschleppen sie nicht mehr die Fallen.»

Moderne Fallen brauchen weder Köder noch Gift. Sie töten die Maus durch einen Schlag ins Genick. Die Rohre werden mit gespanntem Fangmechanismus in die Ausgänge von Mäusehöhlen gesteckt, wobei sie aus dem Boden ragen. So erkennt der Mäusefänger von weitem, ob eine Falle zugeschnappt hat oder nicht. Erdhaufen zeigen an, wo es sich lohnt, tätig zu werden, die genaue Position für die Falle ermittelt der Mauser mit einem Suchstab, mit dem er im Boden stochert.

Von Mäusen und Maulwürfen

Wenn möglich kontrolliert Christoph Furrer die Fallen mehrmals täglich. Falls ein Tier vom Mechanismus nicht getötet wurde, weil es zum Beispiel nur mit den Nagezähnen festhängt, dann verkürzt die häufige Kontrolle die Leidenszeit. Dabei könne es vorkommen, dass ein Opfer entwischt, bevor er es töten kann. «Der Rekord waren drei Mäuse in derselben Falle. Offenbar sind sie von verschiedenen Seiten exakt zur gleichen Zeit hineingerannt. Der erstaunlichste Fund war ein Mauswiesel», erzählt der Mauser.

Diese Maus hats erwischt.

Diese Maus hats erwischt.

Ungefähr 10'000 Nager hat Christoph Furrer in den letzten fünf Jahren gefangen. Unterwegs ist er ab März und bis im Herbst der Frost einsetzt.

«In manchen Böden fühlen sich die Mäuse offenbar wohler als in andern. Ausserdem kann auf einer Wiese die Mauspopulation wegen einer Krankheit oder Inzucht kurzfristig zusammenbrechen», hat der Mauser beobachtet. Aus Hygienegründen und weil Mäuse einen feinen Geruchssinn haben, arbeitet Christoph Furrer mit Handschuhen. «Und dann gibt es auch schlaue Mäuse. Die gehen nicht in eine Falle.»

Dass Maulwürfe nur selten in den Fallen anzutreffen sind, habe allerdings nichts mit Intelligenz zu tun. Furrer erklärt das damit, dass die «Grabowskis» meistens Erde vor sich herschieben. «Wenn eine Falle zugeschnappt und voller Erde ist, dann weiss ich, wer da am Werk war.»

Der Mauser mit der ungeschickten Katze

Landwirte und Gärtner schätzen die Arbeit des Mausers besonders. «Gelegentlich bekomme ich Anrufe von Bauern, die mich bitten, bei ihnen Fallen zu stellen», erzählt Christoph Furrer. Auch aus den Nachbargemeinden seien schon Anfragen gekommen, und einmal sogar aus Lüterkofen. Die Ausbeute dieser Fangaktionen kann er natürlich nicht der Gemeinde Leuzigen in Rechnung stellen, weshalb er mit solchen Auftraggebern individuelle Abmachungen trifft, falls er Zeit für sie findet.

Doch am meisten Freude haben die Greifvögel am Mausen. «Kaum bin ich auf einer Wiese, kreisen schon Milane über mir», sagt Christoph Furrer. «Ich weiss nicht, ob sie mich inzwischen kennen oder ob sie auf die Fallen reagieren, jedenfalls sind die Vögel sofort da und stürzen sich auf die Mäuse, sobald ich sie am Boden ausgelegt habe.»

Hin und wieder bringt er seiner Katze ein Tier mit. «Sie frisst gern Mäuse, aber selbst bringt sie einfach keine zur Strecke», sagt Christoph Furrer und lacht.