In der kleinen Küche im Zwinglihaus der reformierten Kirche geht es hektisch zu und her. Im Eiltempo wird gerührt, gehackt und geschnitten. Dazwischen ertönen, quer durch den Raum, immer mal wieder Rufe wie: «Wo ist das Maizena?» oder «kann mir mal einer schnell den Zucker reichen?» Was sich anhört, als wären hier gerade die Crème de la Crème der Kochlandschaft am Werk, ist in Tat und Wahrheit die Kochgruppe «A Point». Dies sind zehn Senioren, die nochmals eine völlig neue Leidenschaft für sich entdeckt haben.

Im letzten Jahr sind von der reformierten Kirche zum ersten Mal Kochkurse für ältere Männer angeboten worden. Das Ziel dabei war es, den pensionierten Herren die Möglichkeit zu bieten sich auch im dritten Lebensabschnitt abwechslungsreich zu ernähren. Nachdem die Seniorentruppe gemeinsam zwei Kurse an je fünf Abenden besucht hatte, beschloss man, das neu entdeckte Hobby weiterführen zu wollen. Dies war die Geburtsstunde der Männerkochgruppe «A Point», die sich fortan immer einmal im Monat im Zwinglihaus trifft, um der Kochkunst zu frönen und die Freundschaft zu pflegen.

Jeder weiss, was er zu tun hat

Der ganze Trubel in der Küche wirkt auf den ersten Blick ziemlich chaotisch, doch weit gefehlt. Die älteren Herren haben alles fest im Griff und verstehen ihr Metier. Die Rollen wurden im Vorfeld klar verteilt und jeder weiss, welche Arbeiten er zu erledigen hat. Das Teamwork funktioniert einwandfrei. Und wenn es für den einen oder anderen gerade nichts zu tun gibt, dann wird abgewaschen oder aufgeräumt. Schliesslich soll hier nicht das alte Klischee gelten «Wenn Männer kochen, dann gibt es eine riesen Sauerei».

Inmitten der Männerrunde steht Heidi Luder. Sie ist die gute Fee der Küche, die jedem hin und wieder mal über die Schulter guckt und das ganze Geschehen koordiniert. Die gelernte Köchin hat bereits die Kochkurse der Senioren geleitet und kennt alle seit Beginn weg. Und so kam es, dass man sich die neu formierte Seniorenkochgruppe ohne Heidi Luder gar nicht erst vorzustellen vermochte und sie deshalb gleich mit ins Team geholt hat. «Unsere Heidi ist wahrlich ein Schatz» sagt Beat Studer. «Aber sie hält uns auch ganz schön unter der Knute», witzelt Fritz Affolter.

Sprüche gehören dazu

Überhaupt, Witze reissen, freche Sprüche klopfen und «eifach chlei blödele» gehört hier, genauso wie das Zubereiten feiner Speisen, zur Tagesordnung. Wobei die Stimmung unter den jung gebliebenen Freunden nicht besser sein könnte. «Seit zwei Jahren kochen wir nun zusammen und noch nie ist ein böses Wort gefallen», erklärt André Allemann. Dem kann Heidi Luder nur beipflichten. «Zuerst kannten sie sich nur flüchtig oder gar nicht, aber seit den Kursen haben sie einen regelrechten Zusammenhalt entwickelt.»

Und wie steht es nun um die neu erworbenen Kochfähigkeiten der älteren Herren? Die Mühe hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn was die Altmannschaft auf den Tisch gezaubert hatte, konnte sich sehen und vor allem schmecken lassen. Eröffnet wurde der Gaumenschmaus mit einem Apéro aus Käse- und Rohschinkenprussiens, gefolgt von einem Nüsslersalat mit Croutons. Zum Hauptgang wurde Rindsstroganoff mit Reis und «Rüebli» serviert und das Ganze wurde abgerundet durch eine feine Orangencreme zum Dessert.

Schon Wartelisten

Die Zukunft des Kochkurses im Zwinglihaus scheint jedenfalls gesichert - auch dank der Pionierleistung der munteren Truppe von «A-Point». «Letztes Jahr hatte man anfangs noch grosse Mühe genügend Leute zu finden, die mitmachen wollten. Inzwischen gibt es Wartelisten für die nächsten Kurse», erklärt Beat Studer.