Grenchen
Macher der Triennale ziehen Bilanz: «Es war ein Gesamtkunstwerk»

Nach drei September-Wochenenden ging die Triennale in Grenchen am letzten Wochenende zu Ende. Nun ziehen die Macher Bilanz.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Gut 1800 Besucher schauten sich in den Räumen der 21. Triennale Grenchen um.

Gut 1800 Besucher schauten sich in den Räumen der 21. Triennale Grenchen um.

Hansjörg Sahli

Nach drei Wochenenden im September, an denen die 21. Triennale in Grenchen durchgeführt wurde, war am vergangenen Sonntag Schluss. Reto Emch, als Kurator von der Grenchner Kunstgesellschaft angestellt, ist zufrieden mit dem Verlauf der Ausstellung. «Das Konzept, die Triennale um neue und digitale Druckformen zu erweitern, ist künstlerisch aufgegangen. Auch die Räumlichkeiten in zwei ehemaligen, jetzt nicht mehr benutzten Industriegebäuden ist bei Künstlerin und Publikum auf breite Zustimmung gestossen.»

Ihm sei aufgefallen, dass insbesondere die angebotenen Führungen durch die Ausstellung auf grosse Resonanz gestossen seien. «Ich führte pro Ausstellungstag zweimal rund 30 Personen durch die Schau. Das kam es gut an.» Er erzählt, dass Besucher, auch wenn sie zunächst alleine durch die Ausstellung gingen, dann sich bei einer Führung nochmals sehr gerne alles erklären liessen. «Ein Werk zu betrachten, wenn man mehr über den Künstler und seine Motivation weiss, bringt grössere Erkenntnisse.»

«Ein frischer Wind weht durch die Grenchner Triennale», sei ihm gesagt worden. Seiner Wahrnehmung nach kam der Grossteil des Publikums aus der Region. «Allerdings haben auch viele Künstler selbst Besucher aus Bern oder Zürich nach Grenchen gebracht.»

Mit Ausstellungsleiter Reto Emch durch die Triennale
13 Bilder
Ausstellungsleiter Reto Emch begrüsst eine Besuchergruppe
Thomas Ruch erläutert verschiedene Druckarten hinten Triennale-Präsident Philipp Glocker
... gleich an der Druckerpresse
Besucher in der grössten Ausstellungshalle Mit Offset-Druck von Marius Lüscher
Dieses Grafik oxidiert vor sich hin... vom japanischen Künstler Shuhei Fukuda. Die Wand ist original Industriebau...
Die Räume lassen ungewöhnliche Präsentationen zu
Durchblicke und Einblicke...
Digitale Kunst auf dem Kult Mac Im SWG Unterwerk
Reto Emch erläutert Werke von Dorothee Joachim
Jugendliches Publikum
Kleider von Laura Woodtli
Im Triennale-Bistro gibts diverse Grafiken zu erwerben

Mit Ausstellungsleiter Reto Emch durch die Triennale

Andreas Toggweiler

Enttäuschendes Medienecho

Entäuscht ist Emch hingegen vom Medienecho, das grösstenteils ausgeblieben war. Ausser dieser Zeitung sei keine Presse vor Ort ausfindig zu machen gewesen, sagt der Kurator. Warum das so sei, könne er sich eigentlich nicht erklären, denn Emch schaffte es, auch Werke international bekannter Künstler nach Grenchen zu holen. So beispielsweise auch die grosse 1500 m2 grosse Kalligrafie auf dem Dach der Industriehalle, gemalt von Pokras Lampas aus Russland. Diese war nur aus der Luft zu betrachten, und wofür man eigens Hubschrauberflüge anbot. Auf ebenfalls nicht grosse Resonanz stiess das in die Austellung integrierte Tattoo-Studio. «Nur vereinzelte Besucher haben von diesem Angebot, Druckgrafik auf der Haut, Gebrauch gemacht.»

Am besten habe dem Publikum, sowie den Künstlern die Art der Präsentation an den beiden Standorten Sportstrasse 51 und Brühlstrasse 10 gefallen, so Emch. «Diese Industrieräume in Zusammenhang mit Kunst zu zeigen, war ein Erlebnis. Das ganze wurde zu einem Gesamtkunstwerk, so wie ich mir das im Vorfeld auch vorgestellt hatte».

Der Präsident der organisierenden Kunstgesellschaft Grenchen, Philipp Glocker sagt, dass der Besucheransturm sich etwa so gross gewesen sei, wie man sich dies vorgestellt hatte. «Es waren knapp weniger Besucher, als das letzte Mal. So um 1800 Eintritte», nennt er eine Zahl.
Auch er hat bei Künstlern, Galeristen und Besuchern nur positive Rückmeldungen erhalten. «Es waren wohl Gäste, die sich öfter in der Kunstszene bewegen. Und es waren etwas weniger jüngere Besucher, was schade ist», bemerkt der Kunstgesellschafts-Präsident. Entsprechend weniger wurde auch Kunst verkauft. «Viele Werke waren eher im Hochpreis-Segment, was den Verkauf eben beeinflusst», so Glocker.

Ob es in drei Jahren wieder eine solche, oder so ähnlich kuratierte Triennale gibt, weiss Glocker er heute noch nicht. «Wir haben in der Kunstgesellschaft das Problem, dass wir immer weniger auf jüngere Kräfte zählen können. Und diese Triennale war halt mit rund 2000 Stunden freiwilliger Arbeit, verteilt auf 30 bis 40 Personen schon sehr arbeitsintensiv.» Es sei also noch offen, wie es in drei Jahren weiter ginge.

Auch wenn die 21. Triennale Grenchen die Türe offiziell geschlossen hat, gibt es noch bis Ende Oktober die Möglichkeit, bei Führungen noch einen grossen Teil der Kunstwerke zu besichtigen. Zudem druckt Max Hari noch am 13. Oktober mit seinem eigens für die Triennale geschaffenen Riesendruckstock öffentlich.

Weitere Infos bei: Reto Emch 079 208 58 27

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