Rund 700 aktive Fussballer, davon etwa 400 lizenzierte Junioren, spielen in den vier Fussballklubs FC Grenchen, Wacker, Fulgor und ItalGrenchen in rund 80 Mannschaften – keine andere Sportart hat in Grenchen so viele aktive Sportler. Man legt viel Wert auf die Juniorenförderung und will nach dem Desaster mit «Regio Grenchen» wieder neu beginnen. In den Wintermonaten fehlen aber Trainingsmöglichkeiten, oft sind die Spielfelder gesperrt.

Die Fussballvereine haben sich deshalb klar für den Kunstrasen ausgesprochen, der das ganze Jahr hindurch bespielbar wäre. In einer Medienmitteilung und Briefen an die Eltern rufen Verantwortliche der Vereine dazu auf, sich für das Kunstrasenfeld einzusetzen und «Falschinformationen» entgegenzuwirken. Im Zusammenhang mit der Abstimmung sei immer von 3 Mio. Franken die Rede sei, obwohl es effektiv um 1,63 Mio. Franken gehe und die Kosten für das Land fälschlicherweise mitgerechnet würden (siehe Kasten). Sie betonen die wichtige soziale Arbeit, welche die Vereine leisteten, wie zum Beispiel die Integration von Ausländerkindern. Um die Anforderungen, welche ständig wuchsen, erfüllen zu können, brauche es die notwendige Infrastruktur.

Ein Unterstützungskomitee «Pro Kunstrasen», initiiert vom Grenchner Matthias Meier-Moreno, betont, dass mit dem Kunstrasenfeld über ein wichtiges Puzzleteil der Sportstättenzone abgestimmt werde, und dass bei einem Nein des Souveräns die ganze Planung, ja sogar der Bau des Velodroms, ernsthaft gefährdet sei.

«Luxus auf Kredit»

Die Meinungen zum Kunstrasen-Projekt sind geteilt. Manche finden das Projekt zu teuer und angesichts der finanziellen Situation der Stadt überrissen. So auch FDP-Ersatzgemeinderat Eric von Schulthess, der in einem offenen Brief zu bedenken gibt, dass die finanzielle Belastung für Grenchen zu gross sei. Der Finanzplan 2012 bis 2016 weise eine drohende Verschuldung von über 20 Mio. Franken auf und die Stadt könne keine der Investitionen, so auch den Kunstrasenplatz, aus eigenen Mitteln finanzieren. Er bezeichnet das 3-Mio.-Projekt als «Luxus auf Kredit» und bemängelt, dass der Fussball, verglichen mit anderen Sportarten, eine unverhältnismässig grosse finanzielle Unterstützung bekomme. Auch würden weitere Kosten alleine zugunsten der «Fussballgemeinde» anfallen, schreibt Schulthess. Man müsse davon ausgehen, dass bei einem «Ja» die Steuern erhöht werden müssten.

Parteien sind für den Kunstrasen

Alle Parteien haben sich in den letzten Wochen zum Kunstrasen geäussert. An der Parteiversammlung der SP orientierte Stadtbaumeister Claude Barbey über das Vorhaben und zeigte auf, dass der Kunstrasen gegenüber einem Naturrasen sogar finanzielle Vorteile biete. Eine Spielstunde auf Kunstrasen komme auf
70 Franken zu stehen, eine auf Naturrasen schneide mit 131 Franken deutlich schlechter ab. Die SP stimmte einstimmig für den Kunstrasen (wir berichteten).

Die FDP hatte sich an einer ausserordentlichen Parteiversammlung mit einer Zweidrittelmehrheit für den Kunstrasen ausgesprochen. Es handle sich dabei um eine Investition, welche die Attraktivität des Sportstandortes Grenchen erhöhe und sie sei ein wichtiger Bestandteil des Sportstättenkonzeptes. Man sprach von einer Investition in die Zukunft, allerdings müsse die Nachwuchsförderung professionell koordiniert werden und man müsse eine Gesamtlösung anstreben, die mit dem «Gärtli- und Klubdenken» Schluss mache, schreibt FDP-Präsident Alexander Kohli in einer Medienmitteilung.

Auch die SVP stehe zum Kunstrasen, sagt deren Präsident Richard Aschberger auf Anfrage. Sie hätten das Vorhaben im Gemeinderat und an der Gemeindeversammlung unterstützt und daran habe sich nichts geändert. Finanzpolitisch sei die Situation vor Jahren zwar besser gewesen und man habe parteiintern Diskussionen geführt. Aber eine Kehrtwende werde die SVP, trotz der schlechten Finanzlage, nicht vollziehen.

CVP will Kunstrasen

Die CVP steht voll und ganz hinter dem Kunstrasen. CVP-Präsident Marco Crivelli bezeichnet das Vorhaben als grosse Chance für Grenchen. Mit Velodrom, Stadion, Tennishalle und einem das ganze Jahr benutzbaren Trainingsfeld verfüge Grenchen über ein Ensemble auf engstem Raum, das schweizweit seinesgleichen suche. Vom Investitionsvolumen her machten Kunstrasen und Velodrom auch nur einen kleinen Teil der finanziellen Belastung für die Stadt aus, wenn man an die grossen Brocken, wie die Sanierung des Eichholz-Schulhauses denke.

Gemeinderat und Gemeindeversammlung haben die Investition einstimmig gutgeheissen. Angesichts der Höhe muss laut Gemeindeverordnung darüber an der Urne abgestimmt werden. Am 23. Oktober hat nun das Volk das letzte Wort. Stimmt der Souverän dem Vorhaben zu, könnte schon im nächsten Jahr auf dem neuen Kunstrasenfeld trainiert und gespielt werden.