Fliegertreffen

Luftfahrtsgeschichte zum Anfassen in Grenchen

An einem Treffen historischer Flugzeuge in Grenchen gab es Luftfahrtsgeschichte zum Anfassen und Bestauen. Zahlreiche seltene Maschinen lieferten sich auf dem Flughafen ein Stelldichein.

Der Bücker strahlt in seinem Gelb mit der Sonne um die Wette. Er schaut auf eine 72-jährige Geschichte zurück. Am 30. August 1939, zwei Tage vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, kam er mit der Registrierung A-66 in den Dienst der Schweizer Luftwaffe. Bis Silvester 1971 leistete der Doppeldecker seinen Dienst in der Ausbildung von angehenden Militärpiloten und als Verbindungsflugzeug. Seine beiden Führersitze erzählen von den Schicksalen, die hier entschieden wurden. Die tränenerfüllten Augen vieler junger Männer, wenn sie nach einem letzten missglückten Flug zum letzten Mal aussteigen mussten und der Traum vom Militärpiloten für immer unerfüllt bleiben sollte.

Freude weitergeben

Nun aber nimmt der Bücker HB-UUS, wie er heute heisst, einen freudenstrahlenden Passagier auf. Pilot Rolf Bläsi aus Solothurn schnallt Jan Liechti auf dem vorderen Sitz an, der den Flug im historischen Doppeldecker zu seinem 16. Geburtstag geschenkt erhalten hat. So wie Rolf Bläsi geben die Piloten und Besitzer ihre Freude an Oldtimer-Flugzeugen gerne weiter. Während des Jahrestreffens der Antique Airplan Association (AAA), also der Vereinigung für historische Flugzeuge, konnten viele Passagiere das einmalige Erlebnis des Fliegens wie vor Jahrzehnten geniessen. Die Oldtimer-Vereinigung ehrte mit ihrer Präsenz die heuer 80-jährige Geschichte des Grenchner Flugplatzes.

Den weitesten Anflugweg legten Ralf Gaida und Hartmut Baier zurück. Sie zeigten ihre Bücker Bü181 Bestmann, die sie in 6000 Arbeitsstunden restauriert hatten. In rund fünf Flugstunden steuerten sie das wunderschöne zweiplätzige Schulflugzeug aus den 1930iger Jahren von Saarmund bei Berlin nach Grenchen und genossen die Gastfreundschaft unter den Schweizer Oldtimer-Piloten.

Seltene Maschinen

Neben dem Vorbeiflug der Super Constellation von der ersten Generation Verkehrsflugzeuge, die nonstop den Atlantik überqeren konnten, zog die North American P-51 Mustang alle Augen auf sich. Das Kampfflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg kam mit Christoph Nöthiger und Stefan Hangartner nach Grenchen. Nöthiger, Arzt aus dem Kanton Zürich, flog den Mustang mit dem Zunamen "Lucky Lady VII" ab Grenchen am Flugtag in Môtier im Val de Travers vor, kam nochmals zurück über Grenchen und verschwand dann Richtung Bremgarten (D), wo das Flugzeug stationiert ist.

Ebenfalls über Môtiers flogen Philipp Müller und Beni Kissling mit der einheimischen Beech 18 von Mathys Aviation. Nachdem sie noch über Langenthal-Bleienbach für die Flügerchilbi trainiert hatten, zeigten sie in Grenchen die Wendigkeit der zweimotorigen Maschine in ihren auffälligen Hochglanz-Aluminium. Die Zuschauer knipsten unzählige Fotos von den seltenen Flugzeugen, die man noch seltener in so grosser Zahl an einem Platz vorfindet. Und trotz der Hitze des wohl letzten diesjährigen Sommertages wurden die Pilotinnen und Piloten nicht müde, sich über die historischen Fluggeräte auszutauschen.

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