Geht die Bettlacher Lehrerschaft auf Reisen, so betreibt man damit immer auch «Herzensbildung», wie sich Peter Brotschi, selbst Primarlehrer in Bettlach, ausdrückt. Weil sich die Lehrpersonen der beiden Schulhäuser Einschlag und Büelen nicht so oft sehen, diene so ein Anlass dann auch immer der Entwicklung des Teamgeists. «Nicht zu vergessen ist aber die Weiterbildung im eigentlichen Sinne», fügt er hinzu.

Interessante Horizonterweiterung

Gerade beim Lehrerausflug dieser Woche war eine ausgesprochene Portion Infotainment mit dabei. Als Ersatz-Nationalrat der CVP organisierte Brotschi einen Ausflug an den politischen Kraftort der Schweiz - ins Bundeshaus, um CVP-Nationalrat Stefan Müller einen Besuch abzustatten. «Für mich ist es eine Horizonterweiterung in einem Bereich, mit dem wir tagtäglich durch die Medien konfrontiert sind», fand Marion Glanzmann, Schulleiterin im «Einschlag».
Blick in den Parlamentsalltag

Blick in den politischen «Bärengraben»

Strenge Sicherheitsvorkehrungen sorgen für Rückstau vor dem Besuchereingang des Bundeshauses. Auch die «Gruppe Müller» ist davon betroffen, bis ein erlösender Aufruf folgt. Die Lehrerschar gelangt nach einer kurzen Begrüssung von Nationalrat Müller durch den Sicherheitscheck ins Innere und schnurstracks zur Zuschauertribüne des Nationalratssaals. Auch wenn sich die unruhige Debatte - es geht gerade um eine Revision des Bundespersonalgesetzes - als Nichtparlamentarier nur schwer mitverfolgen lässt, kommt beim Blick in den «parlamentarischen» Bärengraben rege Neugier auf. Weniger der Inhalt, vielmehr das geschäftige Treiben als solches ziehen in den Bann.

«Glöitsch» im Nationalrat

«Es herrschen unterschiedliche Kulturen in den beiden Kammern», erklärt später Stefan Müller in einer organisierten Fragerunde mit den Bettlacher Lehrern. «Im Nationalrat ist halt immer ein ‹Glöitsch›. Und wenn der Pager zur Abstimmung piepst, stürmen die Parlamentarier herein.» Im Gegensatz zum Ständerat, höre hier einem sonst kaum jemand zu, ist seine Erfahrung nach einem knappen Jahr als Nationalrat: «Als ich das erste Mal am Rednerpult stand, stellte ich fest, dass ich gerade so gut ein Kochbuch hätte vorlesen können.»

Obwohl bei lustigen Versprechern dann doch am Gelächter festzustellen sei, dass die anwesenden Ratsmitglieder mit einem Ohr dabei sind. «Aber kann man nicht auf die Debatte verzichten, wenn die Meinungen eigentlich schon feststehen?», hallt eine kritische Frage aus der Lehrerschaft. Worauf Müller abwinkt: «Keineswegs, denn wir arbeiten für die Rechtsanwendung. Und wenn nicht klar ist, wie ein Recht auszulegen ist, braucht es die Ratsprotokolle.» Auch bringt er das Verbot des Fraktionszwangs zur Sprache sowie kleine strategische Tricks im Abstimmungsprozedere. Alles in allem hat Müller einen kleinen, humorvollen Abstecher hinter die Kulissen der politischen Bühne geboten.