Grenchen
Littering-Aktion: Hinschauen, wo man im Alltag lieber wegschaut

Im Rahmen des nationalen Lions-Tages setzte sich der Lions Club Grenchen am Samstag gegen Littering ein. Mitten auf dem Marktplatz wurden aus diesem Grund drei Berge von Abfallsäcken deponiert.

Lea Reimann
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Trotz 400 Abfalleimern bleibt viel Abfall irgendwo liegen und muss oft von Hand eingesammelt werden.

Trotz 400 Abfalleimern bleibt viel Abfall irgendwo liegen und muss oft von Hand eingesammelt werden.

Lea Reimann

Gesammelt wurde dieser Abfall von Pro Work, vom Werkhof Grenchen und von McDonald’s, die sich alle als Partner an der Aktion beteiligten.

«Es freut uns, dass Sie heute hinschauen, wo man im Alltag lieber wegschaut», wandte sich Hubert Bläsi, Vorstandsmitglied der Lions Grenchen und Vize-Stadtpräsident, an die Anwesenden. Diese liessen sich an den Ständen informieren, besuchten die Festwirtschaft oder lasen auf den Plakaten im Info-Zelt über das Littering-Problem.

Etwa, dass der natürliche Abbau eines Zigarettenstummels rund 50 Jahre dauert, jener eines Plastikbechers sogar 100 Jahre. Bläsi betonte: «Der Lions Club will nicht mit erhobenem Mahnfinger kommunizieren, sondern wir möchten mit Ihnen in einen Dialog treten.» Die Abfallberge sollen schockieren und sensibilisieren.

Littering– das achtlose Liegenlassen und Wegwerfen von Abfall auf öffentlichem Grund – ist zu einem festen Bestandteil der heutigen Gesellschaft geworden. «Es liegen Unmengen Müll herum. Man sieht sie bloss meistens nicht, weil sie immer sofort wieder weggeräumt werden», so der Präsident des Lions Club Grenchen, Dominik Aerni.

Arbeitslose sammeln Müll

Eine Firma, die sich um das Wegräumen des Abfalls kümmert, ist die Teillohnfirma Pro Work. Sie beschäftigt ausgesteuerte Arbeitslose und räumt jeden Montag mit fünf bis zehn Mitarbeitenden auf, was am Aareufer zwischen Bettlach und Büren einfach liegen geblieben ist.

Dabei werden regelrechte Abfallberge gesammelt. Über zehn blaue Abfallsäcke auf dem Marktplatz verdeutlichen, wie viel Abfall allein letzten Dienstag nach dem Pfingstwochenende gesammelt wurde. «Der grösste Abfallberg, der bisher an einem Tag gesammelt wurde, umfasste 3000 Liter», erklärte Bruno Käser, Betriebsleiter von Pro Work. Insgesamt seien im letzten Jahr 39 000 Liter Abfall gesammelt worden.

Die Spenden, die an der Littering-Activity gesammelt wurden, kommen der Firma Pro Work zu Gute. «Damit werden Werkzeuge gekauft, die das Abfall-Sammeln erleichtern», so Käser. «Bis anhin haben wir mit Zangen von Hand gesammelt. Mit dem Geld möchten wir einen Staubsauger kaufen, mit dem etwa Zigarettenstummel ohne mühsames Bücken aufgesaugt werden könnten.»

Der Autobahnzubringer ist besonders schlimm

Neben dem blauen Müllhaufen von Pro Work befand sich auf dem Marktplatz ein etwa gleichgrosser Berg aus grünen Säcken. Dabei handelte es sich um Littering von drei Tagen, gesammelt von der Baudirektion. Denn der Werkhof investiert ebenfalls sehr viel Zeit in die Reinigung und Abfallbeseitigung auf dem Stadtgebiet.

Besonders schlimm sei der Autobahnzubringer, weiss Rudolf Winzenried, Strassenmeister des Werkhofs. Getränkedosen und Verpackungen würden dort einfach aus dem Auto geworfen. Und im Zentrum landen vor allem nachts grosse Mengen Abfall auf dem Boden.

«Und das, obwohl sich in Grenchen rund 400 Abfalleimer befinden!», so Winzenried. Fast 80000 Kilogramm Abfall sammeln Werkhofmitarbeitende jährlich von Hand, 245000 Kilogramm können maschinell beseitigt werden und «nur» 52000 Kilogramm stammen aus den Abfallbehältern.

Viele waren schockiert

Der dritte Müllhaufen auf dem Marktplatz wurde von McDonald’s gesammelt. «Ein bis zweimal täglich machen wir eine Abfallsammeltour im Umkreis von 200 Meter rund um unser Restaurant», unterstrich der Franchisenehmer von McDonald’s Grenchen.

Auch an der Spendenaktion beteiligte sich das Fast-Food-Restaurant aktiv: Der Gewinn jedes verkauften Big Macs am Samstag kam ebenfalls der Firma Pro Work zu Gute, dies neben den Einnahmen aus der Festwirtschaft auf dem Marktplatz und dem Spendentopf.

Zahlreiche Passanten zeigten sich beeindruckt und schockiert von den grossen Abfallbergen. «Viele können sich nämlich gar nicht vorstellen, wie es hier aussehen würde, wenn all die Heinzelmännchen nicht immer alles wegräumen würden», ist Lions-Präsident Aerni überzeugt und fügte an: «Vielleicht müsste man den Abfall einfach einmal eine ganze Woche lang liegen lassen und sehen, was passiert.»