Grenchen
Lindenhaus will Eltern einbeziehen

Es gibt immer noch Jugendliche, die nur heimlich ins Lindenhaus kommen und an dortigen Freizeitaktivitäten teilnehmen können, weil die Eltern die Institution - zu Unrecht - für suspekt halten. Dem will Leiterin Monika Crausaz nun entgegenwirken.

Oliver Menge
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Das Team des Lindenhauses (v.l.): Gil-Louis Joiliat, Monika Crausaz und Sheena Ettlin.

Das Team des Lindenhauses (v.l.): Gil-Louis Joiliat, Monika Crausaz und Sheena Ettlin.

Oliver Menge

Das Lindenhaus ist eine Institution, die nicht mehr aus der Grenchner Jugendarbeit wegzudenken ist. Monika Crausaz, die vor einem Jahr die Leitung des Lindenhauses übernommen hat, möchte nun mit ihrem teilweise neuen Team das Lindenhaus etwas neu positionieren und der Bevölkerung Grenchens zugänglicher machen.

Das Rad neu erfinden wolle sie nicht, erklärt sie, sondern vielmehr Bewährtes weiterführen, aber auch neue, innovative Angebote einführen. So will Crausaz beispielsweise auch dieses Jahr das beliebte Tanz-Camp wieder durchführen. Wie letztes Jahr seien Auftritte an der Grega und das Openhouse geplant. «Wir möchten aber vor allem die Jugendlichen noch mehr in die Projekte einbeziehen.

Fussballturniere zur Jugendförderung

Die Vernetzung mit anderen Institutionen, die im selben Bereich arbeiteten, sei enorm wichtig. So wurde an der letzjährigen Grega beispielsweise von der Jugendförderung des Kantons Solothurn unter anderem ein Street-Soccer-Turnier durchgeführt. In insgesamt 105 Gemeinden in der Schweiz werden derzeit Projekte rund um die Strassenfussball-Liga von «Laureus Street Soccer» angeboten, eine interkulturelle Strassenfussball-Liga für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 21 Jahren.

Die Organisation dahinter, die Laureus Stiftung Schweiz, will mit Projekten im Bereich Sport einen positiven Wandel herbeiführen. Sie konzentriert sich auf die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen sowie auf die Integration von sozial, wirtschaftlich oder anderweitig benachteiligten jungen Menschen. In regelmässigen Abständen finden in Projektorten Strassenfussball-Spieltage statt. Crausaz möchte mit dem Lindenhaus hier mit einsteigen. Denn bislang gibt es im ganzen Kanton Solothurn keinen einzigen Projektort. (om)

So wird zum Beispiel die Disco-Gruppe, welche alle zwei Monate eine Disco für die Jugendlichen veranstaltet, dies künftig komplett in Eigenregie von A bis Z organisieren.» Dazu gehöre auch der Betrieb eines kleinen Kioskes und einer Bar, an welcher ausschliesslich alkoholfreie Getränke ausgeschenkt würden.

Crausaz will mit interessanten und ansprechenden Projekten auch mehr Jugendliche ins Lindenhaus locken. Und eventuell die Öffnungszeiten etwas anpassen und so den Bedürfnissen der Jugendlichen entgegenkommen: «Es wäre denkbar, dass wir zum Beispiel an gewissen Sonntagen einen Kinonachmittag durchführen und stattdessen an einem anderen Tag geschlossen bleiben, um mit den vorhandenen Ressourcen auszukommen.»

Vertrauen in die Jugendlichen

Man könne viel mit den Jugendlichen erreichen. «Wenn man sein Vertrauen in die Jungen setzt, ist es erstaunlich, was alles zurückkommt.» Zwar sei es manchmal schwierig, sie zu etwas zu motivieren, aber wenn sie einmal Ja gesagt hätten, sei ihr Engagement umso grösser. Monika Crausaz nennt als Beispiel den Weihnachtsmarkt, die Jungen hätten dort einen enormen Einsatz geleistet, entsprechend positiv seien die Rückmeldungen gewesen. «Auch unser Crêpes-Stand an der Grenchner Kulturnacht stiess auf grosses Echo.»

In erster Linie gehe es aber darum, dass das Lindenhaus im Bewusstsein der Grenchnerinnen und Grenchner präsenter werde. Zu diesem Zweck will man unter anderem mit der eigenen, mobilen Cocktailbar gezielt an diversen Anlässen vor Ort sein. So zum Beispiel am Fussballturnier des FC Wacker, beim Rodaniafest, am Weihnachtsmarkt und am Museumstag.

Vermehrt Präsenz markieren

«Das Lindenhaus muss noch mehr ein eigenes Gesicht erhalten. Wir machen gute Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen, die wir auch zeigen möchten. Aber es gibt immer noch Jugendliche, die nur heimlich ins Lindenhaus kommen.» Denn es gebe Eltern, denen sei das Lindenhaus immer noch suspekt, die immer noch glaubten, es sei dasselbe Jugendhaus wie von vor vielleicht 30 Jahren, in dem man Alkohol getrunken und Drogen konsumiert habe.

«Das ist zwar schon seit einer Ewigkeit nicht mehr so, aber bei manchen Leuten hallt dieser schlechte Ruf noch nach.» Dem wolle man entgegenwirken. Aus diesem Grund will Crausaz auch vermehrt den Kontakt zu den Eltern suchen. «Wir wollen beispielsweise Anlässe in unser Programm aufnehmen, die sich gezielt an die Eltern richten: Beispielsweise ‹Kinder kochen für ihre Eltern› oder Sonntagmorgen-Brunches, welche die Kinder und Jugendlichen für ihre Eltern vorbereiten usw.»

Teilweise neues Team

Nach ihrem ersten Jahr zieht Crausaz Bilanz und setzt neue Ziele für sich persönlich, aber auch für das Haus. So will sie ihre Ausbildungstätigkeit im Lindenhaus intensivieren, aber auch die Anerkennung des Lindenhauses als Ausbildungsstätte durch den Kanton anstreben.

Ihr zur Seite stehen zwei junge Personen: Die 22-jährige Sheena Ettlin, die schon letztes Jahr im Lindenhaus ihre Ausbildung fortsetzte und dieses Jahr nach drei Jahren ihre Lehrabschlussprüfung als Fachfrau Betreuung Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre absolviert. Vorgesehen sei, dass Ettlin, welche die erste Lernende EFZ überhaupt im Lindenhaus ist, danach weiter arbeite und die Ausbildung zur Sozialpädagogin mache, erklärt Crausaz. Gil-Louis Joliat, ein 21-jähriger Bieler, der seine Ausbildung zum Fachmann Betreuung Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren letzten Sommer abgeschlossen hat, wurde Anfang Jahr befristet bis im Sommer als Jugendarbeiter angestellt. In Grenchen ist er – zusätzlich zu den 60% im Lindenhaus – zu 30% im Tageszentrum TAZ angestellt.

Crausaz möchte in Zukunft das Team ausbauen. Ihr schwebe vor, vermehrt Vollzeitstudierende von Fachhochschulen, die ein Praktikum machen müssen, oder Zivildienstleistende zu beschäftigen, also Stellen, welche das Budgets des Lindenhauses nicht in grossem Masse belasteten und sinnvoll seien, sagt sie.