Grenchen
Lidl baut Photovoltaik-Anlage aufs Dach und richtet gratis E-Tankstelle ein

Der Grenchner Lidl plant, eine 1000 Quadratmeter grosse Photovoltaikanlage auf dem Dach zu errichten. Als «Nebenprodukt» gibts künftig auch Strom für Autos, denn der Detailhändler will auf dem Parkplatz eine E-Tankstelle einrichten.

Oliver Menge
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Lidl will auf der Filiale in Grenchen eine Photovoltaik-Anlage bauen, unten soll es eine Gratis-E-Tankstelle geben.

Lidl will auf der Filiale in Grenchen eine Photovoltaik-Anlage bauen, unten soll es eine Gratis-E-Tankstelle geben.

Oliver Menge

E-Tankstellen sind momentan noch rar in Grenchen. Laut Auskunft des örtlichen Stromlieferanten SWG gibt es erst eine, nicht öffentliche Elektro-Tankstelle, bei der Renault Garage Frutig an der Solothurnstrasse und eine weitere bei der Garage Vogelsang für deren E-BMWs.

Nun hat Lidl ein Baugesuch eingereicht, um auf dem Dach der Filiale an der Solothurnstrasse eine Photovoltaik-Anlage zu errichten. Laut Angaben von Corina Milz, Leiterin Unternehmenskommunikation bei Lidl Schweiz, soll die Anlage rund 1000 Quadratmeter gross werden. Die Leistung wird auf 115 kWp geschätzt. Den erzeugten Strom will man zum grössten Teil dazu verwenden, um den eigenen Strombedarf zu decken. Zusätzlich will man beim Lidl-eigenen Parkplatz eine E-Tankstelle einrichten.

Baubewilligung ist in diesem Fall nötig

Grundsätzlich sind Solaranlagen auf Gebäuden seit der Revision des Bundesgesetzes über die Raumplanung von der Bewilligungspflicht ausgenommen. Diese ist 2014 in Kraft getreten. Unter anderem wurden dabei die bundesrechtlichen Verfahrensvorschriften zur Bewilligung von Solaranlagen geändert. Bei der Umsetzung unter kantonalem Recht wurde festgelegt, welche Solaranlagen weiterhin einer Baubewilligung bedürfen. Es sind dies Anlagen an Fassaden, am Boden oder auf Kulturdenkmälern von kantonaler Bedeutung. Sowie solche, die gewisse Kriterien nicht erfüllen. Die örtlichen Baubehörden müssen dann entscheiden, ob ein ordentliches Baubewilligungsverfahren durchgeführt werden muss. Nebst den Abklärungen, ob eine solche Anlage in einer Ortsbildschutzzone oder in der Juraschutzzone gebaut werden soll, müssen auch gestalterische Fragen beantwortet werden: Wenn die Anlage auf einem Dach gebaut werden soll, ist entscheidend, ob sie die Dachfläche im rechten Winkel um höchstens 20 cm überragt, ob sie über das Dach hinausragt, nach dem Stand der Technik reflexionsarm ausgeführt und als komplette Fläche zusammenhängend ist. Ist eines der Kriterien nicht erfüllt, muss ein Baubewilligungsverfahren erfolgen. Bei der geplanten Anlage auf der Lidl-Filiale überragt die Anlage die Dachfläche um mehr als 20 Zentimeter, was laut Adrian Cslovjecsek von der Baudirektion das Baugesuch notwendig macht. (om)

Laut Milz belaufen sich die gesamten Investitionen auf rund 190'000 Franken. «Die E-Tankstelle wird drei verschiedene Stecker für die gängigsten E-Autos beinhalten, bietet unter anderem Schnellladungen und ist kostenlos», so die Leiterin Unternehmenskommunikation. Rund 85% des erzeugten Stroms werden für die eigenen Bedürfnisse – Filiale und E-Tankstelle – benötigt, der Rest wird ins Netz gespeist.

Die gesamte erzeugte Strommenge würde reichen, um rund 25 Haushalte mit Strom zu versorgen. Georg Kröll, Geschäftsleitungsvorsitzender von Lidl Schweiz, meinte anlässlich der Eröffnung der ersten E-Tankstelle von Lidl: «Wir wollen dort Strom produzieren, wo er auch verbraucht wird. Das erachten wir als sinnvoll.» Die erste solche Tankstelle wurde bereits Anfang Mai in Dübendorf in Betrieb genommen, zwei weitere folgten. Für das Jahr 2016 plante Lidl Investitionen in der Höhe von 1,2 Millionen Franken für den Bau von E-Tankstellen, an denen die Kunden ihre E-Bikes oder Elektrofahrzeuge während der Öffnungszeiten gratis laden können.

Erneuerbare Energie

Lidl setzt laut firmeneigenen Angaben seit 2014 auf erneuerbare Energie. Bis jetzt wurden 13 Filialen mit Photovoltaik-Anlagen ausgerüstet, Lidl investierte dafür rund 2,5 Millionen Franken.

Auch zwei E-Lastwagen sind für den Grossverteiler im Einsatz: Mitte August vermeldete Lidl, dass der eine E-Lw von Lidl Schweiz die 100 000 Kilometer-Marke überschritten habe und der zweite kurz davor stehe. Die beiden
E-Lastwagen der Marke «E-Force» beliefern täglich die Filialen in Zürich und Umgebung. Betankt werden sie mit Strom aus Wasserkraft. Zusammen hätten die beiden E-Lastwagen in weniger als 2 Jahren bereits mehr als 125 Tonnen CO2 eingespart, heisst es in einer entsprechenden Mitteilung von Lidl.

Die E-Tankstellen und die Photovoltaik-Anlagen seien ein Teil der umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie von Lidl, sagt Milz. «Diese fängt bei der Auswahl des Sortiments an. Der grösste Teil unserer Frischprodukte ist von Schweizer Produzenten. Wir arbeiten mit Labels für fairen Handel und nachhaltiger Produktion, Gemüse und Früchte haben ‹Flugverbot› und werden nur mit dem Schiff transportiert, um den CO2-Ausstoss zu senken.» Auch sonst setze der Grossverteiler auf Umweltschutz. Beispielsweise verzichtet man ab nächstem Jahr auf die kostenpflichtigen Taschen aus recyceltem Plastik und will stattdessen mehrfach verwendbare Papiertaschen anbieten. Diese sind aus ungebleichtem Papier, zertifiziert und recycelbar. Pro Jahr sollen so 70 Tonnen Plastik eingespart werden. Auf die Gratis-Plastiksäckli an der Kasse hatte man seit je verzichtet, wie der Homepage von Lidl zu entnehmen ist.

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