Die Nachricht, dass das Gartenbad Grenchen am Sonntag geschlossen bleiben musste, weil zwei der drei Hauptbadmeister wegen Unfällen ausgefallen sind, löste in den sozialen Medien, insbesondere auf Facebook, eine wahre Flut an Kommentaren aus.

Die meisten Kommentarschreiber zeigten durchaus Verständnis für die aussergewöhnliche Situation. Andere meinten, da könne man doch einfach Ersatzbadmeister aus anderen Orten anfordern oder Leute mit einem Lebensrettungsbrevet an den Bassinrand stellen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Viele interessierten sich auch dafür, von was für Unfällen man hier spreche und mit was man konkret rechnen müsse, wenn es in der Bekanntmachung heisse, dass man zusätzliche Ruhetage nicht ausschliessen könne.

Wieder andere waren der Meinung, die Verwaltung hätte besser planen müssen – Unfälle sind aber nun mal nicht planbar, sagt Stadtbaumeister Aquil Briggen, in dessen Verantwortung das Gartenbad fällt.

Auf Anfrage nahm er Stellung zu den einzelnen Punkten. Er gab auch einige Details zur Art der Unfälle bekannt, ohne die Privatsphäre der betroffenen Personen zu beeinträchtigen: Bei den Unfällen handelt es sich im einen Fall um einen Leistenbruch, der operiert werden musste. Dieser Badmeister könne unter Umständen ab nächste Woche wieder zu 50 Prozent arbeiten, was die Situation doch etwas entschärfen würde. Das sei aber noch nicht sicher.

Beim anderen Unfall hat sich ein Badmeister bei den morgendlichen Vorbereitungsarbeiten an einem Tor einen Finger eingeklemmt und in der Folge abgetrennt. Die betreffende Person wurde umgehend ins Inselspital gebracht und fällt wahrscheinlich für den Rest der Saison aus.

Nicht jeder kennt sich mit der Technik aus

Die Problematik am Ganzen ist die Wasseraufbereitungstechnik, die gewährleistet sein muss», erklärt Briggen. «Die drei Hauptbadmeister nehmen die Wasserqualitätsmessungen vor, sie sind ausgebildet in der Zugabe und Dosierung der erforderlichen Chemie, die dem Wasser beigefügt werden muss und kennen sich aus mit der Steuerungsanlage des Pumpwerks mit Filteranlage etc.». Fallen zwei der drei Personen aus, kann die Person, die übrig bleibt, eine Zeitlang Überstunden leisten, aber irgendwann braucht auch sie einen Tag Ruhe, um sich zu erholen.»

Deshalb und mit Hinblick auf den miserablen Wetterbericht, habe man diesen Tag auf den Sonntag gelegt. «Wir hatten nur drei Reklamationen am Sonntag, zwei per Mail und eine am Telefon. Aber auch diese Leute haben unsere Situation schnell verstanden, als wir sie ihnen erklärt haben.»

Die Sicherheit im Becken sei nie gefährdet gewesen, sagt Briggen. «Die Schwimmaufsicht konnten wir immer mit Ersatz- oder Hilfsbadmeister gewährleisten, die Sicherheit unserer Gäste war zu keiner Zeit aufgrund dieser Vorfälle irgendwie tangiert». Die Baudirektion habe sogar versucht, ehemalige Badmeister zu reaktivieren. «Aber der eine, den wir kontaktierten, arbeitet momentan im Ausland und ist unabkömmlich.» Und der andere sei gestorben.
Es sei auch nicht möglich professionelle Badmeister aus anderen Badis nach Grenchen zu holen. «Die haben dort andere Systeme und Anlagen. Bis da jemand eingearbeitet ist, braucht es seine Zeit.»

Briggen hofft nun, dass der eine Badmeister mit dem Leistenbruch wenigstens Teilzeit bald wieder einsatzfähig ist. «Das würde die Problematik entschärfen."