Sportstadt Grenchen

Leidenschaftlicher Mountainbiker: «Das Auto kann man mir wegnehmen»

Der Grenchner Roland Schwiete ist mehrmals wöchentlich mit seinem Mountain Bike unterwegs.

Die Umgebung von Grenchen ist ein einziges grosses Trainingsgelände für den Mountain-Bike-Sport.

Ebene Flächen, hügelige Gebiete und steilste Passagen am Grenchenberg: Hier ist alles auf kürzeste Distanz zu finden, was des Bikefahrers Herz begehrt. Einer von ihnen ist Roland Schwiete. Seit gut 25 Jahren klettert er mit dem Rad drei bis vier Mal pro Woche «auf den Berg». Sein Lieblingsziel: Die Bützen oberhalb Bettlach.

«Das Auto kann man mir wegnehmen. Aber bitte lasst mir mein Mountainbike.» Diese Aussage ist für Roland Schwiete charakteristisch. Die rund 1'000 Höhenmeter, die das Gebiet der Stadt Grenchen von der Aare bis zum Obergrenchenberg umfasst, sind seine grosse Arena. An Wettkämpfen sieht man ihn nicht, aber als Freizeitsportler gehört er für Leute, die gerne draussen unterwegs sind, mit zum vertrauten Bild in Grenchens Umgebung.

«Das Biken ist für mich der ideale Ausgleich zum Beruf», sagt Roland Schwiete, der seit fast 44 Jahren in verschiedenen Aufgaben bei der SWG arbeitet. Er sei ein Bewegungsmensch wie sein älterer Bruder Peter Schwiete, der ein bekannter Laufsportler ist. Er habe keine Ahnung, weshalb dies so gekommen sei, denn von den Eltern her sei ihnen der aktive Ausdauersport nicht mitgegeben worden. Auch Roland Schwiete war zuerst hauptsächlich als Läufer unterwegs, bis ein Unfall ihn zu einer anderen Sportart führte. Bei einem Misstritt rissen die Bänder am Sprunggelenk, was einen starken Rückschlag für das Joggen bedeutete. «Von meinem Bruder Peter habe ich dann ein Bike geschenkt erhalten», erinnert sich Roland Schwiete an die Geschehnisse vor über 30 Jahren. Das Laufen führte er noch eine Zeit lang parallel zum Biken aus, aber mehr und mehr wurde das MTB – wie das Mountainbike im Kürzel heisst - zu seiner Sportwelt.

«Ich bin der Typ des Marathonfahrers»

Schwiete besitzt zwar auch ein Rennrad. Das verwendet er aber eher selten - und nur, um die Trittkadenz zu trainieren. Das Fahren mit dem Bike sei für ihn ein Stück grosse Freiheit. Man habe keine Einschränkungen beim Gelände, wie beim Rennrad, mit dem man mit Vorteil auf dem Asphalt unterwegs ist. Der Weg könne nach Lust und Laune gewählt werden. Der 63-jährige Freizeitsportler, dem man sein Alter mit dem athletischen Körperbau und Fitnesszustand überhaupt nicht ansieht, ist aber meist nur auf ausgebauten Waldwegen unterwegs. «Ich bin der Typ des Marathonfahrers», sagt er über sich selber, «die Schnelligkeit suche ich nicht.» Daher «brettert» er in aller Regel auch nicht auf kleinen Wegen vom Grenchenberg ins Tal.

In jüngeren Jahren war er mit Kollegen über weite Distanzen geradelt. Da konnte es schon mal vorkommen, dass sie bis über die dritte Jurakette und wieder zurück fuhren. Jetzt zieht es ihn auf den Berg, der direkt vor der Haustüre steht. Sein Lieblingsziel ist die Bützen oberhalb Bettlach, von wo aus man eine wunderbare Sicht über das Mittelland und auf die Alpen hat. Sie lasse sich, so Schwiete, auch auf vielen Wegen erreichen. Drei bis vier Mal pro Woche zieht es ihn auf die erste Jurakrete, wobei pro Fahrt rund 750 Höhenmeter erklommen werden. Wie jeder Radfahrer kennt auch Roland Schwiete die Erfahrung, dass der Erdboden mal zu nahe kommt. «Stürze hat es immer wieder gegeben, aber zum Glück nie so schlimm, dass ich der Arbeit hätte fernbleiben müssen.» Grenchen sei für ihn wirklich der ideale Wohnort mit dem Berg, der Witi und der Aare. Dem Fluss fährt er auch entlang, wenn es mal gemütlicher sein darf oder die Beine schlicht zu müde sind für eine Fahrt auf den Berg. Ebenso ist er mit seinem kleinen Boot auf dem Wasser der Aare anzutreffen, mit dabei ist oft die Angelrute. Manchmal sei er am Samstagnachmittag auf der Aare und könne zum Grenchenberg hinauf schauen, wo er am Morgen mit dem Rad unterwegs gewesen sei. «Das ist doch einfach grandios», sagt Schwiete begeistert. «Was will man mehr von einem Arbeits- und Wohnort?», fragt er rhetorisch und gibt die Antwort gleich selber: «Besser geht es nicht!» Er mache Sportarten, die direkt vor der Haustüre beginnen können. «Erst ins Auto zu sitzen, um einen Sport ausüben zu können, ist nicht mein Ding.»

Die Technik wurde immer besser

Freude hat Roland Schwiete auch an der Technik, die in den vergangenen Jahrzehnten stets verbessert wurde. Momentan besitzt er ein Rad, das vorne nur noch einen Kranz hat und am Hinterrad zwölf Gänge. Mit einem Rahmen aus Karbon ergibt sich somit ein ultraleichtes Mountainbike. Das habe zwar seinen Preis, aber den gebe er für sein Hobby gerne aus. Das Rad ist vollgefedert, um seinen Rücken zu schonen. Und ein Elektrobike? Das werde sicher mal ein Thema, sagt er. «Aber mein Ziel ist es, mit 80 noch mit dem normalen Bike auf den Berg zu fahren.» Er wisse zwar nicht, ob dies erreichbar sei. Aber als Ziel sei dies definitiv gesetzt. Sagt es und schwingt sich aufs Rad. Der Bützen entgegen.

Meistgesehen

Artboard 1