Als der Gemeinderat am Dienstag über die Gestaltung des Bahnhofplatzes diskutierte, wurde klar, wie ein überfordertes Milizgremium aussieht. Man verlor sich in Details, und wer hoffte, dass sich eine Mehrheit für eine der diversen Varianten abzeichnen würde, wurde enttäuscht. Dass sich im Vorfeld eine offenbar ebenfalls überforderte Fachkommission nicht imstande sah, eine nennenswerte Richtungsweisung vorzunehmen, war nur noch das Tüpfli aufs i.

Doch allzu leicht den Stab brechen über den Grenchner Politikern wäre wohlfeil. Quasi aus dem Stand mussten sich die Gemeinderäte mit einer hochkomplexen Materie befassen, die eigentlich Futter für Fachleute ist. Dass man da bald einmal an seine Grenzen kommt, ist klar. Und auch wenn sich frühere Räte schon tagelang damit herumschlugen, für diesen Gemeinderat war das Thema neu. Jeder, der sich hier reinkniet, wird bald sehen, dass das Südbahnhof-Areal ein gordischer Knoten mit sehr vielen Stakeholdern ist: SBB, BGU, Migros, Fussgänger, Autos, Velofahrer. Hier auch noch den städtebaulich grossen Wurf zu landen, dürfte schwierig sein. Deshalb dürfen die Erwartungen nicht ins Unendliche hochgeschraubt werden.

Im Nachhinein gesehen war es richtig, die Diskussion als erste Lesung anzusetzen. Auch wenn es scheint, man sei jetzt so klug als zuvor, wird das Geschäft nun eine Richtung einnehmen, die von den Fachleuten geprägt wird. Das ist gut so.

Der Gemeinderat sollte jetzt eine Lehre ziehen. Er muss sich bewusst werden, dass er in dieser Sache eine strategische Rolle zu spielen hat und nicht eine operative. Er soll über Kosten reden, über Termine und Verantwortlichkeiten. Die Planung der Verkehrsflüsse und die besten Lösungen dafür soll er Leuten überlassen, die dafür ausgebildet sind. Wenn er das nicht schafft, wird das Dossier Südbahnhof zur Never ending Story, ja gar zur Lachnummer.