Grenchen
Laura Tschaggelar ist fokussiert auf Farbe und präzisen Schnitt

Laura Tschaggelar vom Grenchner Coiffeur Intercoiffure Fashionhouse reiht auf internationalem Parkett Erfolg an Erfolg. Der 26-Jährigen liegen vor allem Trendfrisuren am Herzen.

Oliver Menge
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Laura Tschaggelar ist bekannt für ausgefallene Kreationen, eine Auswahl ist im Salon zu sehen. om

Laura Tschaggelar ist bekannt für ausgefallene Kreationen, eine Auswahl ist im Salon zu sehen. om

«Freizeit? Dafür habe ich eigentlich keine Zeit», sagt die ambitionierte 26-jährige Grenchnerin. Denn seit sie das Geschäft an der Solothurnstrasse führt – das war vor rund drei Jahren – ist Tschaggelar beinahe jedes Wochenende unterwegs. So auch vor 14 Tagen, als sie an der Fashion-Week Berlin für den Designer Michael Michalsky dessen Modelle frisierte.

Nur gerade zwei Schweizer Coiffeuren wurde diese Ehre zuteil, der andere war ein erfolgreicher Hairstylist aus Zürich. «Wella, einer der grossen Anbieter von Produkten in unserem Bereich und damit ‹big player›, hat eine Reihe von Ausbildungen, die sie ausgewählten Hairstylistinnen und -stylisten anbietet. Da ich von 2007 bis 2009 dreimal hintereinander den Nationalen Trend-Vision Award gewonnen hatte und damit die Schweiz im Internationalen Finale vertrat, wurde ich zum «young talent» gekürt, und danach machte man mir das Angebot, die Ausbildung zum «Top-Akteur» zu machen», erklärt Tschaggelar. Ein Top-Akteur arbeitet für den jeweiligen Player auf der Bühne bei Shows und Wettbewerben und gibt an Seminaren und bei Schulungen in Geschäften sein Wissen weiter.

Trend-Bereich liegt ihr

Früher hat Tschaggelar auch bei Wettbewerben im Preisfrisieren teilgenommen. Aber sie sei bei den Wettbewerben im Bereich «Trends» besser aufgehoben, sagt sie. «Früher wurden aufwendige, hochgesteckte und hochtoupierte Frisuren gestaltet, die dann eine Woche gehalten haben. Heute ist man im Trend-Bereich eher auf Farbe und präzisen Schnitt fokussiert.» Bei Trend-Wettbewerben bekommt jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin die vier Trends der kommenden Mode vorgestellt, die selbstständig interpretiert und umgesetzt werden müssen. «Die Individualität der Umsetzung ist entscheidend für die Jury, das ist der Unterschied zum Preisfrisieren, wo man vorgeschriebene und vorbestimmte Arbeiten ausführen muss.»

Auch dieses Jahr nimmt Tschaggelar beim Color Trend-Vision Award teil. Sie ist überzeugt, den nationalen Final erreicht zu haben, und im September entscheidet sich dann am Drei-Länder-Finale, ob sie wiederum an der internationalen Konkurrenz die Schweiz vertreten wird.

Auch bei Intercoiffure, einer internationalen Vereinigung führender Coiffeure, ist Tschaggelar Teil des Schweizer Creative Team und vertrat als eines von sieben Teammitgliedern die Schweiz Anfang Juni am Intercoiffure-Weltkongress in Rom. Die dort gezeigte Show «Misterious White» – die am 9. September auch in Zürich zu sehen ist – wurde vom Fachpublikum mit einer Standing Ovation belohnt. «Um diese Show auf die Beine zu stellen, brauchte es eine monatelange, intensive Vorbereitung», erzählt Tschaggelar.

Prestige statt Bares

Reich werde man bei diesen Wettbewerben und Shows nicht, sagt sie. «Bei diesen Konkurrenzen geht es nur ums Prestige. Mein Hauptaugenmerk liegt aber immer auf dem Geschäft hier in Grenchen. Ich denke, es ist in erster Linie wichtig für meine Kundinnen zu wissen, dass ich am Ball bleibe und mich ständig weiterbilde.» Die eigene Arbeit werde durch die Vorbereitungen auf die Wettbewerbe präziser und davon profitiere auch die Grenchner Kundschaft. Ihr Wissen gebe sie auch an ihre Mitarbeiterinnen weiter, sagt Tschaggelar.

Ihre Kundinnen stammen zum grössten Teil aus der Umgebung Grenchens, aber auch aus Zürich. «Die Kundin mit dem längsten Anreiseweg kommt regelmässig aus dem Glarnerland. Das sind jedes Mal dreieinhalb Stunden Reisezeit.»

Selber beschreibt sich Tschaggelar als ehrgeizig und zielstrebig. «Man braucht grosses Durchhaltevermögen, um Erfolg zu haben.» Schon von Kindheit an sei ihr klar gewesen, dass sie ins Geschäft ihres Vaters einsteigen wolle. Sie führt das Geschäft nun bereits in vierter Generation.

Ihre nächsten Ziele? Erfolgreicher Top-Akteur werden und das Geschäft an der Solothurnstrasse weiterhin auf Kurs halten. «Und irgendwann möchte ich noch eine Filiale in einer grösseren Stadt eröffnen, das wäre ein mittelfristiges Ziel», sagt sie. Mehr Zeit für ein Privatleben wird die junge Hairstylistin, die die letzten zwölf Wochen kein Wochenende freihatte, dann wohl auch nicht haben, sagt sie. «Aber mir macht mein Beruf Spass, und das ist schliesslich die Hauptsache.»

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