Grenchner Schopfbühne

Laiendarsteller überzeugen mit seriös gespieltem Klamauk

Die Premiere am Donnerstag liess keine Wünsche offen. «Pension Schöller», eine Posse aus der Feder von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby, kam leicht und witzig daher. Die Bühnenpräsenz der Laiendarsteller verdient Anerkennung.

«Schon lange nicht mehr so herzhaft gelacht», fasste eine Dame nach der Vorstellung ihr Theatererlebnis zusammen und wischte sich verstohlen eine Träne von der Wange. Das Bühnenstück lebt von Verwechslung, ulkigen Zufällen, Übertreibungen und unglaublicher Komik. Rolf Schoch als Regisseur hat das Stück, das auch mehrmals verfilmt wurde, in eine Dialektfassung übertragen, die gefällt.

Der seriös gespielte Klamauk ist eine Gratwanderung. Sie gelingt, weil sie niemals ins Seichte abdriftet und die Spässe nicht derb daher kommen. «Bei einem solchen Stück besteht die Gefahr, dass sich neue Gags einschleichen», betont Schoch und unterstreicht, dass diese dann des Guten zu viel wären. Um am Stammtisch mit dem dominanten Apotheker im Dorf prahlen zu können, will Philipp Klapproth einen Blick hinter die Kulissen einer Nervenheilanstalt wagen.

Sein Neffe hat Geldsorgen, pumpt seinen Onkel an, um sich selbständig machen zu können. Im Gegenzug verlangt dieser einen Zugang zu einer Soiree in einer Klinik. Der künftige Jungunternehmer schliesst einen Pakt mit dem Kellner im Café, das von den Gästen der Pension Schöller frequentiert wird. Dort soll die Begegnung mit vermeintlich Kranken und Philipp Klapproth stattfinden. Die Finte gelingt, Klapproth sieht die Pensionäre als psychisch Behindert und glaubt es, weil diese ihre Ticks und Macken keineswegs verstecken.

Der Major a. D., der sich nicht an die verlorene Schlacht erinnert, sich zu Unrecht ausgemustert sieht und für jede Bemerkung Satisfaktion verlangt. Josephine Zillerthal, die schrullige Schriftstellerin auf der Suche nach Herzschmerz, der ihren Romanen zum Durchbruch verhelfen soll, der Grosswildjäger und der Schauspieler mit Sprachfehler, dem partout der Buchstabe «L» nicht über die Lippen kommen will. Und da ist noch der Besitzer der Pension, der in seiner Wortwahl nicht immer adäquat wirkt.

Der Grossgrundbesitzer Philipp Klapproth, der für einige Tage nach Berlin gekommen ist, lässt sich einlullen, hat Spass und fühlt sich als einziger normal. Zu dumm nur, dass nach seiner Rückkehr in die Provinz, plötzlich die Pensionäre auf seinem Landsitz auftauchen und ihn fast um den Verstand bringen.

Voller Wortwitz und spritzig wird die Geschichte erzählt. Robert Koch als Schöller, Lilian Jeannerat als Schriftstellerin und Stephan Greder als schrulliger Major, mimen ihr Rollen mit grossem Können. Evelyne Christen spielt den Kellner verschmitzt und mit Charme, Bruno Meier überzeugt als Grosswildjäger, der die Welt kennt, Pia Schild versucht gekonnt als Schwester des Grossgrundbesitzers Wogen zu glätten und Roger Fasolin spielt den Verliebten und Aushecker des Streiches und weiss zu gefallen.

Mit grossartigem Spiel setzen sich Benjamin Obrecht als Klapproth und Roman Weber als Dichter, der unermüdlich Shakespeare und Schiller deklamieren will, in Szene. Ein Theaterspass der Extraklasse in der Schopfbühne, dem viele Zuschauer gegönnt seien.

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