Grenchen soll einen Gesamtschulleiter bekommen. Das haben zuerst der Gemeinderat und später die Gemeindeversammlung so beschlossen. Das seit rund 10 Jahren in den Schulen Grenchen praktizierte Schulleitungsmodell will man so weiterentwickeln. Eine Schule – ein Chef, so das Anliegen, das auf eine Petition der FDP aus dem Jahr 2011 zurückgeht.
Am kommenden Dienstag soll er oder sie nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit gewählt werden, der Chef, der der Schule Grenchen ein Gesicht geben soll, der als Repräsentant, als direkter Vorgesetzter der Schulleitungen fungieren soll.

Anwärter auf den Posten sei, so wird zumindest herumgeboten, auch Hubert Bläsi. Der 59-jährige, langjährige Lehrer, Schulinspektor, FDP-Gemeinderat und ehemaliger Vize-Stadtpräsident, der seit 15 Jahren im Kantonsrat sitzt, ist schon länger im Gespräch.

Nebst seiner persönlichen Eignung und Eloquenz, beruflichen Kompetenz und seiner Erfahrung in den Schulen Grenchens auch deshalb, weil die Bürgerlichen ihm das Amt als «Trostpflästerli» für die ihm verwehrte Kandidatur fürs Stadtpräsidium zuschanzen möchten, wie böse Zungen behaupten.

Brisant: Das Gerücht geht um, dass am Ende des Auswahlverfahrens gerade nur ein Kandidat übrig geblieben sei – Hubert Bläsi. Dieser kann und will sich zum Thema nicht äussern und beruft sich auf die Vertraulichkeit, der das Geschäft unterliegt. Offiziell ist also nicht bekannt, ob er überhaupt kandidiert hat, Recherchen sprechen allerdings eine ganz andere Sprache.

Gewisse Informationen sind durchgesickert, und schon wird der Verdacht geäussert, das sei typisch «Söihäfeli – Söideckeli». Die Schulleitungen, die den Systemwechsel von Beginn an ablehnten, sollen einen Brief verfasst haben, in dem sie ihr Missfallen über den Kandidaten zum Ausdruck brachten. Dafür seien sie von höchster Stelle postwendend in den Senkel gestellt worden.

«Äs mönschelet»

Der Wahlausschuss setzt sich aus Vertretern aller Fraktionen des Gemeinderats zusammen, ergänzt durch den Stadtpräsidenten (von Amtes wegen), ein Mitglied der Fachkommission Schulen Grenchen (mit beratender Stimme) und die Leiterin Personalamt (mit beratender Stimme). Die Gemeinderäte im Wahlausschuss müssen also über ein anderes Mitglied ihres Gremiums befinden. Politisch eine heikle Ausgangslage, und es ist gut möglich, dass eine objektive Beurteilung dadurch schwierig wird.

Fakt ist, diese Geschichte ist kompliziert und vielschichtig. Und Fakt ist auch, dass der Wahlausschuss offenbar ein gewisses Mass an Objektivität vermissen liess, oder wie es im Dialekt so schön heisst: «äs mönschelet.» Recherchen haben nämlich gezeigt, dass ihm die Findung geeigneter Kandidaten alles andere als leicht fiel: Nach einer ersten Ausschreibung mit einem Stellenprofil, das unter anderem einen Hochschulabschluss verlangte, wurden die Anforderungen angepasst, sprich heruntergeschraubt.

Der Wahlausschuss wollte sich die Möglichkeit offenhalten, auch jemanden aus der Wirtschaft oder Industrie zu finden, einen echten CEO, der den Laden führen kann. Und der Wahlausschuss wollte dem Gemeinderat mindestens zwei, wenn nicht drei Kandidaten zur Auswahl präsentieren.

Lohntüte ist entscheidend

Das Personalamt prüfte die Dossiers und rangierte die Kandidaten, die Kompetenzen lagen aber ausschliesslich beim Wahlausschuss. Sieben Kandidatinnen/Kandidaten seien schliesslich zum Gespräch eingeladen worden. Nur zwei seien infrage gekommen, und von diesen zwei habe die eine Person ihre Bewerbung zurückgezogen. Übrig blieb lediglich ein Kandidat, und das war Hubert Bläsi, wie eine gut unterrichtete Quelle versichert.

Das passte aber einigen Mitgliedern des Wahlausschusses offenbar nicht, man wollte, wie erwähnt, mehr als einen Kandidaten und öffnete das Feld nochmals – ein an sich schon unübliches Verfahren. Weitere Kandidaten zweiter Wahl wurden in der Folge eingeladen. Aber auch hier vergebliche Mühe. Offenbar scheiterte man wie zuvor an unterschiedlichen Vorstellungen bezüglich der Entlöhnung. Die Vorstellung desjenigen Kandidaten, der schliesslich noch als zweitletzter im Rennen verblieb, lag um 30 000 bis 40 000 Franken höher als die des Ausschusses.

Ein anderer habe am Telefon nur gelacht, als man ihm die Lohnsumme nannte, heisst es. Richtwert sind etwa 140 000 Franken im Jahr, so viel verdient ein Schulleiter mit einigen Jahren Berufserfahrung. Etwa so viel oder noch etwas mehr soll auch der neue Gesamtschulleiter bekommen. Aber nur ein Kandidat konnte sich offenbar mit dem Gehalt zufriedengeben, das die Stadt bereit ist zu bezahlen – Hubert Bläsi.

Wahlausschuss ist nicht glücklich

Das Verfahren sei absolut korrekt abgelaufen, sagt die Leiterin des Personalamtes, Esther Müller-Cernoch. Und doch scheinen nicht alle Mitglieder des Wahlausschusses glücklich mit dem Einervorschlag. Der Ausschuss wird am Dienstag mit der Einerkandidatur in den Gemeinderat gehen, wie das az Grenchner Tagblatt erfahren hat. Aber statt Bläsi einfach zur Wahl zu stellen, wie man eigentlich erwarten könnte, soll der Gemeinderat nun entscheiden, ob er sich mit dieser Einerkandidatur einverstanden erklären und Hubert Bläsi wählen kann, oder ob man eine erneute Ausschreibung mithilfe externer Hilfe – sprich Headhunter – vornehmen will und dafür nochmals rund 40 000 Franken bewilligen muss.

Falls Bläsi angesichts dieser Ausgangslage überhaupt noch grosse Lust hat, sich erneut für den Posten zu bewerben, kommt man unter Umständen zum selben Ergebnis. Zumal es aus Insiderkreisen heisst, Bläsi habe die beste Präsentation abgeliefert. Aber offenbar mass der Wahlausschuss diesem Umstand weniger Gewicht bei. Bleibt zu hoffen, dass der Gemeinderat am Dienstag keine politischen Scheuklappen trägt, sondern sachlich entscheidet und in erster Linie fair bleibt.