Die Schüler kommen immer öfters nur noch in den Einzelunterricht. «Ich höre von den Eltern, dass es sonst zu viel wird», sagt Christa Vogt, Leiterin der Grenchner Musikschulen. «Es gibt immer weniger Freiräume, um die eigene Kreativität umzusetzen.» Damit drohe ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung verloren zu gehen. «Das Spielen eines Instrumentes fördert den ganzen Menschen extrem. Hirnscans zeigen, dass keine andere Tätigkeit so viele Hirnareale aktiviert.»

Blockzeiten tragen die Schuld

Zwei Gründe nennt die Leiterin der Grenchner Musikschulen für den rückläufigen Trend: Die zunehmende Stundenzahl der Primarschüler und die Blockzeiten, die es schwieriger machen, einen Platz für die Lektionen zu finden. Diesen Sommer sind für die Drittklässler drei Stunden Frühfranzösisch hinzugekommen, bereits zuvor kam eine Informatiklektion hinzu. «Wenn der Stundenplan der Volksschule komplexer wird, wirkt sich dies auf den Musikunterricht aus», sagt auch Roger Kurt, Leiter der Grenchner Schulen.

«Wir haben grundsätzlich festgestellt, dass die Kinderzahl in der Musikschule abnimmt.» Zwar gebe es sicher noch andere Gründe, doch wenn der Stoff zunehme, stellten Eltern die Frage, ob das Kind wirklich noch ein Instrument lernen soll. Auch auf die verfügbaren Räume können die Blockzeiten einen Einfluss haben. «Wenn in der Primarschule mehr unterrichtet wird, stehen der Musikschule oft weniger Räume zur Verfügung. Der Musikunterricht verschiebt sich gegen den Abend», sagt Pia Bürki, Präsidentin der Musiklehrpersonen im Solothurner Lehrerverband. Das Problem ist nicht auf Grenchen bezogen. «Ich höre dies von verschiedenen Orten», so Bürki.

Folgen für Vereine

Gehen die Schüler weniger in den Ensembleunterricht, hat dies laut Vogt auch Auswirkungen für die Musikvereine. Denn das kostenlose Ensembleangebot für die Streich- und Blasinstrumente sei auch eine Art Nachwuchsförderung für die Vereine. Mit einem neuen Prospekt hat die Musikschule dieses Jahr bereits versucht, mehr Kinder ins Boot zu holen. «Ich bin überzeugt, dass sich Musikunterricht positiv auf die Leistungen im Unterricht auswirkt», sagt Roger Kurt.

Schülerzentrierte Lektionen

Vorstellungen zur Lösung des Problems gehen hin zu schülerzentrierten Lektionen, bei denen die Kinder während des Unterrichts die Möglichkeit haben, in den Instrumentalunterricht zu gehen – während die anderen Schüler unabhängig an Themen oder dem Wochenplan arbeiten.

Bereits eingeführt sind die schülerzentrierten Lektionen etwa im äusseren Wasseramt und in den Stadtsolothurner Schulen. Béatrice Schneider, Leiterin der Solothurner Musikschulen, zieht eine positive Bilanz. «Es fördert auch die Selbstständigkeit», so Schneider. Wenn die Schüler den verpassten Stoff während der Unterrichtszeit nicht nachholen können, müssen sie ihn zu Hause nacharbeiten. Voraussetzung für die «individuelle Förderung» ist, dass die Schüler eine gute und solide Arbeitshaltung haben.

Zehn Prozent der Solothurner Musikschüler nutzen das Angebot. Eingeführt haben die Solothurner Schulen dieses Modell gleichzeitig mit den Blockzeiten. «Die Musikschule ist ein Bildungsangebot, nicht ein Freizeitangebot», sagt Schneider. In eine ähnliche Richtung argumentiert Bürki. «Es liegt in der Hand der Schule.» Die Primarlehrperson müsse einerseits zwar einen gewissen Mehraufwand leisten, «es kann aber nicht sein, dass die Musik das letzte Glied ist.»