Grenchen
Kurse gestrichen: Wie ein Computer den Ferienpass ausser Gefecht gesetzt hatte

Eines der beliebtesten Angebote vom Ferienpass wurde von der Software ausser Gefecht gesetzt. Offenbar ist die Mindestzahl für das Zustandekommen Schuld an der Misere.

Daniela Deck
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Die Anmelde-Plattform des Grenchner Ferienpasses ist hoch automatisiert.

Die Anmelde-Plattform des Grenchner Ferienpasses ist hoch automatisiert.

Screenshot

Man stelle sich vor: Eine Abteilung der Kantonspolizei steht, Schutzhunde bei Fuss, auf dem TCS-Campingplatz bei Solothurn und wartet vergeblich auf Kinder und Jugendliche aus Grenchen. Bei einem Haar wäre das heute Morgen um halb neun geschehen. Nur die Nachfrage der Presse hat die peinliche Pleite beim Ferienpassanlass der Kantonspolizei verhindert. Leider allerdings zum Nachteil der interessierten jugendlichen Teilnehmer. Der Kurs findet nicht statt, und das, obwohl er in den vergangenen Jahren ausgesprochen beliebt war.

Doch der Reihe nach: Auf der Redaktion ist bei der Durchsicht der Ferienpassangebote gestern aufgefallen, dass die Anmeldespalte beim Angebot der Kantonspolizei leer geblieben ist. Und nicht nur dort. Auch gewisse andere Angebote, wie vereinzelte Hundekurse, sind überraschend leer ausgegangen. Dies, während die Stadtpolizei ihren Blick hinter die Kulissen gleich mehrfach durchführen kann – und ohne die Zusatzattraktion der Hundestaffel, welche die Kantonspolizei vorstellen wollte. Verdächtig scheinen auch die Null Anmeldungen bei Radio 32.

Software verdarb den Ferienspass

Der Ferienpass Grenchen ist am Montag mit einem Angebot von rund 250 Kursen gestartet. Beim Netzwerk, wo die Fäden zusammenlaufen, ist man mit dem Auftakt zufrieden. Tierkurse und Besuche bei den Blaulichtorganisationen sind seit jeher die Renner beim Ferienpass. Regelmässig sind sie überbucht, so dass der Zufallsgenerator Glück und Enttäuschung zuteilen muss. Dass diesmal einzelne Kurse ausgerechnet dieser Sparten nicht zustande gekommen sind, hat nichts mit fehlendem Interesse zu tun; die Software hat Kindern und Anbietern einen üblen Streich gespielt.

Zum Verhängnis geworden ist vermutlich beiden Angeboten die Mindestzahl für das Zustandekommen, wie der Ferienpasskoordinator Hanspeter Wälti vom Netzwerk Grenchen erklärt. Er hat diese Aufgabe heuer neu übernommen. «Wenn die Mindestzahl Teilnehmer, die der Anbieter bei der Gruppengrösse angibt, nicht erreicht wird, nimmt der Computer den betreffenden Kurs aus dem Angebot.» Dies geschieht allerdings, ohne dass der Koordinator und der Kursanbieter benachrichtigt werden. Sie müssen die Anmeldeliste selbst im Auge behalten.

Kreative Lösung beim Hundekurs

Aus diesem Grund appelliert Wälti an die Kursanbieter, die Mindestzahl niedrig zu halten oder ganz wegzulassen und sich frühzeitig auf der Buchungsplattform zu informieren. Er bedauert das Missverständnis rund um den Kurs der Kantonspolizei und hofft, dass den Kindern und Polizeibeamten solche Enttäuschungen künftig erspart bleiben.

Bei der Kantonspolizei stellt sich Sprecher Andreas Mock auf den Standpunkt, dass solche Informationen rechtzeitig vom Ferienpass kommuniziert werden müssen. «Es kann doch nicht sein, dass eine Holschuld für uns Anbieter besteht, wenn unser Kurs ausfällt. Wir führen seit Jahren mit verschiedenen Ferienpass-Organisationen Kurse durch und hatten dieses Problem noch nie.»

Flexibel und mit Humor reagiert die ebenfalls von der Software-Guillotine betroffene Hundekurs-Anbieterin Pia Ammann in Pieterlen: Sie führt nach Rücksprache mit den Eltern
und Kindern, die sich anmelden wollten, ihre Kurse trotzdem durch. «In den letzten Jahren waren die Kurse gut besucht. Deshalb habe ich gedacht, dass etwas nicht stimmen kann, als auf der Plattform keine Anmeldungen eingingen.»

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