Weekly Paintings
Künstler bannt die Welt auf Leinwand

Dominique Ruppen hält das Weltgeschehen fest. Er interessiert sich für aktuelle Fotosujets und interpretiert diese auf seine ganz eigene Art. Ruppen malt Ölbilder. Er will später einmal Zeichenlehrer werden.

Julian Perrenoud
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Konzentrierte Arbeit an mehreren Leinwänden gleichzeitig: Dominique Ruppen in seinem Atelier. zvg Konzentrierte Arbeit an mehreren Leinwänden gleichzeitig: Dominique Ruppen in seinem Atelier. zvg

Konzentrierte Arbeit an mehreren Leinwänden gleichzeitig: Dominique Ruppen in seinem Atelier. zvg Konzentrierte Arbeit an mehreren Leinwänden gleichzeitig: Dominique Ruppen in seinem Atelier. zvg

Solothurner Zeitung

Eigentlich kommt er ja aus Grenchen, oder besser gesagt, immer mal wieder. Als Teenager schon machte Dominique Ruppen ein Austauschjahr in den USA, darauf die Kanti in Solothurn, reiste nach Paris, um drei Jahre später nach Zürich zu ziehen. Jetzt ist er in Bern, genauer gesagt in Bümpliz, und packt seine Koffer für Madrid. Spanien.

Doch etwas verlangt ihm beinahe noch mehr Zeit ab: Ruppen sucht nach Zeitungen an Kiosken, der Hochschulbibliothek, durchstöbert sie in Zügen oder Cafés. Hastig blättert er die Seiten um, das Geschriebene interessiert ihn weniger als die Fotos. An ihnen bleibt er hängen. Er schneidet sie aus, legt sie an seinem Arbeitsplatz zurecht, der Hochschule der Künste Bern (HKB). Steht die Uhr auf der späten Zehn, klappt Ruppen seinen Laptop zu, drückt aus Tuben Farbe auf eine weisse Palette, setzt den Pinsel an der Leinwand an und beginnt zu malen. Bis sich draussen die Sonne anschickt, den nächsten Tag zu erhellen.

Schon bald hängt Gaddafi hier

Es ist eine Wochenschau, «Weekly Paintings», die der 32-Jährige gestaltet. Ruppen malt Ölbilder, für jede Woche eines. Er sucht Fotosujets von Flüssen, die Landstriche überfluten, demonstrierenden Menschen, siegessicher winkenden Politikern oder um einen Ball kämpfenden Sportlern. «Ich will Bilder, die ich in die Malerei übersetzen kann», sagt er. Es geht ihm nicht darum, die Fotos punktgenau auf die Leinwand zu übertragen, sondern zu abstrahieren, Neues zu verbinden.

So betont er einen Steinwerfer auf Ägyptens Strassen, während er Autos und die tobende Masse in Grautönen im Hintergrund lässt. Ruppen arbeitet gleichzeitig an drei Bildern. Die schwarz eingefärbte Leinwand folgt als nächstes. Sie ist für Gaddafi bestimmt.

Ruppen will nach Spanien

Im zweiten Master-Semester zum gymnasialen Zeichnungslehrer steckt Ruppen jetzt, er will es in Spanien absolvieren. Alte Meister, neue Inspiration, das Ungewisse, Spanisch lernen. Seit vier Jahren plant er diesen Austausch. Bisher schlug er sich die Nächte mit Malen um die Ohren, 20 Stunden etwa braucht er für ein Bild der Serie «Weekly Paintings». An grösseren Werken arbeitet er bis 60 Stunden. Von Schlafen redet er nicht, eher unwichtig.

Viel lieber führt Ruppen, dunkles Jackett, darunter ein weisses Hemd, durch die Berner Hochschule, die mehr an ein individuell eingerichtetes Fabrikgebäude erinnert: Hier die Grafiker an ihren Computern, da die Studenten in Bildender Kunst in der Küche, oder eben die Maler, die ihre Ecke mit weissen Wänden umstellen. Neben Kunstgeschichte an der Uni stellte Ruppen in der Bachelor-Grundausbildung Hoch-, Tief- und Siebdrucke, Websites und Videos her, schoss Fotos, lernte sie zu bearbeiten, gestaltete Illustrationen, malte, zeichnete. Der Unterrichtsplan lässt viele Freiheiten, er ist nie alleine hier. Kunst kennt kein Wochenende.

Plötzlich wird es ihm zu viel

Der Weg zum Künstler stand für Ruppen lange fest, schon im Kindergarten malte er. Dinosaurier. Viele Dinosaurier. Später an der Schule versuchte er sich immer wieder neu, Aquarell, Bleistift, Kohle, Airbrush, Ölmalerei. «Ich lernte Geduld zu haben», sagt er. Denn diese braucht es in der Malerei. Das zeichnerische Talent und der Drang nach künstlerischem Ausdruck liegen im Stammbaum seines Grossvaters, ab hier tritt die Kreativität durch die jüngeren Generationen hindurch.

Ruppen gewann den Jugendart Award in Olten, gestaltete letztes Jahr den Adventskalender für das Kunstmuseum Bern, davor bildete er sich in Paris weiter, eine inspirierende Zeit: Der junge Grenchner besuchte Museen, Galerien, Ateliers. Bis ihn Kunst und Kultur beinahe übersättigten. Er zog nach Zürich und arbeitete für die Credit Suisse. Da fand auch seine Lust am Malen wieder in die Schweiz zurück.

Jahresrückblick 2011 im Entstehen

Während des Studiums in Spanien führt Ruppen seine Wochenschau weiter, 50 Gemälde will er im Dezember ausstellen können, will seine Arbeit an der Wand sehen, wie er sagt. Ein Jahresrückblick auf das 2011 und Ruppens eigenes Schaffen – denn jedes Bild entsteht aus einer anderen Gemütslage heraus.

Einige seiner Werke weisen unvollendete Stellen auf. Ganz bewusst: «Man darf ein Bild nicht ersticken oder überladen. Leere Stellen tun gut. Sie lassen es atmen, und gerade hier kann einzig die Vorstellungskraft des Betrachters das Bild ergänzen.»Via Internet gelangen seine Werke wieder in den Kreislauf der globalen Öffentlichkeit.

Wenn Oscars verliehen werden, ein weiterer Diktator stürzt, Roger Federer ein Rekord gelingt oder Japan durch Erdbeben und Atomkatastrophen verwüstet wird, hängt Ruppen eine neue Leinwand an den Nagel, setzt den Pinsel an und beginnt zu malen.

Weitere Informationen finden Sie online unter www.ruppenfinearts.com