Grenchen
Kunsthaus: Mitbegründer Toni Brechbühl blickt 40 Jahre zurück

Zum 40-Jahr-Jubiläum blickt Mitbegründer Toni Brechbühl auf die Entstehungsgeschichte des Kunsthaus Grenchen zurück. Toni Brechbühl wird am 21. Juli dieses Jahres 92 Jahre alt. Vor 71 Jahren begannen Grenchens Aufstieg zur Drehscheibe für Grafikkunst und die Entstehung eines städtischen Kunsthauses.

Patrick Furrer
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Toni Brechbühl zeigt Fotografien von Arthur Girard in seinem Atelier, dort, wo heute das Kunsthaus steht.

Toni Brechbühl zeigt Fotografien von Arthur Girard in seinem Atelier, dort, wo heute das Kunsthaus steht.

Patrick Furrer

Toni Brechbühl zählte zu den treibenden Kräften, die 1963 die Gesellschaft für ein Grenchner Kunstmuseum ins Leben riefen, manche meinen sogar, ohne den lebenslustigen, passionierten Kunstsammler und Künstlerfreund wäre das heutige Kunsthaus nie realisiert worden.

Was wenig überrascht, war die 1948 von ihm eröffnete Galerie an der Centralstrasse nicht nur Treffpunkt für Bewunderer von Werken von Künstlern wie Walter Leblanc, Käthe Kollwitz, Walter Emch oder Peter Travaglini. Dort stand der Mitbegründer der internationalen Triennale für Originaldruckgrafik, das frühere Mitglied der Kulturkommission und des alten Kunstvereins sowie Begründer des Künstlerarchivs Grenchen auch im regen Austausch mit unzähligen Künstlern und Kulturfreunden.

Viele dieser Dinge liegen Jahrzehnte zurück, und Brechbühl erinnert sich nicht mehr genau daran, wann sie passiert sind, wohl aber noch an die Begegnungen mit den Künstlern und die gefundenen und gesammelten Werke aller Art. Toni Brechbühl wird am 21. Juli dieses Jahres 92 Jahre alt. Vor 71 Jahren begannen Grenchens Aufstieg zur Drehscheibe für Grafikkunst und die Entstehung eines städtischen Kunsthauses. Damals gründete Toni Brechbühl mit Onkel Otto Stalder und Werner Gschwind den «Verein der Kunstfreunde», der sich rasch wachsenden Zuspruchs erfreute.

Kunst und Maschinengewehre

«Es war eine tolle Zeit damals», erinnert sich Toni Brechbühl. Seine eigene Galerie, der Weg zum Kunsthaus, die Gründung der Triennale – alles entstand mehr oder weniger nebeneinander, aber nie ohne sein Zutun. Am 12. Juli 1972 wurde die Stiftung Kunsthaus Grenchen gegründet, doch ein geeigneter Standort für die Ausstellungen fehlte noch. Toni Brechbühl ist das einzige noch lebende Gründungsmitglied der Stiftung. Seit ihrer Errichtung wurden sämtliche von den Stiftern erworbenen Kunstwerke automatisch in die Sammlung der Stiftung eingebracht. Zu nennen sind vielleicht Werke von Max Kohler, Ferdinand Kaus, Hanspeter Schumacher oder Franz Anatol Wyss.

Die erste Ausstellung wurde im Haus der Heilsarmee organisiert. Der Gemeinderat entschied damals, die Farbe für den neuen Innenanstrich zu bezahlen. «Alles war voller Taubendreck», fällt Brechbühl beim Erzählen ein. Er muss lachen. Überhaupt kennt er manch schrille Anekdote. Eines Nachts musste er die Polizei ins Kunsthaus begleiten. Im umgebauten, 1984 eröffneten Kunsthaus – dem früheren Wohnhaus und Atelier des Grenchner Malers und Weltenbummlers Arthur Girard – war der Alarm losgegangen, der direkt an die Polizeizentrale ging.

«Ich öffnete die Türen zum Haus und hinter mir kamen die Polizisten mit ihren Maschinengewehren», erzählt Brechbühl, und ahmt mit den Händen eine Schussposition nach. «Das war lustig», sagt er. Schliesslich stellte sich heraus, dass niemand hatte einbrechen wollen.

Es war lediglich der Funk der Taxis am Südbahnhof, der die Alarmanlage störte und so einen Fehlalarm auslöste. Von Arthur Girard selbst hat Toni Brechbühl nicht viele Werke, zwei allerdings, das Bild eines Hunds und ein Selbstporträt. Während das Künstlerarchiv sich bis heute um die Werke hiesiger Künstler bemüht, hat sich das Kunsthaus vermehrt auch nationalen und internationalen Künstlern gewidmet. Die Sammlung des Kunsthauses, deren Kern die Druckgrafiken sind, umfasst heute rund 13 000 Werke.

Den Wert nicht verkennen

Toni Brechbühl war erster Kustos des Kunsthauses, sechs Jahre führte er es als Begegnungszentrum. Ganz zu Beginn der Stiftung habe man wenig Platz gehabt, auch in den Räumen der damaligen Migros, im heutigen Kunsthaus jedoch habe man sehr viel Raum. «Die Sammlung ist enorm, sie hat Grenchen zu einem bedeutenden Standort für Kunst gemacht», freut sich Brechbühl, der auch die Arbeit der heutigen Kunsthausleitung und der künstlerischen Leiterin Eva Inversini lobt. Ab und zu besuche er das Kunsthaus noch heute auch einfach als Gast, sagt er.

Toni Brechbühl, der lebensfrohe Kunstfreund, wünscht Grenchen und dem Kunsthaus, dass der Stellenwert der Druckgrafiksammlung nie vergessen geht oder wird, weil es in seinen Augen das ist, was den Status des einstigen Wunschtraumes Kunstmuseum ausmacht. Und er hofft, dass auch die Grenchnerinnen und Grenchner den Wert des Hauses nicht verkennen. Toni Brechbühl ist mehr als doppelt so alt wie das heutige Kunsthaus selbst. Man will ihm glauben, dass er weiss, wovon er da spricht.

Zum 40-Jahr-Jubiläum der Stiftung Kunsthaus Grenchen erscheinen bis zum «Gründungstag» 12. Juli mehrere Artikel.

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