Es ist immer wieder spannend zu sehen, was sich in der Welt der Druckgrafik so abspielt, die ja manch mediale Grenzen erweitert oder gar sprengt. Und auch in der «Impression 2017» zeigt sich, die Druckgrafik lebt, als eine feste Grösse der Tradition ebenso verpflichtet wie einer künstlerischen Gestaltungsfreiheit. Und interessant ist, dass sich gerade die jüngeren Kunstschaffenden mit tradierten Techniken an neue Erzählweisen heranwagen, wenn die Aquatinta-Serie an eigenwillige Comic-Geschichten erinnert oder der Kupferstich skurrile Storys erzählt.

Während Kunstschaffende der älteren Generation mit neuen Techniken entweder individuelle Intentionen und eigenwillige Bildabsichten ausarbeiten. Die Palette der Druckgrafik ist also genauso vielseitig wie der Begriff Kunst an sich, und berührt verschiedene Facetten, technisch wie eben auch inhaltlich – klarlinig, naturbezogen, narrativ, abstrakt, poetisch, zeichenhaft bis zum Installativen und Performativen.

Georges Wenger mit Lydford Gorge Forest I aus dem Jahr 2016.

Georges Wenger mit Lydford Gorge Forest I aus dem Jahr 2016.

Deutschschweizer in der Mehrheit

Die diesjährige dreiköpfige Jury, sie setzt sich aus Patricia Bieder (wissenschaftliche Mitarbeiterin Kunstmuseum Solothurn), Nicole Schweizer (Konservatorin Musée cantonal des Beaux-Arts, Lausanne) und Reto Leuthold (Künstler und Dozent an der Fachschule Luzern) zusammen, hat sich aus der beträchtlichen Anzahl von 166 Bewerbungen auf repräsentative 50, respektive 53 Kunstschaffende konzentriert.

Wobei trotz der zahlreichen Arbeiten – manche Künstler sind mit mehreren Werken vertreten –, die von Anna Leibbrandt dezent thematisch kuratierte Ausstellung nicht als Überfülle wirkt, sondern mit der Vielseitigkeit des künstlerischen Potenzials der zeitgenössischen Druckgrafik einhergeht.

Seit 2013 ist die «Impression» als biennale Werkschau national ausgeschrieben, dennoch sind die Deutschschweizer Kunstschaffenden in der deutlichen Mehrheit. Dafür ist die Geschlechterverteilung ausgewogen mit einem leichten Vorteil für die Künstlerinnen und deren einfallsreiche Interpretationen. Auch die Alterspanne ist erfreulich breit gesteckt zwischen erstaunlich jung gebliebenen 77 und erprobten 25 Jahren.

Risographie «wiederbelebt»

Auch in der diesjährigen «Impression» kann man die unterschiedlichsten künstlerischen Produktionsverfahren wie Linolschnitt, Holzschnitt, Radierung, Mezzotinto, Aquatinta, Monotypie, Serigraphie, Kupferstich, Kaltnadel mit eher selteneren Techniken vergleichen wie die Heliogravure, die ganz spezielle Stimmungen einfängt, die Cyanotypie, dem Blaudruck, ein altes fotografisches Druckverfahren, dem Thermodruck, der Photogravure. In Vergessenheit geraten und hier wieder belebt wird die Risographie, ein in Rotation gebrachtes Schablonendruckverfahren, eine Art Mischung aus Siebdruck und Kopie; während der Digital- und Injekt-Print sich bereits etabliert hat.

Die Auseinandersetzung mit dem Medium Druckgrafik ist differenziert und autark in den neuen oder originellen Möglichkeiten, eher solide denn experimentell. Die Farbigkeit ist meist zurückhaltend, nuanciert und reduziert, aufwendige Materialfinessen sind weniger vertreten. Gedruckt wird vor allem auf Papier, Japanpapier, Bütten, Holz, Aluminium, Textil.

«Medial überflutete Bilderwelt»

Und dennoch, immer wieder überraschen stimmige oder einfallsreiche Bildideen und formale Absichten wie Ansichten: Auf Leinwand gedruckte und raffiniert collagierte, fotografische Waldausschnitte erzeugen eine suggestive Tiefe. Die mit Stempeltinte gedruckten Lettern «SUM» assoziieren als installative, von der Decke hängende Papierbahn ein mittelalterliches Moment, übereinander gelegte und ineinander wirkende, übergrosse Fernsehbilder verweisen auf unsere medial überflutete Bilderwelt, während der berühmte «Bruderkuss» zwischen Breschnew und Honecker im schwarzweissen Holzschnitt eine historische TV-Wirkung zitiert.

Die bei uns weniger bekannte Collagraphie-Technik lässt anklingen, wie sich unterschiedliche, eingefärbte Materialien, allein mit einer Platte gedruckt und vervielfacht, einen wirkungsvollen Städterapport spiegeln.

In der 2016 eingeführten Ausstellungsreihe «20 Quadratmeter – Fenster ins Atelier von ...» gibt die Oltner Künstlerin Martina Baldinger mit Zeichnungen, Projektionen, Texte, Tisch und Stuhl einen Einblick in ihr Atelier, ihre Arbeit als eine Art «Zeichnung als Erzählung im Raum».