Die Kunstfliegerei trennt die Menschen: Die einen verfolgen die akrobatischen Figuren mit Begeisterung, die anderen könnten den oder die Piloten und die Flugzeuge ins Pfefferland wünschen. Entsprechende Diskussionen sind nicht selten in den sozialen Medien und den Leserbriefspalten zu lesen. Ein erfolgreicher Schweizer Kunstflieger, der den Luftraum über dem Flughafen Grenchen benützt, ist Isidor von Arx aus dem Gäu.

Am Modellflugtag 2015 schlug eine besondere Stunde für Isidor von Arx: Das Schaufliegen der Modellmaschinen wurde unterbrochen, als der Gäuer Pilot in Grenchen landete. Eben hatte er die Schweizer Meisterschaft im Kunstflug in Reichenbach im Berner Oberland für sich entscheiden können. Der neue nationale Titelträger wurde vom einheimischen Publikum begeistert empfangen. Er liess es sich nicht nehmen, gleich eine Probe seines akrobatischen fliegerischen Könnens vorzuführen.

Es war ein zeitlich langer Weg auf die oberste Treppe des Siegespodestes. Anderthalb Jahrzehnte dauerte es von den ersten Kunstflug-Übungen bis zum Schweizer Meister. 1999 begann Isidor von Arx mit dem Fliegen und zwei Jahre später folgte der erste Kunstflug. «Ich wollte etwas für meine Sicherheit machen, um das Flugzeug besser zu beherrschen», sagt er. «Der Kunstflug ist wie ein Schleuderkurs beim Autofahren.» Einen Monat nach dem Kunstflug-Brevet wurde er zur Teilnahme an der Schweizer Meister 2001 in Pruntrut überredet. Auf Anhieb gewann er den Titel in der Kategorie Sportsmen, also der Einsteigerklasse.

Schritt für Schritt an die Spitze

Verbunden mit der Einsicht, dass ein gewisses Talent vorhanden sein dürfte, war dieser Sieg ein starker Motivationsschub. Der Neo-Kunstflieger konnte sich aber damals nicht vorstellen, dass er dereinst in der unlimitierten Klasse bei den Spitzenpiloten mitfliegen wird. Dennoch begann er mit dem kontinuierlichen Training auf dem eigens für den Kunstflug hergestellten Flugzeugtyp Extra 200. Solche Spitzenmaschinen sind eine Seltenheit, und so musste er viele Jahre zum Flugplatz Fribourg-Ecuvillens fahren, wo ihm ein solches Flugzeug zur Verfügung stand.

In der Folge nahm er Jahr für Jahr an der Schweizer Meisterschaft teil. Mit langsamen Schritten ging es vorwärts, die Resultate verbesserten sich, ein Durchsacker war nie zu verzeichnen. Die akrobatischen Flugfiguren brachte er sich ohne Trainer am Boden autodidaktisch bei. Im Jahr 2010 war es so weit, dass er den Schweizer-Meister-Titel in der zweitobersten Kategorie gewann. «Da hätte sich die Möglichkeit geboten, dass ich in dieser Liga bleibe und internationale Wettbewerbe bestreite», hält Isidor von Arx fest. Doch er wollte in die Königsklasse aufsteigen, in die unlimitierte Liga.

Flugzeug der Spitzenklasse

Im Jahr nach seinem Erfolg bekam er die Möglichkeit, in Grenchen ein Flugzeug zu fliegen, das für die Höchstklasse geeignet ist: Die Extra 330SC. Somit ist Grenchen seit 2011 seine «Homebase» als Kunstflieger. Er leistete sich ein Trainingslager in Frankreich bei Nicolas Ivanoff, Team-Weltmeister im Kunstflug und Pilot beim Red Bull Air Race.

Bei seinem ersten Start in der unlimitierten Kategorie 2012 in Lodrino erhielt er seinen ersten Dämpfer, da er auf dem letzten Platz landete. «Dieses Lehrgeld muss man bezahlen», sagt er rückblickend. Zwei Jahre später kam er in Môtier im Val de Travers auf den zweiten Rang: «Dort habe ich realisiert, dass ich jeden schlagen kann, auch Pierre Marmy und Bruno Müller, die seit 2001 jeweils den Titel des Schweizer Meisters unter sich ausmachten.» Ein Jahr später liess von Arx auch diese beiden Spitzenpiloten hinter sich.

Die Signaturen für die Kunstflugfiguren hängen am Instrumentenbrett.

Die Signaturen für die Kunstflugfiguren hängen am Instrumentenbrett.

Nachdem er an der Meisterschaft 2016 nach einem groben Fehler das Podest verpasste, will es Isidor von Arx dieses Jahr nochmals wissen. In Bressaucourt, dem neuen Flugplatz von Pruntrut, beginnt die Schweizer Meisterschaft am Wochenende vom 21. August. Dazu hat er dieses Jahr hart trainiert und auch zwei Trainingslager absolviert, eines in Besançon und eines im tschechischen Budweis.

Auf europäischer Ebene sieht er das Potenzial, unter die ersten 20 zu kommen, bei Weltmeisterschaften noch weiter hinten. «Mit den Franzosen, Russen und Amerikanern, die meist Profis sind, ist alles nochmals ganz anders», räumt er ein.

Wechselnde Trainingsorte

Das Gespräch findet nach einem Trainingsflug statt, der über dem Flughafen Grenchen stattfand. «Wir Kunstflieger wissen, dass wir Lärm machen», hält er fest. Dass sich die einen daran stören, sei man sich bewusst. Auf der anderen Seite sehe man die Tausenden von Leuten, die sich an Airshows vom Kunstflug begeistert zeigten.

Er schaue, so von Arx, dass er nicht immer am gleichen Ort seine Flüge mache und eben auch mal im Ausland trainiere. «Ich lebe für den Kunstflug», sagt er über sich, «nicht zuletzt auch finanziell.» Nach diesen Worten macht er sich wieder auf den Weg zum Flugzeug für den zweiten Trainingsflug. Dieser wird über seiner engeren Heimat stattfinden – über dem Gäu.