«Warum soll in Grenchen überhaupt eine Kulturnacht stattfinden? Grenchen hat doch gar keine Kultur?» Genau auf solche provokativen Fragen will das Organisationskomitee mit der dritten «Blauen Nacht» eine Antwort geben, sagt Angela Kummer, die OK-Präsidentin. «Wir wollen am Samstag in einer Woche zeigen, dass in Grenchen in kultureller Hinsicht sehr wohl viel läuft.»

Die Grenchner Kulturnacht am 13. September soll die ganze Bandbreite deutlich machen, welche die Grenchner Vereine und die kulturellen Institutionen zu bieten haben, so Kummer. «Kunst, Literatur, Musik, Theater und Tanz – wir wollen die Möglichkeit bieten, alles in ‹Häppchenform› zu geniessen. Damit sprechen wir auch diejenigen Leute an, die vielleicht normalerweise weniger den Zugang zu Kultur haben, und können ihnen helfen, gewisse Schwellenängste abzubauen.»

Rund 40 Veranstaltungen

Der Programm-Leporello macht es deutlich: Ab 16 Uhr bis 22.30 Uhr kann man aus einem reichhaltigen Programm von rund 40 Kurzveranstaltungen auswählen und danach noch bis in die frühen Morgenstunden Musik hören und abtanzen, wenn man Lust dazu hat. «Den Besucherinnen und Besuchern steht es aber auch frei, eine Veranstaltung wieder zu verlassen, wenn man merkt, dass einem das Gebotene nicht gefällt.» Auch damit will man gewisse Schwellenängste abbauen – und auch die Neugier wecken, unbekannte Terrains zu erkunden.

Kummer freut sich darauf, kommenden Samstag selber viele Darbietungen zu geniessen: «Alle Veranstaltungen zu besuchen, ist gar nicht möglich. Aber mit dem neu gestalteten Übersichtsplan kann sich jeder sein eigenes Programm zusammenstellen.» Highlights für die OK-Präsidentin sind die Lesungen von Arno Camenisch im Kleintheater und Franco Supino im Lindenhaus sowie die Veranstaltung «Bern ist überall» mit dem Berner Literaturpreisträger Beat Sterchi, den Sprachkünstlerinnen Stefanie Grob und Stefanie Blaser.

Im Kultur-Historischen Museum, dessen Leiterin sie ist, werden Führungen, ein Spielworkshop mit Brettspielen aus den 50er-Jahren und ein Vortrag einer jungen Uhrmacherin geboten. Kummer ist aber auch gespannt auf den Graffiti-Workshop mit regionalen Graffiti-Künstlern, der sich speziell an die Jugendlichen richtet sowie die Ausstellung junger Künstlerinnen und Künstler im Untergeschoss der alten EPA. «‹EPART› wird danach noch weiterlaufen, im Rahmen der Kulturnacht findet die Vernissage statt.»

Diese Ausstellung und der Graffiti-Workshop sind übrigens die einzigen Veranstaltungen, die ohne Eintritt zu bezahlen besucht werden können. Für alle anderen werden an den verschiedenen Vorverkaufsstellen und an den Austragungsorten Künstlerbuttons für 18 Franken verkauft, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre habe kostenlos Zutritt. Damit wurde auch der Preis von bisher 25 Franken gesenkt, denn der Eintritt soll auch für Familien erschwinglich sein. «Die sechs verschiedenen Künstlerbuttons sind übrigens eine Idee, die wir aus den früheren Jahren übernommen haben. Zu Zeiten, als Anna Messerli noch das Amt für Kultur leitete. Sie hatte damals Kulturnächte in kleinem Rahmen veranstaltet, mit ebensolchen Buttons als Eintrittstickets.»

Aus der Vergangenheit gelernt

Das Organisationskomitee habe aus den letzten beiden Kulturnächten seine Lehren gezogen, sagt Angela Kummer: Lange Sitzungen mit allen Veranstaltern hätten die Arbeit erschwert. Vom Angebot her und der Durchführung sei die zweite «blaue» Kulturnacht 2012 zwar ein Erfolg gewesen, aber man habe die gesetzten Ziele nicht erreicht, weder budgetmässig noch von den Besucherzahlen her. «Die damals angestrebte überregionale Ausstrahlung fehlte und es fanden zu viele und zu grosse Events gleichzeitig statt.»

Neu will man das Ganze konzentrieren. «Wir mussten ‹downsizen›, bescheidener werden. Die Alte Turnhalle bildet das Zentrum und fast alle Veranstaltungen finden an der Lindenstrasse statt.» Mit Ausnahme der Veranstaltungen im Kunsthaus und der Ausstellung in der alten EPA, die aber beide mit dem Bus bequem im Halbstundentakt zu erreichen seien, habe man so die Möglichkeit, innerhalb von wenigen Minuten von einer zur anderen Vorstellung zu gelangen. Damit erübrige sich auch eine aufwendige Infrastruktur mit Zelten und Ähnlichem, denn an der Lindenstrasse stünden genügend Räumlichkeiten für die verschiedenen Veranstaltungen zur Verfügung.

Weniger Geld zur Verfügung

Auch das Budget wurde «konzentriert». 2012 lag das Budget bei 80 000 Franken. Dieses Jahr budgetiert das OK mit knapp 50 000 Franken an Ausgaben, die von der Stadt und zahlreichen Sponsoren erbracht werden.

«Wir haben auch das Verpflegungskonzept überdacht: Statt an einigen wenigen Orten wird dezentral verpflegt.» Neu gibt es an fast allen Austragungsorten einen Barbetrieb mit einem kleinen Angebot an Speisen: In der Alten Turnhalle wird ein Tapas-Buffet angeboten, die Pfadi stellt ihr Pizzamobil auf, das Lindenhausteam serviert Crêpes, im Kunsthaus gibt es Quiche Lorraine mit Cüpli, im Kultur-Historischen Museum Muffins und blaue Drinks und die Stadtmusik kocht Risotto. «Zu den Kulturhäppchen servieren wir eben auch Esshäppchen.»

Angela Kummer erhofft sich einen ansehnlichen Publikumsaufmarsch. «Es wäre schön, wenn wir auch Auswärtige an die ‹Blaue Nacht› locken könnten und auch überregional eine gewisse Ausstrahlung erreichen würden. Denn Grenchen hat wirklich viel zu bieten, und das würden wir gerne möglichst vielen Leuten zeigen.»