Im feierlichen Rahmen hat die Kulturkommission die Kulturpreise übergeben. Es sei «jeweils die schönste Pflicht der Kulturkommission», die Preisträger zu bestimmen, meinte Präsident André Weyermann. Hauptpreisträger ist dieses Jahr der in Grenchen aufgewachsene Marc Reist, der auch mit mehreren Werken in der Stadt vertreten ist. Der ausgebildete Steinbildhauer sei ein «Perfektionist und Ästhet», sagte Stadtpräsident François Scheidegger in seiner Laudatio.

Insbesondere mit seinen Plastiken und Skulpturen habe sich Reist in der ganzen Schweiz einen Namen gemacht. Scheidegger erwähnte speziell die beiden Werke «Neuron» aus Bauteilen der alten Archbrücke sowie die Plastik «Tag und Nacht», die 1997 von Reist zusammen mit Arbeitslosen erstellt wurde und die hinter der Eusebiuskirche an prominenter Lage steht. Kunstwerke wie diese im öffentlichen Raum seien als Investition in die Lebensqualität hochwillkommen.

Kunst: «Grossartig, aber nutzlos»

Reist zeigte sich berührt davon, dass er von seiner Geburtsstadt geehrt werde, obwohl er seit 35 Jahren nicht mehr hier lebe. Er dankte allen, die ihn begleitet und an ihn geglaubt hätten. «Kunst ist grossartig, aber nutzlos», sinnierte Reist weiter. Sinnvoll werde sie aber, indem sie beim Betrachter neue Ideen, neue Gefühle und neue Gedanken auslöse. Eine Video-Präsentation zeigte zum Schluss eine Annäherung an Reists künstlerisches Denken.
Der Anerkennungspreis 2019 wurde an das «Künstler Archiv Grenchen» (KAG) verliehen. «Es ist das künstlerische und kultur-historische Gedächtnis Grenchens», sagte Laudator André Weyermann.

In den 1950er-Jahren gegründet ist es eng mit dem 2018 verstorbenen Galeristen und Kunstsammler Toni Brechbühl verbunden und seit 2005 mit einem gleichnamigen Verein mit inzwischen rund 200 Mitgliedern. In einer Liegenschaft an der Wiesenstrasse wurde ein reicher Fundus an Bildern, Grafiken, Plastiken, Ansichtskarten, Münzen, Abzeichen etc. angesammelt, oft aus Schenkungen und Nachlässen. Als das eingemietete Archiv 2018 wegen Mietkündigung ausziehen musste, war dies eine gewaltige Zäsur. «Dieser Preis tut uns gut, denn es gab letztes Jahr wirklich viel zu tun», sagte KAG-Präsident Thomas Schärli. Er dankte der Stadt aber nicht nur für den Preis, sondern vor allem für die neuen Räume, welche sie dem Verein für die umfangreiche Sammlung in einer ausgedienten Zivilschutzanlage im städtischen Werkhof zur Verfügung stellt.

KAG-Eröffnung am 19. Mai

Auch habe man wertvolle Hilfe beim Umzug vom Zivilschutz und von freiwilligen Helfern erfahren. Schärli freute sich deshalb, die Bevölkerung am kommenden 19. Mai (Museumstag) zur offiziellen Eröffnung des neuen Künstlerarchivs einladen zu können.


Einen Nachwuchsförderungspreis hat das von Iris Minder gegründete und heute von Nadja Rothenbühler geleitete «Kindertheater Blitz» erhalten. Laudatorin Sandra Sieber, selber Schauspielerin, würdigte die wichtige Rolle, welche das Theaterspielen für die Entwicklung der Jugendlichen spiele: «Sie lernen selbstbewusst hinzustehen, Teamgeist, Fairness und Toleranz». Die Kinder bedankten sich mit einigen kurzen Spielszenen, auch aus der neuen Produktion «Bremer Stadtmusikanten», welche am 26. und 27. Januar in der Aula Schulhaus IV zu sehen ist. Die jungen Schauspieler werden auch wieder am Freilichtspiel im kommenden Sommer auftreten. Iris Minder schlug am Rande des Anlasses die Verbindung zu Marc Reist, welcher auch drei Mal das Bühnenbild des Freilichtspiels schuf (2009, 2011 und 2013).