Kulturpreis Grenchen
Ein Grenchner Kulturvermittler mit viel fasnächtlichem Humor

Heinz Westreicher konnte im Parktheater den Kulturpreis 2021 der Stadt Grenchen entgegennehmen. Geehrt wurden ebenfalls Ruwen Kronenberg und Aaron Doukpo.

Andreas Toggweiler
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Kulturpreisträger Heinz Westreicher mit Stadtpräsident François Scheidegger.

Kulturpreisträger Heinz Westreicher mit Stadtpräsident François Scheidegger.

Hansjörg Sahli

Stadtpräsident François Scheidegger würdigte Heinz Westreicher für sein vielfältiges Engagement sowohl als aktiver «Kulturschaffender» in der Volkskultur-Sparte Fasnacht, aber auch für sein Engagement als Kulturvermittler bei der Grenchner Grafiktriennale, die er zwölf Jahre lang präsidierte. Und nicht zuletzt auch für seine Projekte als Gewerbeverbandspräsident, mit denen er es fertigbringt, Kunst unter die Leute zu bringen.

So initiierte Westreicher eine Aktion mit Grenchner Gewerbetreibenden, die ihre Lokalitäten Künstlern zur Ausstellung ihrer Werke zur Verfügung stellen, oder die Aktion «Usestuehle» mit den Grenchner Restaurants. Westreicher war auch Präsident des Künstlerarchivs, Sekretär der Stiftung Kunsthaus und macht weiterhin im OK der Grenchner Kulturnacht mit.

12 Bilder
Das Publikum im Parktheater
Moderator André Weyermann, Präsident der städtischen Kulturkommission
Sandra Sieber
Myriam Brotschi Aguiar
Ruwen Kronenberg, Anerkennungspreisträger
Ensemble Triple Wood
Stadtpräsident François Scheidegger ehrte...
Kulturpreisträger Heinz Westreicher
Aaron Doukpo, Träger des Nachwuchs-Förderpreises

Bilder: Hansjörg Sahli

Viel Herzblut widmete er der Fasnacht. Er wurde 1990 Obernarr, gründete 1996 die Familiengugge «Schuelschwänzer» und ist als treffsicherer und versierter Schnitzelbänkler noch heute mit seinen «Stadtratten» unterwegs. Und nicht zuletzt sorgt er als treibende Kraft für das regelmässige Erscheinen und den nötigen fasnächtlichen Pep der Fasnachtszeitung «Gosche».

«Jemand, der Menschen bewegen kann»

Scheidegger würdigte Westreicher als «ausgesprochenen Teamplayer, der Menschen mitreissen kann». Als Wahl-Grenchner mit Basler Wurzeln habe er so in Grenchen allerhand bewegt. «Inklusive der beissenden Kritik an der Obrigkeit, die nun mal zur Fasnacht gehört.»

Der Preisträger bedankte sich für die Ehre und zeigte sich erfreut, dass die Stadt mit dem Kulturpreis die Kultur als wichtiges Element für das Wohl der Gesellschaft anerkenne. Er berichtete, wie er als Schüler im Unterricht mit Bildbetrachtungen im Unterricht, Theater und Konzerten mit Kultur in Kontakt kam, wie er in Solothurn mithalf, das Theater im Muttiturm aufzubauen, und schliesslich 1977 nach Grenchen kam, wo er auf Anhieb an einer Fasnachtssoiree mit einem Schnitzelbank den ersten Preis holte und danach von Theddy Buser in die Fasnachtszunft geholt wurde.

Heinz Westreicher – der begnadete Schnitzelbankautor.

Andreas Toggweiler

Mit einem brillant getexteten Schnitzelbank, fast schon ein melancholisches Gedicht, bedankte sich Westreicher beim Publikum.

Der stimmungsvolle Abend brachte aber auch ein musikalisches Glanzlicht mit Ruwen Kronenberg, dem Träger des Anerkennungspreises 2021. Zusammen mit den Musikerkollegen Peter Schenker (Klavier) und Andreas Allemann (Oboe) spielte Kronenberg auf der Viola als «Trio Triple Wood» Stücke englischer und eines französischen Komponisten.

Die heitere Gelassenheit der Musik der englischen Spätromantiker tat wohl und das rhythmisch komplexe Stück des Franzosen fusionierte kongenial keltische Klänge mit Jazzelementen à la Dave Brubeck.

Myriam Brotschi ehrt Anerkennungspreisträger Ruwen Kronenberg.

Myriam Brotschi ehrt Anerkennungspreisträger Ruwen Kronenberg.

hjs

Kronenberg wurde von Kulturkommissionsmitglied Myriam Brotschi Aguiar geehrt: «Es gibt Menschen in Grenchen, die, obwohl sie alles andere als laut sind, immer wieder auffallen. Mit ihrer Präsenz, ihren Taten, ihrem Wirken, überall dort, wo in Grenchen Musik gemacht wird.»

Kronenberg ist Musikpädagoge an der Musikschule Grenchen, Arrangeur, Komponist und Dirigent und leitet das Stadtorchester und das Regionale Jugendsymphonieorchester Solothurn. (Das übrigens am Samstag um 19 Uhr im Parktheater auftritt).

Ruwen Kronenberg spielt mit dem Ensemble Triple Wood.

at.

Äusserst sympathisch darauf die Geste des Preisträgers, der den mit 2000 Franken dotierten Preis mit folgenden Worten an ein Mitglied des Stadtorchesters weiterreichte:

«Said Kadr, ein Flüchtling aus Irak, ist eine Stütze des Stadtorchesters geworden. Er darf aufgrund seines Status seine Ausbildung nicht fortsetzen und kann das Geld sicher gut gebrauchen»,

sagte Kronenberg, was spontanen Applaus des Publikums auslöste. Er berichtete ferner, wie er zur Musik fand und sein Schicksal – privat und musikalisch – stets mit Grenchen verbunden blieb. Eine besondere Befriedigung verschaffe ihm die Leitung des Stadtorchesters, die er seit 2017 innehat.

Den Nachwuchsförderpreis konnte Aaron Doukpo einheimsen, der sich über Grenchen hinaus schon einen Namen als Modedesigner gemacht hat. Er ist aber viel mehr, wie ein von ihm selbst gedrehtes Video aufzeigte.

Sandra Sieber ehrt Aaron Doukpo mit dem Nachwuchsförderpreis.

Sandra Sieber ehrt Aaron Doukpo mit dem Nachwuchsförderpreis.

hjs

Im Moment ist er intensiv am Malen, produziert eine Filmserie fürs Internet und hat soeben sein drittes Buch mit Gedichten und Kurzgeschichten veröffentlicht. «Mit Aaron Doukpo ehrt die Kulturkommission einen Kunstschaffenden mit einer hohen Produktivität und einem breiten Radius an Kreativität», sagte Laudatorin Sandra Sieber.

Videobeitrag des Nachwuchs-Förderpreisträges Aaron Doukpo.

zvg

Dabei verleihe er allen seinen Kunstformen eine persönliche Handschrift und er zeige eine bemerkenswerte Auffassungs- und Beobachtungsgabe. Durch den Abend führte André Weyermann, Präsident der Kulturkommission der Stadt Grenchen.

Alle Preisträger.

Alle Preisträger.

hjs

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