Pieterlen
Kulturkeller ist mit Kultur und Kulinarik auf Achse

Die Organisatoren vom Kulturkeller Pieterlen bringen Geschichten, Musik und Kulinarisches zu den Leuten.

Anke Eckardt
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Stephan Rusch beim mobilen Vorlesen vom Einachser herab.

Stephan Rusch beim mobilen Vorlesen vom Einachser herab.

Anke Eckardt

«Könnt ihr nicht zu Kultur und Kulinarik (K&K) zu uns kommen, so kommt sie eben zu euch», finden Lea und Stephan Rusch sowie Gina Canal vom Kulturkeller (K). Den veranstaltungsbeschränkenden Coronamassnahmen setzen die drei ein kreatives Alternativprogramm unter Beachtung der Vorschriften entgegen. Ungefähr einmal im Monat bringen sie an einem Freitag- oder Samstagabend K&K zu den Leuten.

Mit einem Einachser, der gleichzeitig als Bühne dient, kommen sie zu den Häusern von den Personen, die sie gebucht haben. Das sonst landwirtschaftlich genutzte Gefährt wurde zu diesem Zweck mit Mikrofon, Lautsprecher, Verstärker, Notenständer, Leselampe und weiterem notwendigen Equipment ausgestattet. Maximal zehn Personen können dann das auf dieser originellen Bühne Dargebotene geniessen.

Mit «Zaungästen» an den Fenstern oder auf Balkonen sind es manchmal sogar noch etwas mehr, denn das Geknatter vom ungewöhnlichen Transportmittel ist unüberhörbar und weckt Interesse. Die Lesungen oder Auftritte von Musikerinnen und Musikern kommen gut an und somit mangelt es meist nicht an Anlaufstellen für K&K-Angebote.

Drei Kurzgeschichten statt Buchlesung

Weil der Bündner Autor und Performer Arno Camenisch ­seine Ende Oktober im K geplante Lesung nicht durch­führen konnte, sprangen Lea und Stephan Rusch und Gina Canal selber in die Bresche. «Wir können den Künstler zwar nicht ersetzen, aber wir können uns für ihn einsetzen», meinte Stephan Rusch.

Mit ihrer fahrbaren Bühne fuhren sie durch das Dorf und trugen bei jedem Stopp jeweils eine ihrer Lieblingskurzgeschichten vor – und das sechsmal an diesem Abend. Zwischen den Lesungen gab es musikalische Intermezzos von einem ortsansässigen Musiker. Was zum Schluss des jeweiligen Auftritts als Spende im Kässeli landet, verwenden sie – wie kann es anders sein – wieder für Kulturelles.

Es begann mit Essen aus dem Einmachglas

Bereits im Frühling, während des Lockdowns, hatte Lea Rusch damit begonnen, die kulinarischen Angebote des Kulturkellers aufrechtzuerhalten. Sie bereitete wöchentlich ein anderes Menu zu und füllte das Essen in grosse Schraubgläser, deren Menge je nach eingegangenen Bestellungen variierte. Diese konnten dann am Gartenzaun von Familie Rusch abgeholt werden. Nun hat Lea Rusch das Angebot diversifiziert. Ein Teil der Gläser geht mit auf die Reise und gelangt somit zu denen, die K&K gebucht haben. Diejenigen wiederum, die nur Kulinarik möchten, holen sich ihre Gläser aus dem K-Kühlschrank selber ab.

Und dann gibt es noch einen Extraservice für Personen, die sich in Quarantäne befinden, nämlich die Lieferung direkt nach Hause. Mit ihrem be- son­deren Einsatz in dieser speziellen Zeit zeigt die K-Crew, wie wichtig ihr das Schaffen von ­Begegnungsmöglichkeiten und kultureller Angebote für die Dorfbewohner sind. Gina Canal engagiert sich neuerdings noch für ein weiteres ungewöhnliches Projekt im Dorf. Mit zwei ­Frauen eröffnete sie das «ünic», ein ­Lokal aus ­Kombination von Café und ­kleinem Laden, mit wel- chem sich die drei einen lang ­gehegten Traum erfüllen.

Hinweis

Café&Lädeli ünic, Alte Landstrasse 36, Pieterlen

http://uenic-pieterlen.ch

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