Das Säli im «Grenchner Hof» war am vergangenen Mittwoch einmal mehr ausgebucht. Zum dritten Mal ist dort der Gastro-Event «Wintertraum» über die Bühne gegangen. Serviert wurden nicht nur Rindsfilet-Roulade, gefüllt mit Kalbsfilet mit Haselnuss-Risotto und Steinpilzsauce, sondern auch eine ebenso hochstehende akustische Einbettung. Ein Quartett mit Sängerin und Sänger, Piano und Violine unterhielt die Gäste zwischen dem Service des Sechsgängers mit Musik. Matthias Steiner und Andres Joho begleiteten die beiden Deutschen Opernsänger Beate (Mezzosopran) und Karsten Mewes (Bass) aus Mannheim. Ein Nachtessen wurde zum Kultur-Event.

Genügt feines Essen allein nicht mehr für Publikumserfolg in der Grenchner Gastroszene? Tatsache ist, dass immer mehr solche Events in den Grenchner Restaurants über die Bühne gehen: Genuss für Gaumen und Ohren gleichzeitig ist im Trend und findet sein Publikum.

Genuss für Gaumen und Ohren

Der Anlass im «Grenchner Hof» ist dem Besitzer der Grenchnerhof-Liegenschaft, dem Unternehmer Urs Erb, zu verdanken, der auch sonst in Grenchen regelmässig als Kulturmäzen auftritt. «Er und seine Frau Astrid sind für den musikalischen Teil des Anlasses zuständig, ich sorge fürs Gastronomische», erklärt «Grenchner Hof»-Wirt Robert Laski, der sich über den Erfolg des «Wintertraum» genannten Anlasses freut. So werde man sicher gerne weiterfahren mit Konzert-Diners, meint er.

Der Gastronom, der am kommenden 4. Mai sein 10-Jahr-Jubiläum in Grenchen feiert (ebenfalls mit einem Event), möchte die Anlässe mit Musik sogar noch ausbauen. «Nachdem dieses Konzert-Diner jeweils im Winter stattfindet, möchte ich im Sommer etwas Ähnliches anbieten», stellt Laski in Aussicht. Infage kämen für das Säli im «Grenchner Hof» allerdings nur Kleinformationen. «Warum nicht was mit einer Jazz-Band machen?», denkt Laski laut nach.

Nach dem Konzert zum Diner

Ein weiterer Pionier mit Gastro-Events ist in Grenchen das Restaurant «Chappeli». Mehrmals im Jahr wird ein Paket angeboten mit einem Konzert in der historischen Kapelle und einem anschliessenden Nachtessen im stilvoll modernisierten, aber eigentlich ebenso historischen Gasthaus, das schon 1689 erstmals Erwähnung fand. Christoph Köhli und Janine Hausmann sind auch so schon die feinste Adresse für Grenchner Gastronomie. Wieso also noch Kultur dazu?

Weil auch sie damit Erfolg haben. Laut Janine Hausmann erscheinen jeweils 80 bis 100 Personen am Konzert, das man auch ohne anschliessendes Nachtessen besuchen kann. «Wir haben danach aber jeweils rund 60 Nachtessen im Zusammenhang mit dem Konzert, was wir als schönen Erfolg werten.»

Zuletzt spielte im vergangenen Herbst das Brass Ensemble des Musikfestivals Gstaad für die Chappeli-Gäste. Auch hier werden die Musik-Events vom Besitzer der Chappeli-Liegenschaft gesponsert, vom Unternehmer Ernst Thomke.

Auf drei Saisons mit Chappeli-Konzerten können Hausmann und Köhli schon zurückblicken. Die Konzerte wurden jeweils in Zusammenarbeit mit der Ligerzer Agentur Linkultur organisiert. Über das Programm im nächsten Sommer kann Hausmann noch nichts sagen. Auch hier überlegt man sich, ob man den Restriktionen der Konzertlokalität für einzelne Konzerte entfliehen kann, beispielsweise in die Gartenwirtschaft des «Chappeli». Weil die Kapelle eine geweihte Kirche ist, ist hier musikalisch nicht alles möglich. Klar sei zudem, dass man auch im nächsten Sommer wieder Spanferkel im Garten braten werde.

Das Essen ist das Event

Unvollständig wäre die Aufzählung ohne Erwähnung von Molekularkoch Rolf Caviezel: Hier wird zum Essen weder gesungen noch gespielt: Das Essen selber wird zum Event gemacht. Genauer gesagt dessen Zubereitung mit teilweise exotischen Geräten, Koch- und Extraktionsmethoden. Ein Molekular-Diner läuft folgendermassen ab: «Wir essen die ersten sieben Gänge im Restaurant am Marktplatz und verschieben für den letzten Gang ins Labor an der Schützengasse», erklärt Caviezel. Dort bietet der mehrfache Buchautor Einblick in die Vorgehensweise der Molekularküche. Caviezels Firma «Freestyle cooking» bietet auch eine grosse Anzahl Kurse an, an denen man sich mit den Techniken der Molekularküche vertraut machen kann. Diese befassen sich aber auch mit anderen Themen wie Foodwaste oder vergessenen Gemüsesorten. Als Renner erwiesen haben sich laut Caviezel die «Bier-Diners». Hier kann man sich mit Brauern von verschiedenen (Klein-)Brauereien über ihre Produkte unterhalten und diese verkosten. Das nächste Bier-Event findet im März statt.

Zurück zur Musik: Eigentlich ist ja das «Parktheater» ein Hort der Grenchner Kultur. Die klassische Kombination von Theaterbesuch und Diner war hier schon immer möglich (sofern das Restaurant geöffnet war ...). Auch hier wurden in letzter Zeit Restaurant und Musik noch näher zusammengebracht: im Sommer mit Konzerten auf der Terrasse und neu auch im Winter. Diese Wintersaison ist fünfmal am Abend ein Pianist engagiert, der die Gäste beim Dinieren mit Musik unterhält. Es ist kein Geringerer als Jürg M. Rickli, in Grenchen bestens bekannt als musikalischer Leiter von «Canta Gaudio».

Sogar für Kulturmuffel

Fazit der Tour d’Horizon: Es soll keiner mehr behaupten, stilvoll zu dinieren, sei in Grenchen nicht möglich. Das gilt selbst für jene, die mit herkömmlicher Kultur gar nichts am Hut haben, aber dem Spektakel sonst nicht abgeneigt sind. Sie können im Airport-Restaurant den Flugzeugen beim Starten und Landen zuschauen oder im Velodrome an einem Rennabend ein Package mit Nachtessen mit Sicht aufs Renngeschehen buchen.