Grenchen hat mit der Chürbisnacht ein weitherum bekanntes und einmaliges Ereignis geschaffen, das nicht nur Grenchner Besucher begeistert, sondern auch viele Auswärtige, die sich an Stimmung und kulinarischen Köstlichkeiten erfreuen. Schon Wochen vor der Chürbisnacht, war er unübersehbar, unausweichbar, der Kürbis. Wo man ging und stand, in allen Läden, in den Gärten, an und vor den Haustüren, kunstvoll geschnitzt oder auch nicht, sie waren da und waren nicht mehr wegzudenken: Kürbisse. Grosse (nein, noch nicht 1000-Kilöner!), kleine, glatte, runde, stachlige, gelbe, grüne, orangene, rote, sogar blaue habe ich gesehen. Tonnenweise lagen sie da und dort und überall, ausgebreitet und aufeinandergeschichtet.

Kürbisse sind relativ lange haltbar, noch lange nach der Chürbisnacht liegen sie dann mehr oder weniger dekorativ da und wenn man sie, nicht so wie ich, nicht vergisst und irgendwann ein durchgefaultes, schleimiges Etwas entsorgt, so hat man noch lange seine helle Freude daran. Nicht zu vergessen sind natürlich die unzähligen mehr oder weniger schmackhaften Gerichte, die man aus einem Kürbis zubereiten kann. Allen voran natürlich die Kürbissuppe. Es soll davon mindestens so viele Rezepte geben wie es Vornamen gibt. Und jeder behauptet von sich, dass er die weltbeste Kürbissuppe zubereiten könne. Ich behaupte das natürlich auch und werde mein Rezept deshalb auf keinen Fall preisgeben!

Früher, als es in Grenchen noch keine Chürbisnacht gab, da mochte ich ihn nicht, den Kürbis. Ich fand ihn fade und verstand nicht, weshalb man aus ihm nicht nur Suppe, Würste, Cakes, Chutney, Risotto und noch vieles mehr zubereitet, nein, man macht auch noch Kunstwerke daraus. Und was für welche! Da ich des Kürbisschnitzens überhaupt nicht mächtig bin, bewundere ich jeden, der das kann. Erleichtert bin ich, dass man bis heute aus Kürbissen noch keine Socken und Pullover stricken kann, denn auch das Stricken zählt zu meinem Leidwesen nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Tätigkeiten. Rauchen kann man den Kürbis meines Wissens auch nicht, obwohl: «Ich gehe rasch auf den Balkon und rauche eine Kü-Zigarette» (im Gegensatz zur E-Zigarette), dieser Gedanke hätte mir schon noch gefallen können. In der Abendluft stehend, entspannt und in der rechten Hand lässig eine Kü-Zigi halten, warum nicht? Der Gesundheit abträglich wäre es nicht.

Mittlerweile leben der Kürbis und ich in friedlicher Koexistenz. Ich probiere, nebst der Suppe, auch andere Kürbis-Rezepte aus, die gar nicht so schlecht schmecken. Mit dem Kürbis verhält es sich ähnlich wie mit der Schoggi. Wenn man jeden Tag davon isst, muss man eine Pause machen und deshalb halte ich mich zu meinem eigenen Schutz eine Zeit lang ausschliesslich in kürbisfreien Zonen auf. Ich laufe übers Feld, erfreue mich im Wald an bunten Herbstblättern und will nirgendwo mehr auch nur einen einzigen Kürbis sehen. Auch dann nicht, wenn der Mond, ich fasse es nicht, tatsächlich Ähnlichkeiten mit einem Kürbis hat und auch dann nicht, wenn diese eine, orangene Wolke am Himmel ohne jeden Zweifel nichts anderes ist als ein überdimensionierter riesengrosser Kürbis. Dann sollen sich endlich die Ausserirdischen daran erfreuen und welche Stadt kann schon von sich behaupten, dass ihre Chürbisnacht anscheinend auch im Weltall gefeiert wird. Möge die Macht mit ihnen sein!

*Wir begrüssen Brigitte Stettler im Autorenteam der Kolumne «Stadtbummel» . Die ehemalige Leiterin der Stadtbibliothek Grenchen ist Trägerin des Chappeli Tüfels 2014.