Mit einer unterhaltsamen Podiumsdiskussion zu Kunst, Kunstmarkt und Wohnen gingen die Grenchner Wohntage 2016 zu Ende. Organisiert wurde der Anlass im sehr gut besetzten Kunsthaus von Visarte Solothurn, welche dieses Jahr ihr 90-jähriges Bestehen feiern kann. Visarte ist der Berufsverband der visuellen Künstler.

Unter der Leitung von Maurice Velati, Redaktionsleiter Aargau/Solothurn SRF, diskutierten Sybille Thomke, Architektin und Präsidentin der Kunstkommission Biel; Martin Rohde, Kunsthistoriker Biberist, und Ueli Studer, Landart-Künstler, Rüttenen. Ganz zur Freude des Publikums «mischte» sich zudem der Cartoonist Heinz Pfister alias «Pfuschi» mit träfen und treffenden Cartoons live ins Geschehen ein.

Die einleitende Bemerkung von Claude Barbey, Präsident von Visarte Solothurn, wonach er den aktuellen Anlass auch als Gegenveranstaltung zum gleichzeitig stattfindenden Kunst-Supermarkt in Solothurn verstehe, wurde von den Teilnehmenden sogleich aufgenommen.

Martin Rohde bemängelte insbesondere die Preispolitik des Super-Marktes: «Die Künstler müssen 40 Werke (Originale) abliefern, wobei die billigsten für 99 Franken angeboten werden. Dazu kassiert der Veranstalter 50 Prozent Provision. Die einheimischen Künstler können sich dies schlichtweg nicht leisten und mit Kunstvermittlung hat das auch rein gar nichts zu tun.»

In Grenchen ist der Kredit für Ankäufe von Kunstwerken bekanntlich vom Gemeinderat gestrichen worden. Kein Wunder tauchte auch die Frage nach dem Sinn von öffentlichen Sammlungen auf. Einerseits würden die Werke ja ausgestellt und damit dem interessierten Publikum zugänglich gemacht, meinte Sybille Thomke. «Andererseits ergibt sich so auch ein kulturhistorisches Archiv, an welchem sich zum Beispiel die Veränderung des Weltbildes im Laufe der Zeit ablesen lässt.»

Martin Rohde brachte den Aspekt der Kunstförderung ein und Ueli Studer bemerkte: «Für einen Künstler ist es eine wichtige Wertschätzung, wenn man in einem Museum oder in einer Sammlung vertreten ist, da die Wahl von einem Fachgremium vorgenommen wurde.»

Einig war man sich darin, dass man nie wissen könne, ob die Beurteilungskriterien auch vor der Nachwelt Bestand hätten. Schönstes Beispiel dafür sei der Impressionismus um 1900, der dazumal kaum Beachtung fand, während heute für Werke aus dieser Zeit unglaubliche Summen bezahlt werden. Als Gegenbeispiel könne die Salonmalerei gelten, die etwa um die gleiche Zeit «en vogue» war, für die sich aber heute kaum mehr jemand interessiert. Die Podiumsteilnehmer betonten aber auch, dass neue Wege zu beschreiten seien, um auch Menschen, die nicht a priori kunstaffin seien, für diese Ausdrucksform zu begeistern.

Was ist denn nun aber ein gutes Kunstwerk? Auch hier war man sich ziemlich einig: Es geht nicht um «schön» oder «wüst». Berühren müsse es einen. Pointiert meinte etwa Sybille Thomke: «Ein Bild, das einfach zu den Vorhängen passt, ist wahrscheinlich nicht wirklich gut.» Mit dem Podiumsgespräch setzte Visarte Solothurn auch einen Schlusspunkt unter die virtuelle Ausstellung «virtuos-virtuell», welche laut Claude Barbey auf einige Publizität gestossen sei. Zudem wurde der Katalog zum Jubiläum vorgestellt.