Dass da etwas nicht Alltägliches im Kleintheater aufgeführt wurde, zeigt schon die Tatsache, dass sich im gut besetzten Saal neben Junggebliebenen auch Junge und Jüngste das Krimispektakel nicht entgehen lassen wollten.

Grandios agieren in diesem Comic-Theater die beiden Schauspieler Samuel Kübler und Stefan Wiemers. Rasant geschnitten die Sequenzen, knackige Dialoge, in prägnanten Ankündigungssätzen werden Örtlichkeiten und Personen beschrieben. Die beiden Akteure agieren – jeweils mehrere Rollen verkörpernd – mit beeindruckendem Körpereinsatz, oft pantomimenartig, betätigen sich dabei wie natürlich auch als Kulissenschieber.

Raffiniert das flexible Bühnenbild. Nur vier verschieden grosse Kuben stehen auf der Planke. Diese werden aber in den Händen der Protagonisten zur Grossstadt mit ihren diversen (Tat-)Orten. Dazu kommt ein Soundtrack, der es in sich hat. Wohlbekannte Filmmusik wechselt sich ab mit bedeutungsschwerer Geräuschkulisse. Faszinierend das Timing, mit welchem all diese Bestandteile gehandelt werden. Ein Theaterstück, das überdies die Fantasie des Betrachters anregt, in seinem Kopf Bilder entstehen lässt.

Geschichte im Gangstermilieu

Stefan Wiemers und Samuel Kübler haben auch den Plot entwickelt. Eine Geschichte im Gangstermilieu um einen dreisten Diamantenraub, sowohl Film Noir wie Roadmovie, Gaunerepos wie Tragikomödie. Gespickt mit erstaunlichen Wendungen wird die Spannung bis zum Schluss aufrechterhalten. Da werden diverse Handlungsstränge entworfen und gekonnt wieder zusammengeführt, charismatische Charaktere gezeichnet: Ein offenbar erfolgloser, herzkranker Hauptkommissar, ein geniales Gangsterhirn, ein hoffnungsvoller Nachwuchs-Dieb, beraubte Juweliere, die zuletzt doch als Sieger dastehen.

Die Grenzen zwischen Gut und Böse scheinen zu verwischen. Betont lustvoll bedienen sich die Darsteller verschiedener Clichés. Karikaturenhafte Übertreibungen und slapstickartige Einlagen steigern das Vergnügen zusätzlich.

So werden die Zuschauer 90 Minuten köstlich unterhalten, Zeugen von ausgeklügelten, hochdramatischen Einbruchsszenarien, verunglückten Zugriffen der Spezialeinheit, fabelhaften Rettungsaktionen, rasanten Verfolgungsjagden und einer latent bedeutungslos zur Schau gestellten Pressekonferenz, die ganz zum Gaudi des Publikums ob der überforderten Hauptakteure auch noch ziellos ausufert.

Der «grosse Coup» des Cargo-Theater: ein mit minimalem sachlichem und personellem Aufwand realisiertes Schauspiel. Kopfkino und grosses Theater zugleich. Spannend wie ein «Tatort», aber um einiges amüsanter. Garniert mit zwei Schauspielern, die ihr Handwerk verstehen und mit jeder Faser ihres Körpers pure Spielfreude vermitteln.