An zwei Abenden führte das Stadtorchester Grenchen ihr Kirchenkonzert auf, am Samstag in der Stadtkirche in Solothurn, am Sonntag in der Zwinglikirche. Dem Stadtorchester unter der Leitung von Ruwen Kronenberg und dem renommierten Solothurner Organisten Urs Aeberhard ist Grossartiges gelungen, wie sich auch am kräftigen Applaus des Publikums in der Zwinglikirche zeigte.

Der Fokus des Konzertes lag auf der Orgel als Soloinstrument und auf Werken aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Die Ausnahme bildete Henry Purcells Rondeau aus «Abdelazer» (17. Jahrhundert), das einen kräftigen Einstieg bildete. Ein Rondeau ist als musikalische Form mit einem immer wiederkehrenden Refrain verbunden, der in der Clavecin-, Lauten-, Opern- und in der Ballettmusik erscheint. Paukenschläge mischten sich hierbei in der Zwinglikirche unter und über das Orchester und liessen majestätische Stimmung aufkommen.

Vielseitig und spannend war die St. Paul’s Suite von Gustave Holst (1874-1934) in vier Sätzen. Im Jig (Vivace) kam sogleich Fahrt auf. Die lebhaften, schnellen Töne nahmen von Anfang an mit auf eine Reise, die Abenteuer und Geselligkeit versprach. Einmal wurden die Zuhörer Zeugen eines wirbelnden, von den Streichern erzeugten Klangstrudels. Ein anderes Mal wurde durch tiefe Klänge Spannung erzeugt. Im Intermezzo erzählte die Stimme der Solovioline eine tiefbewegende Geschichte. Dieser etwas exotisch anmutende Teil könnte an den Aufenthalt Holts in Indien erinnern.

Virtuose Orgel

Mit 11 Vesper Voluntaries (op14) komponierte Edward Elgar (1857-1934) ein tiefbewegendes Stück für Orgel und Orchester, das als Kostbarkeit des freien Orgelspiels im Gottesdienst und Konzert gilt. Dabei spielten das Stadtorchester und die Orgel die ersten Miniaturen, in denen Moll und Dur aufeinander folgen, im Wechselspiel. Als sie zusammenkamen, begleitete das Orchester feinfühlig die hervorstechende Orgel. Aeberhard spielte die Passagen virtuos. Die Pfeifen der Orgel stimmten liebevolle, sanfte, fesselnde Töne an.

Das Orgelkonzert des Liechtensteiners Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901) bildete einen fulminanten Abschluss. Die Orgel erhob sich dabei kräftig und machtvoll, sie brachte zum Ausdruck und beschwingte. Glanzvoll umgesetzt waren auch die Interaktionen zwischen Orgel, Orchester und einzelnen Instrumenten. Zu erwähnen ist hier auch die extraordinäre Leistung des Paukisten Dennis Vugts, der beiden Waldhornisten Hanspeter Lieberherr und Hans Burkhalter sowie der beiden Trompetenspieler Martin Lüthi und Roman Joller, welche meisterhaft mit der Orgel in Kontakt traten.

Im Abschlusssatz, con moto, wuchsen Orchester und Orgel schliesslich zu einem grossen Ganzen und füllten in einem mächtigen, festlichen Finale die ganze Kirche aus.