Einmal mehr ist Feuer im Dach des Hotel de Ville: Auf der homepage «grenchen.net» erhebt deren Betreiber Paul Georg Meister schwere Vorwürfe an die Adresse des Stadtpräsidenten. So sollte die langjährige Verantwortliche im Jugendzentrum Lindenhaus, Regula Lüthi, den Anerkennungspreis 2012 der Stadt Grenchen erhalten. Grenchens Stadtpräsident Boris Banga sei dafür verantwortlich, dass es nicht dazu komme. Er habe den Antrag der Kulturkommission in der Gemeinderatskommission wieder an die KuKo zurückgewiesen.

Aufwärmen einer alten Geschichte

Laut «grenchen.net» habe die Kulturkommission ihren Vorschlag auf zwei A4-Seiten begründet. Normalerweise winke die Gemeinderatskommission GRK die Vorschläge der Kulturkommission durch und segne sie ab, nicht so bei Regula Lüthi: Als eine der Gründerinnen des Trägervereins der Kinderbilderbuchtage - das fehlte angeblich auch auf der Liste der Verdienste - habe sie sich zusammen mit dem Rest des Vorstands von ihrer damaligen Präsidentin, Barbara Banga, distanziert. Diese publizierte unter falschem Namen vor zwei Jahren beleidigende und diffamierende Einträge auf «grenchen.net» (siehe Box am Textende). Für die Homepage liegt der Verdacht nahe, dass der Stadtpräsident diese Kritik an seiner Gattin nicht ungestraft habe sein lassen.

Laut dem Artikel habe Banga in der GRK eine «gehässige Rede» gegen die Leiterin des Lindenhauses gehalten. Der Antrag sei an die Kulturkommission zurückgewiesen worden. Und diese habe bei ihrer Neubeurteilung beschlossen, keinen Anerkennungspreis zu vergeben. Wer seine Frau kritisiere, sei automatisch «ein Todfeind von Boris Banga», schreibt Meister.

Was ist dran an der Geschichte?

Auf Anfrage wollte Angela Kummer, die Präsidentin der Kulturkommission, keine Auskunft geben und verwies darauf, dass die Sitzungen und deren Inhalt grundsätzlich vertraulich seien.
Urs Wirth, GRK-Mitglied, betont auf Anfrage die Vertraulichkeit der Sitzungen der GRK. Aber er könne durchaus mitteilen, was nicht Gegenstand der Verhandlungen gewesen sei. Die Person von Regula Lüthi, zum Beispiel. Auch von einer Hasstirade könne keine Rede sein, die habe es nicht gegeben.

Und wenn der Autor von grenchen.net behaupte, die Leiterin des Standortmarketings, Kultur und Sport, Barbara Pestalozzi Kohler sei vom Stadtpräsidenten für deren Vorschlag scharf kritisiert worden, entbehre das jeglicher Grundlage. Die Geschichte sei an den Haaren herbeigezogen und es sei «total daneben, dass jemand so etwas veröffentlichen darf».

Die GRK betont Vertraulichkeit

Die GRK, vertreten durch Vize-Stadtpräsident Hubert Bläsi, liess in einem Schreiben verlauten, dass sie mit grossem Befremden von den als Tatsachen verkauften Mutmassungen Kenntnis nehme. Die Verhandlungen in den Kommissionen seien vertraulich, das habe seinen guten Grund. So werde der offene Gedankenaustausch gefördert, in der Gemeinderatskommission wie in der Kulturkommission. «Es versteht sich von selbst, dass beide Kommissionen sich auch durch abwertende Berichterstattungen im Enthüllungsstil nicht verleiten lassen, das Kommissionsgeheimnis zu verletzen.»

Zahlreiche zentrale Hauptpunkte träfen indes nicht zu: Die GRK habe keine Beschlüsse zum Anerkennungspreis gefällt und sich in keiner Art gegen Regula Lüthi ausgesprochen oder ihre wertvollen Leistungen infrage gestellt. «In der Sache bestand Unklarheit über die Kriterien des Anerkennungspreises, z.B. wie soziale Leistungen beim Kulturpreis einbezogen werden können.» Die GRK bedauert in ihrem Schreiben, dass ein Medium seine Animositäten gegen den Stadtpräsidenten auf dem Buckel der Kommissionsmitglieder und Stadtangestellten auslebe und zugleich noch der Stadt Grenchen schade.

Harsche Worte gegen Meister

Stadtpräsident Boris Banga äusserte sich nicht explizit zum Vorwurf ihm gegenüber. «Kein Kommentar zu den Unwahrheiten, die dieser mehrfach konkursite Schmierfink verbreitet», meinte er, gefolgt von weiteren Bezeichnungen an die Adresse Paul-Georg Meister, die hier nicht wiedergegeben werden können.

Lüthi will sich nicht äussern

Und was meint die Betroffene dazu? Regula Lüthi will sich zu keinem der Punkte, Aussagen und Beschuldigungen äussern, schon gar nicht gegenüber einem Journalisten, betont sie.

(om/san/rsn)