Grenchen
Konkurs von Rüegsegger ängstigt nicht nur die Angestellten

Es ist eine unmögliche Situation für die Angestellten der Rüegsegger-Filiale Grenchen. Ob sie in fünf Tagen noch eine Stelle haben, wissen die verbliebenen vier Mitarbeiterinnen nicht – und das beunruhigt sehr.

Patrick Furrer
Merken
Drucken
Teilen
Selime Fazliji (l.) und Doris Rabenbauer hoffen bis zuletzt, dass es weitergeht in Grenchen. fup

Selime Fazliji (l.) und Doris Rabenbauer hoffen bis zuletzt, dass es weitergeht in Grenchen. fup

«Es ist eine mehr als blöde Situation, wenn man nicht weiss, wie es weitergeht. All dies kam für uns sehr überraschend», sagt Selime Fazliji, die stellvertretende Leiterin der Filiale mit Kaffeestube an der Bahnhofstrasse. Weil das Bäckerei-Konditorei-Imperium Rüegsegger in Konkurs gegangen ist, sind sämtliche Standorte – neben Grenchen Solothurn, Biel, Zuchwil und Mühledorf – nur noch bis Ende April geöffnet.

Ob jemand die Geschäfte übernimmt, steht noch nicht fest, soll sich aber in diesen Tagen entscheiden. Namen stehen allerdings noch keine fest (vgl. Bericht auf Seite 21). Die Chancen für Grenchen sind zwar intakt, erklären der konkursite Werner Rüegsegger sowie Sarah Amrein vom kantonalen Konkursamt. Sicher ist aber nichts.

Die Hoffnung nicht aufgegeben

Derzeit arbeiten noch drei Festangestellte und eine Aushilfe im «Rüegsegger» in Grenchen. Ein anderes, neues Jobangebot hat noch keine der vier Frauen, erklärt Selime Fazliji, auch wenn die eine oder andere sich umgeschaut hat. Aufgegeben haben die Backwarenfachfrauen noch nicht, sagt sie. «Wir hoffen nach wie vor, dass es weitergeht.»

Das hoffen nicht nur die Angestellten, sondern auch der Chef. Werner Rüegsegger liegt die Grenchner Filiale sehr am Herzen, er selbst hat in den 60er-Jahren in der Uhrenstadt seine Lehre als Bäcker-Konditor gemacht. Er wisse von drei potenziellen Interessen, sagt Rüegsegger, Namen könne er aber keine nennen. Auch sei er gar nicht mehr verfügungsberechtigt; alle Entscheide trifft das Konkursamt.

Sein eigener Bezug zu Grenchen sei immer sehr gut gewesen, sagt Werner Rüegsegger. «Es tut schon weh, dass die Filiale geschlossen werden könnte», sagt er bedrückt. Er sei nur froh, dass es wenigstens Interessenten gebe, die seiner Meinung nach auch potent und realistisch genug für eine Übernahme wären.

«Dieses Café gehört zu Grenchen»

Nicht zuletzt sind es die vielen zufriedenen Kundinnen und Kunden, welche eine Schliessung bedauern würden. Zum Beispiel Ursi und Ruedi Stettler, die seit 30 Jahren hier einkehren, schon lange bevor Rüegsegger die Filiale 1994 zur Miete übernahm. Sie würden sich wünschen, dass der Laden übernommen wird, sagt Ruedi Stettler. «Es wäre doch schade, ginge diese schöne Kaffeestube zu. Dieses Café gehört einfach zur Stadt Grenchen.» Ursi und Ruedi Stettler hoffen, dass das Geschäft übernommen wird, am liebsten von einem Unternehmer aus der Stadt oder der Region.

Auch Walter Cattin hofft, dass es weitergeht. Der Pensionär kommt fast täglich an die Bahnhofstrasse zu Kaffee und Zeitung und manchmal einem feinen belegten Brötli. «Es wäre sehr schade, würde die Bäckerei schliessen», sagt er. Da Cattin in unmittelbarer Nähe wohnt, liegt ihm der Standort sehr am Herzen.

Nicht anders geht es da Sabine Salihay-Maurer, die ein- bis zweimal jede Woche im «Rüegsegger» ist. Sie wohnt in der Nähe und wartet im Café manchmal auch auf ihren Sohn, wenn er von der Schule kommt. «Das Personal hier ist immer sehr nett», sagt sie, «Besonders auch zu Kindern. Meine Kinder haben auch schon ein Schöggeli bekommen, und der Sirup ist gratis, was ja auch keine Selbstverständlichkeit mehr ist.» Deshalb hofft die Mutter, dass bei einer Übernahme nicht zu viel ändern würde. Das Angebot sei sehr gut, das möchte sie nicht missen.

Nun hoffen alle, dass die Bäckerei-Kaffeestube nicht für immer verschwindet. In Kürze wird sich zeigen, ob diese Hoffnung berechtigt war. Bis spätestens Montag sollen die Angestellten über die Zukunft der Filiale informiert werden.