Kinderball
Konfetti-Verbot wegen Köppel und Fluri: Wo bleibt die Fasnacht?

Zwei Stunden nach dem Grenchner Kinderball wird ein SVP-Anlass im Parktheater stattfinden, und alle Spuren sollten bis dann beseitigt sein. Ein mögliches Konfetti-Verbot erhitzt die Gemüter von Fasnächtlern, Restaurateuren und Politikern.

Oliver Menge
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Wo sich Roger Köppel und Kurt Fluri gegenübertreten werden, werden normalerweise viel Konfettis herumgeworfen.

Wo sich Roger Köppel und Kurt Fluri gegenübertreten werden, werden normalerweise viel Konfettis herumgeworfen.

key/az

Eigentlich böte diese Story Stoff für einen knallharten, gut recherchierten und bitterbösen Artikel. Aber während der fünften Jahreszeit, der Fasnacht, muss man wohl alles ein wenig lockerer nehmen. Aber – und das schleckt keine Geiss weg – der Kinderball am Dienstag sollte mit einem Konfettiverbot belegt werden. So wollten es die Pächter des Restaurants Parktheater. Und die meinten das offenbar tatsächlich ernst. Kein Witz!

«Wie bitte? Ein Fasnachtsball, speziell für Kinder, ohne Konfetti? Sind die noch ganz dicht? Wer kommt auf so eine Schnapsidee? Aber da kommt doch gar keine Partystimmung auf? Was soll denn das? Und was, wenn wir eigene Konfettisäcke mitbringen?», das nur eine kleine Auswahl der Reaktionen auf der Strasse, wenn Leute davon erfahren.

Grund ist SVP-Anlass

Schon für sich alleine betrachtet, ist das Konfettiverbot ziemlich absurd. Wenn man aber noch etwas genauer hinschaut, wird es noch absurder: Dieser Zeitung kamen schon vor geraumer Zeit Gerüchte zu Ohren, die SVP des Kantons Solothurn wolle ein Streitgespräch zum Thema Personenfreizügigkeit zwischen Blocher-Adlatus Roger Köppel und Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri veranstalten, der als Nationalrat die Variante «light» bei der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative massgeblich geprägt hatte.

Obschon noch letzte Woche weder auf den diversen Websites der SVP noch auf Köppels Website zu finden, wurde dieser Anlass für den 28. Februar terminiert – just dem Fasnachtsdienstag. Als Austragungsort zog man offenbar zuerst Olten in Betracht, wie ein Insider schon vor Wochen und gestern auch «die Zeitung mit den grossen Buchstaben» berichteten. Dann stellte man fest, dass die da Fasnacht feiern und keine Säle frei sind.

Auch in der Kantonshauptstadt Solothurn sind die Veranstaltungsorte fest in Narrenhand. Also kam den SVP-Genossen das Parktheater Grenchen in den Sinn und sie erkundigten sich, ob es verfügbar sei. Dessen Tätschmeister Patrick Tobler sah sich mit einer Terminkollision konfrontiert. Wobei: Der traditionelle Kinderball findet zwar immer am Dienstagnachmittag statt, aber bis um 17 Uhr sind alle Kinder und Mütter wieder draussen. Also spräche zeitlich nichts dagegen, am Abend das Parktheater nochmals zu vermieten, wird er sich gedacht haben. Kindernarr Patrick Meier meinte, das sei kein Problem, also sagte Tobler der SVP zu.

Alles nahm seinen Lauf. Die SVP verpasste es, die Offiziellen der Stadt, Behörden oder die Presse einzuladen. Nicht einmal Richi Aschberger, der Präsident der SVP Grenchen, wurde informiert, sondern erfuhr erst durch ein Bettelmail der Mutterpartei vom Anlass. Ein Inserat wies auf die Veranstaltung hin, that’s it.

Kosten für Express-Reinigung

Doch dann kams ganz dick: Den Organisatoren des Kinderballs wurde mitgeteilt, dass sie für die Reinigung 2000 Franken zu bezahlen haben. Respektive: 1000 Franken für die Löhne des zusätzlichen Personals, das man aufbieten müsse, um das Parktheater innerhalb von zwei Stunden in einen einigermassen tolerierbaren Zustand zu bringen, sowie 10 Leute, die die Fasnächtler stellen müssten, um mitzuhelfen.

Die VFZ, die Vereinigten Fasnachtszünfte, sind finanziell nicht besonders gut gebettet. Insbesondere die letzte, verregnete Fasnacht riss ein Loch in die Kasse. 10 Freiwillige bringt man nicht zusammen kurz vor dem Ballacoa, dem Zunftball am selben Abend, und der Tausender liege sowieso nicht drin. «Dann gibts keine Konfetti am Kinderball», so die Konsequenz seitens der Pächter des Parktheaters. Man werde mit allen Mitteln verhindern, dass die kleinen, farbigen Papierschnitzeli ins Park gebracht würden. Wenn nötig mit Security und Plakaten.

Der Kindernarr rief in seiner Verzweiflung Stadtpräsident François Scheidegger an. «Unglaublich: Jetzt muss sich der Stapi sogar um Konfetti kümmern», meinte dieser und delegierte das «Geschäft» umgehend ans Standortmarketing, Kultur und Sport. Jetzt versuchte man also, die 2000 Franken irgendwo lockerzumachen – ein schwieriges Unterfangen bei einem Gesamtbudget der Stadt von knapp 100 Millionen Franken. Die Jugendkommission wollte erst mal nichts davon wissen. Und auch die Stadtschreiberin, auf deren Pult die Angelegenheit landete und die im ersten Moment keinen Zweifel hatte, die 2000 Stutz ohne Probleme zu finden, wurde hellhörig, als sie erfuhr, weshalb die Reinigung in so kurzer Zeit zu geschehen habe und deshalb so viel kostet. Sie müsse der Sache nochmals nachgehen, meinte sie beim zufälligen Treffen vor der Redaktion des az Grenchner Tagblatts.

Lösung in letzter Minute

Nun hat die Jugendkommission nach letzten Informationen den Schwarzen Peter gefasst und muss maximal 2000 Franken an die Reinigung beisteuern. Folglich kann auch das Konfettiverbot nicht aufrechterhalten werden. Es wäre ohnehin amüsant gewesen zuzuschauen, wie ein paar arme Kerle versuchen, die Konfetti vom Parktheater fernzuhalten. Sie wären mit Sicherheit gescheitert. Rund 800 Personen, die Hälfte davon Kinder, werden am Dienstagnachmittag ins Parktheater strömen, weil sie da das tun können, was sie sonst nirgends machen dürfen: Sich wilde Konfettischlachten liefern, die Konfetti vom Boden auflesen und sich austoben. Derweil sich die Mütter, Grossmütter, Gotten und Tanten getrost hinsetzen können, ihre Käfeli, Cüpli, Halbeli und Stückli geniessen können und wissen, dass ihre Kleinen beschäftigt sind.

Es wäre interessant auszurechnen, wieviel Umsatz der Rodania Gastro AG entgehen würde, nur schon weil die Mütter weniger Ruhe haben ohne Konfetti. Ganz zu schweigen vom fehlenden Umsatz in den folgenden Jahren, wenn der Kinderball konsequenterweise nicht mehr im Parktheater stattgefunden hätte. Weil Konfetti gehören nun mal zur Fasnacht wie Schnee zum Skifahren.

Und überhaupt: Köppel macht am Abend garantiert so viel Wind, dass jedes Konfetti Reissaus nimmt. Wetten?