Stadtbummel Grenchen
Konfetti – die Überbleibsel der Fasnacht

Oliver Menge
Oliver Menge
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Konfetti flogen an der Fasnacht in Hülle und Fülle, wie hier am Kinderball.

Konfetti flogen an der Fasnacht in Hülle und Fülle, wie hier am Kinderball.

Hanspeter Bärtschi

Haben Sie die Konfetti gezählt, die Ihnen in den letzten Tagen aus den Kleidern gefallen sind, plötzlich irgendwo in der Wohnung rumliegen oder an Orten auftauchen, an denen man sie wirklich zuletzt vermutet hätte? Aus Kapuzen von Regenjacken und Wintermänteln purzeln? Sich zwischen die Papiertaschentücher reingeschlichen haben, die man an einem der Fasnachtsanlässe im Hosensack mit sich trug? Beim Stadtbummler waren es doch einige, die sich trotz des eifrigen Ausschüttelns der Kleidung im Treppenhaus bis in die Wohnung «geschlichen» haben. Die nicht gezählt, die er aus der Fotoausrüstung kratzen durfte ... Den Fasnächtlern auf den Umzugswagen sei an dieser Stelle herzlich gedankt, denn bis auf ganz wenige Ausnahmen haben die Narren begriffen, dass sich Fotoausrüstungen und Konfetti bei Regen schlecht vertragen. Ist es trocken, kann man die Papierschnipsel einfach wegpusten, abschütteln und weiterarbeiten. Aber sind Kamera und Objektiv nass, gibt es eine Riesen-Schmiererei.

Doch zurück zu den Konfetti, die ihren Namen laut Wikipedia aus dem italienischen «confetti» entlehnt haben, was so viel wie «Zurechtgemachtes, Zubereitetes» bedeutet. Im 18 Jahrhundert bewarfen sich maskierte Karnevalsteilnehmer statt mit Papierschnipseln mit überzuckerten Nüssen, Mandeln und Zuckerzeugs. Stellen Sie sich vor, das Auto an der Bettlachstrasse, das vom Besitzer während der ganzen Fasnacht dort auf der Umzugsroute stehen gelassen wurde, wäre statt unter Konfetti und Stroh unter einem Berg von Süssigkeiten begraben worden: Mittlerweile wäre es bestimmt schon längst wieder blitzsauber.

Stattdessen wird der Besitzer in den nächsten Wochen und Monaten bestimmt immer wieder Konfetti finden, die sich ins Lüftungssystem geschlichen haben und aus irgendeiner Öffnung ins Innere seines Wagens geblasen werden.

Die einzige Fabrik für Konfetti in der Schweiz, die Firma Kurt Hauser, steht übrigens in der Glarner Gemeinde Näfels und produziert rund 200 Tonnen pro Jahr. Früher waren Konfetti ein Abfallprodukt in der Papierindustrie bei der Herstellung von Endlospapier, zum Beispiel für Telexgeräte oder Nadeldrucker. Inzwischen stammt ein Grossteil der farbigen Papierschnipsel aus China, wo sie von fleissigen Kindern von Hand ausgeschnitten und eingefärbt werden ... Uups, das sind natürlich «Fake News», völlig aus der Luft gegriffen, und es ist kein Fünkchen Wahrheit mit dabei!

Keine Fake News hingegen ist die Tatsache, dass mit dem Ende der Sportferien und der fünften Jahreszeit auch die Seriosität im Hotel de Ville wieder Einzug gehalten hat. Es stehen einige grosse Geschäfte an: Die Ortsplanungsrevision wird viel zu reden geben, die Sanierung von Heizung und Küche im Parktheater wird an die Hand genommen. Aber nicht nur im Stadthaus wird jetzt wieder ernsthaft gearbeitet. Der Courant normal herrscht ab nächster Woche wieder für die meisten Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt und für die Grenchner Schulen.

Gut, dass dann ab und zu so ein kleines, farbiges Konfetti ganz unverhofft auftaucht und einen an die lustigen, spassigen Zeiten der Fasnacht erinnert.