Egon (Hermann Herren) ist ein ehemaliger Berufsoffizier. Er liebt es, der Chef im Hause zu sein und läuft in karierten Hosen herum. Er wohnt allein in seiner grossen Villa mit acht Zimmern, bis er sich dazu überreden lässt, eine WG zu gründen. Zu seinen Mitbewohnern zählen Frida (Annemarie Schärer) und Ida (Sylvaine Kupferschmid), die Sauberkeit über alles stellen. Auch Hortensie (Heidi Heller), die gegen alles eine Allergie entwickelt hat, und die ganz in Rosa gekleidete Rösi (Susi Reinhart), die nur zu gerne Festessen vorbereitet und die Idee zur Wohngemeinschaft hatte, ziehen ein. Da ist auch Kuni Gunde, genannt Gunda (Rosmarie Urben) mit ihrer Vorliebe zum Krafttraining und der intellektuelle Fritz (Tobi Salzmann), der seine Liebesromane nicht aus der Hand legen will. Konflikte und komödiantische Momente sind bei einer so bunt zusammengeworfenen Gruppe vorprogrammiert.

Idee, Gegensätze zu spielen

Im neuen Amateurtheater von Iris Minder, «eine schrullige Truppe», geht es um Gegensätze und Gegenteile. Dabei schlüpfen die Schauspielerinnen und Schauspieler des Theaters «Jawohl» in überspitzte Rollen, mit denen sie sich alles andere als identifizieren. Genau darauf wollte es Minder auch hinauslaufen lassen. «Im Vorfeld erhielt die Gruppe die Aufgabe, alles aufzuschreiben, was ihnen nicht entspricht, daraus habe ich dann diese Komödie geschaffen und jedem Spielenden seine Schattenseite auf den Leib geschrieben», erzählt die Regisseurin und Autorin. Die Gegensätze gehen bis ins Detail. Sie betreffen nicht nur Kleidung und Lebensstil, sondern beginnen bereits bei den Vornamen der Figuren.

Unverhofft eingesprungen

Sylvaine Kupferschmid, die die Rolle der Ida spielt, ist für Rosmarie Schwab eingesprungen, die unerwartet erkrankte und deswegen nicht mitspielen kann. Regieassistentin Kupferschmid ist noch nie selber auf der Bühne gestanden, hat es aber innert zehn Tagen bravourös geschafft, ihren Part von Grund auf zu erlernen, wie man als Zuschauer bei der Vorführung sehen kann.

Das Team harmoniert

Alle Schauspielerinnen und Schauspieler der Seniorenbühne können mit ihrem Schauspiel überzeugen und harmonierten als ein Team. Obschon sie Gegensätze spielen, finden sie die Personifikationen nicht per se unsympathisch. So können sie teilweise auch Bewunderung für gewisse Charakterzüge empfinden, so lange sie nicht ins Extreme gehen. «Auch wenn es mir nicht entspricht, so fasziniert mich doch, dass es Menschen gibt, die sich mit Krafttraining fit halten», erklärt Urben, die Gunda verkörpert. Genauso ergeht es auch Reinhart mit ihrer Figur, die so grosse Festmähler zubereitet. «Das ist nicht meine Welt, aber ich empfinde Anerkennung für solche Menschen», beschreibt Reinhart.

Das Theaterstück thematisiert aber nicht nur die sogenannten Schattenseiten der Spielenden, sondern reflektiert dadurch automatisch auch die Frage, wie mit Gegensätzen umzugehen ist, und zeigt auch deutlich, dass jeder Mensch unterschiedlich ist. Die Zuschauer erwartet im Theater Gänggi im wahrsten Sinne des Titels eine schrullige Truppe, die einen immer wieder zum Nachdenken anregt und zum Lachen bringt.

Weitere Vorstellungen: Die Sonntagsvorstellungen sind bereits ausverkauft. Es hat noch Tickets am: 22., 23. und 24. März um 19.30 Uhr.