Die Bettlacher Fasnacht steht auf drei Pfeilern, die sich unter dem Dach der IG Fasnacht für organisatorische Absprachen vereinigen: Krachwanzen, Zünftige Bettlacher und Böögianer. Während die Wanzen mit ihrer Höllefuer als eine der grössten Guggen der Region weitherum geschätzt sind, sind die anderen beiden Vereinigungen erst ein paar Jahre alt und bisher wenig bekannt. Zeit, sie vorzustellen. Heute: die Böögianer.

Zum dritten Mal darf sich das Dorf auf den Böögg aus der Werkstatt der Böögianer Bettlach freuen. Das heisst: Ein Thema, das die Bettlacher Bevölkerung letztes Jahr beschäftigt hat, wird witzig und kreativ umgesetzt. Dass die Lokalpolitik dabei gerupft wird, ist Ehrensache.

Abgeschmeckt wird die Mischung mit sehenswerter Pyrotechnik vom Profi, die kontrolliert gezündet wird. Dabei geniesst die Sicherheit oberste Priorität. Das fängt beim Sicherheitskonzept an, das die Böögianer vor der Fasnacht den Gemeindebehörden einreichen, geht über die Abnahme des Bööggs durch den Feuerwehrkommandanten und gipfelt in der Aufsicht der Feuerwehr beim Funkenzauber.

Die Böögianer im Interview

Die Böögianer im Interview mit TeleM1 im Februar 2017

Das „Bettle-Böögg“ hat eine Zukunft: Eine Gruppe junger Männer retten das traditionelle Bettlacher Fasnachts-Brauchtum.

Überraschungen

Ob es nach der knallfreien Vorführung letztes Jahr – aus Rücksicht auf ein krankes Pferd in der direkten Nachbarschaft – heuer auf der Marienheim-Wiese (zwischen katholischer Kirche und Büelenschulhaus) den grossen «Chlapf» gibt? Das wollen die Verantwortlichen nicht verraten. Ebenso wenig, wie das Sujet des Bööggs. «Kommt vorbei und lasst euch überraschen», lädt Jamal Hamid ein. Er leitet zusammen mit Manuel Schnegg den Verein, der das einstige Babeli vom Lehrer Markus Flury und dessen Abschlussklassen geerbt hat.

Bei der Gründung vor drei Jahren schlossen sie das Bündnis zu dritt mit Silvan Campagna. Inzwischen umfasst der Stamm der Böögianer zehn Personen, sieben Männer und drei Frauen. Alle sind sie jung und voller Ideen, zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreissig. Nur schon für die Chesslete stellten sie «einige Features, die das Dorf auf jeden Fall geweckt haben» bereit.

Rollen getauscht

«Es fägt, wir haben es toll zusammen», strahlt Jamal Hamid. Bei der Gründung war er Präsident und Manuel Schnegg Vize, inzwischen haben sie die Rollen getauscht. «Letztes Jahr musste ich länger ins Militär, deshalb hat Manuel das Präsidium übernommen», erklärt Jamal Hamid.

Zum Bööggbau sind sie via Feuerwehr gekommen. «Wir haben in den Jahren zuvor jeweils beim Babeli Brandwache gemacht. Dabei haben wir bedauert, dass die schöne Konstruktion in nur drei Minuten heruntergebrannt ist. So haben wir uns vorgenommen, das zu ändern – und bisher ist uns das gelungen», erinnert sich Manuel Schnegg und lacht.

Mit Probezeit

Interessentinnen und Interessenten sind im Stamm der Böögianer – Indianer-Parallelen sind im Vereinsleben durchaus gewollt – willkommen. «Sie müssen zu uns passen, und so hat sich für Anwärter ein Jahr Probezeit bewährt. Denn das gegenseitige Vertrauen geniesst bei uns höchste Priorität. Das ist nur schon für den Bööggbau Voraussetzung», sagt Manuel Schnegg.

Hingegen müssen Interessenten nicht Handwerker oder Künstler sein. Denn die Böögianer hantieren längst nicht nur mit Sperrholz, Pappe, Kabeln und Farben. Sie sind auch für den Silvester-Apéro und das Zähnteschürfest verantwortlich, das jährlich Ende August stattfindet. Ein Sommerfest, das ein Mehrfaches des Publikums anzieht, welches jeweils der Bööggverbrennung beiwohnt.

Aus diesem Grund hat sich ein Teil des Stammes auf die Festorganisation spezialisiert, während die übrigen in der Werkstatt am Böögg sägen, hämmern und schleifen – und jedes Mal rund 250 Stunden investieren.