Vor einer Woche wurde Boris Banga (SP) in der offiziellen Pressemitteilung der Gemeinderatskommission (GRK) von Mobbing-Vorwürfen entlastet.

Eine ausserkantonale Expertengruppe untersuchte Bangas Gebahren in der Verwaltung, nachdem immer wieder Mobbing-Vorwürfe laut wurden, Banga die Flucht nach vorne ergriff und eine Untersuchung gegen sich selbst einleitete.

In der offiziellen Pressemitteilung war zwar die Rede von «beträchtlichen Führungsproblemen» und einem «wenig wertschätzenden, zeitweise gehässigen Umgangston» Bangas. Die Hauptsache, Verdacht auf Mobbing, fand keine Erwähnung mehr.

Mobbing? «Das hätte mich schon gebissen»

Auf die Details angesprochen, wies der Stadtpräsident gegenüber dem «Grenchner Tagblatt» explizit darauf hin, dass er kein Mobbing begangen habe. «Das hätte mich schon gebissen, wenn das der Fall gewesen wäre», meinte Banga.

Jetzt machte Schweizer Radio DRS Teile des geheimen Untersuchungsberichts publik. Er unterscheidet sich beträchtlich von der Schönwetter-Fassung für die Presse. Im geheimen Expertenbericht werden massive Vorwürfe gegen ihn erhoben.

Indizien für Mobbing - Fälle genauer untersuchen

Denn die Experten schrieben, von sieben vermuteten Mobbing-Fällen müsste man drei weiter untersuchen. Mobbing sei in diesen Fällen nicht auszuschliessen gewesen, es gebe sogar Indizien dafür.

Das lässt auch den Vize-Stadtpräsidenten und GRK-Sprecher Hubert Bläsi (FDP) schlecht aussehen. Denn gegenüber dem «Grenchner Tagblatt» meinte er, dass die zur Diskussion stehenden Vorkommnisse keinen Mobbing-Charakter erreicht hätten.

Die Voruntersuchung lasse «ein formelles Disziplinarverfahren gegen den Stadtpräsidenten nicht als gerechtfertigt erscheinen», hiess es in der GRK-Medienmitteilung. Doch Bläsi und seine Kollegen wussten es besser.

Vize-Stadtpräsident krebst zurück

Jetzt krebst Bläsi plötzlich zurück. Gegenüber dem Schweizer Fernsehen meinte er, eine Disziplinaruntersuchung gegen Boris Banga sei nicht ausgeschlossen.

Auch Probleme im Schulbereich

Die Experten schreiben weiter auch von Problemen im Grenchner Schulbereich. Zwischen dem Stadtpräsidenten und der Schuldirektion gebe es regelmässig Spannungen.

Grund: Die Frau von Boris Banga leitet eine Kinderkrippe in der Stadt. Die Schule ist faktisch ihrem Mann unterstellt. Damit stehe sie im «Sandwich» der beiden Ehepartner, meinte Schweizer Radio DRS.

Die Experten rieten deshalb, das Ressort Schulwesen sei dem Stadtpräsidenten wegzunehmen.

Angst, Passivität, Resignation

Schweizer Radio DRS bewertet den offiziellen Bericht so, dass über Banga gerade mal das «Netteste» gesagt wurde. Nicht erwähnt wurde etwa, Bangas Benehmen sei «unanständig», «grob» und «schickanös» gewesen und er habe seine Mitarbeiter beschimpft, zum Teil auch unter der Gürtellinie.

In der Verwaltung herrsche Angst, Passivitiät und Resignation. Je enger man mit Banga zusammenarbeite, desto mehr spüre man das.

Boris Banga nahm gegenüber Schweizer Radio DRS zu den Vorwürfen keine Stellung, der Bericht sei «geheim» und er habe kein Gehör gehabt, meinte Jurist Banga.

Anfang Jahr sorgte Bangas Frau für Aufsehen

Anfang Jahr rückte auch Bangas Frau ins Rampenlicht. Barbara Banga hatte im Blog der lokalen SVP-nahen Internetseite www.grenchen.net anonyme und beleidigende Kommentare geschrieben.

Grund? Sie habe die anonymen Angriffe gegen ihren Mann «schlicht nicht mehr ertragen» können, hatte sie ihr Handeln gerechtfertigt.

Schmähkommentare «grösster Liebesbeweis»

Als die Sache publik wurde, gestand sie ein, «einen Fehler» gemacht zu haben.

Der Stadtpräsident und frühere Nationalrat Banga hatte die Blog-Einträge seiner Frau als den «grössten Liebesbeweis» bezeichnet, den er je erhalten habe. Das Ehepaar hatte in einer Stellungnahme von einer «Schlammschlacht» gesprochen.