Grenchen
Kochweltmeister gibt Schülern Tipps zur Berufswahl: «Macht es nicht nur des Geldes wegen»

Verschiedene Gewerbebetriebe luden Grenchner und Bettlacher Jugendliche zum Berufs-Schnuppertag ein. Insgesamt konnten 42 gewerbliche Berufsbilder in 39 Betrieben erkundet werden.

Andreas Toggweiler
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Der 22-jährige Starkoch Norman Hunziker referierte vor Grenchner Berufswahlschülern.

Der 22-jährige Starkoch Norman Hunziker referierte vor Grenchner Berufswahlschülern.

Andreas Toggweiler

Zum 5. mal hat am Donnerstag der Grenchner Wirtschaftstag stattgefunden. Rund 160 Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen in Grenchen und Bettlach haben sich dabei einen Tag lang mit der Berufswahl in Theorie und Praxis befasst. Nach Vorträgen und Workshops am Vormittag konnten sie am Nachmittag 42 gewerbliche Berufsbilder in 39 Betrieben erkunden und Fragen stellen. Jeder Schüler hatte dafür drei Termine zur Verfügung.

Morgens um acht versammelten sich die Jugendlichen zum Startschuss in der Aula des Schulhauses IV. Nach einer Begrüssung durch Stadtpräsident François Scheidegger orientierten Referenten über die Berufswahl und die Anforderungen der Wirtschaft. Ein Höhepunkt war dabei sicher der Auftritt des 22-jährigen Starkochs aus Arch, Norman Hunziker. Der Chef der Schweizer U25 Koch-Nationalmannschaft, mehrfacher Weltmeister und Koch-Olympiade Zweiter erklärte dabei, wie er es in jungen Jahren schon an die Weltspitze geschafft hat.

Konzentration in der Küche des Parktheaters: Küchenchef Beat Flückiger informiert über den Beruf Koch und gibt Anleitungen.
16 Bilder
Küchenchef Beat Flückiger führt durch die Küche
Was braucht es alles, um ein Koch zu sein?
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Praktikant Jacques Meier vom Glasatelier Marc Boder zeigt wie man bei einem Spiegel die Kanten schleift
Und dann gilt es, selbst zu probieren
Kita Märlihus
Mehmet Kücükteke, Lehrling im 2. Lehrjahr, informiert über den Beruf Kaufmann/Kauffrau.
Mehmet Kücükteke, Lehrling im 2. Lehrjahr, informiert über den Beruf Kaufmann/Kauffrau.
In der Raiffeisenbank hören die Schüler gespannt zu während Thomas Rudolf, Nachwuchsbetreuer der Bank, über den Beruf Kaufmann/Kauffrau informiert.
Im Coiffeursalon Hair Fashion wird unter der Aufsicht von Coiffeuse Nadine Abt (rechts) wird fleissig an Puppen frisiert.
Im Coiffeursalon Hair Fashion wird unter der Aufsicht von Coiffeuse Nadine Abt (links) wird fleissig an Puppen frisiert.
Im Coiffeursalon Hair Fashion wird unter der Aufsicht von Coiffeuse Nadine Abt (links) wird fleissig an Puppen frisiert.

Konzentration in der Küche des Parktheaters: Küchenchef Beat Flückiger informiert über den Beruf Koch und gibt Anleitungen.

Hanspeter Bärtschi

«Lieber arm und glücklich ...»

«Eigentlich wollte ich immer Koch werden, doch ich habe keine passende Lehrstelle gefunden», erklärte er. Und so habe er nach einer Schnupperlehre beim Grenchner Bäcker Peter Gassler beschlossen zuerst einmal Bäcker-Konditor zu werden. Und das habe ihm wirklich gefallen. Doch weitere Ausbildungen folgten und heute hat der Archer eine eigene Firma, die «Norman Hunziker Culinary Artist GmbH», mit der er bereits Weltstars wie Brian Adams oder Elton John bekocht habe, wie er berichtete. «Ich möchte euch damit zeigen, wo man nur ein paar Jahre nach der Schule stehen kann, wenn man ein paar Regeln befolgt.» Zum Beispiel: «Glaube an Dich und deine Ideen», ermutigte er die angehenden Berufs-Einsteiger. Aber auch: «Disziplin, Disziplin, Disziplin.»

Seine Schulnoten seien nicht die Besten gewesen, gab er freimütig zu. Doch das habe er mit umso mehr Fleiss wettmachen können. Ein sympathischer Tipp ist sicher auch folgender: «Sei lieber arm, aber du selbst, anstelle von reich und austauschbar.» Geld dürfe keine Motivation sein für die Wahl eines Berufes. Entscheidend sei die Freude an der Tätigkeit. Und die sei bei ihm als Koch allemal gegeben.

Oft werde das Gastgewerbe kleingeredet. «Das stimmt keinesfalls. Schaut die Medien an. Die Hälfte der Fernsehprogramme besteht aus Kochshows und in der Schweizer Illustrierten zieren regelmässig Köche das Titelbild. Ein schön gekochtes Menu wird fotografiert wie ein Kunstwerk und auf Facebook gepostet.»

Gute Noten genügen noch nicht

Aber nicht alle können Starkoch werden. Renato Delfini, Leiter der Berufsberatung beim Kanton , Thomas Jenni, Projektleiter Berufsbildung beim kantonalen Gewerbeverband und der Grenchner Bäckereiunternehmer Peter Gassler setzten den Jugendlichen auseinander, worauf es heute in der Berufswahl und bei der Bewerbung ankommt. Immer wieder wurde betont, dass korrektes Auftreten und Sozialkompetenz ebenso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger sind, als gute Noten.

Laut Gewerbeverbands-Präsident Heinz Westreicher hat sich auch im fünften Jahr das Konzept des Wirtschaftstages bewährt. Immerhin haben sich 39 Gewerbebetriebe fürs mitmachen entschieden, was auch immer eine gewisse Überzeugungsarbeit des GVG bedinge, wie Westreicher einräumt. Auch gebe es noch einzelne Lücken im Berufe-Mix. «Es wäre beispielsweise schön, wenn wir auch den Metzgerberuf noch vorstellen könnten», meint Westreicher.