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Knapp 40'000 Franken für 20 Zentimeter – Hirschgehege muss aufgestockt werden

Caspar Riedi muss den Zaun für seine Hirsche aufstocken. Dies ist aber keineswegs billig, im Gegenteil.

Daniela deck (Text) und Oliver Menge (Fotos)
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Oliver Menge
Momentan zählt die Herde der scheuen Sikahirsche sechs Tiere.

Momentan zählt die Herde der scheuen Sikahirsche sechs Tiere.

Oliver Menge

Seit 1964 hält der gebürtige Bündner Caspar Riedi oben im Bachtelentäli Sikahirsche. Dies, nachdem sein Schwiegervater, Werner Imhof, vermutlich schon 1947 – dazu fehlen die Unterlagen – mit der Hirschhaltung begonnen hatte. Letzten Herbst kam das kantonale Veterinäramt zur Kontrolle vorbei, zum ersten Mal überhaupt. «Ein Paradies für Hirsche» bescheinigten sie dem Gehege. Dann der Paukenschlag: Der Zaun ist zu niedrig und muss 20 Zentimeter erhöht werden. Eine teure Aufgabe.

Als das erste Paar Hirsche aus Arth Goldau nach Grenchen kam, schrieb die Wildtierverordnung einen Zaun von 1,80 Meter Höhe vor, plus 20 Zentimeter Versenkung im Boden, um zu verhindern, dass Dachs und Fuchs sich darunter hindurchgraben. «2002 habe ich den Maschendrahtzaun erneuert und mich nach neuen Bestimmungen erkundigt. Da war alles beim Alten», sagt Caspar Riedi. Was er nicht wusste: 2015 hat die Verordnung geändert. Nun gelten volle zwei Meter Zaun über dem Boden für Hirschweiden.

Bobby und sein Harem

800 Meter Hag muss Caspar Riedi nun aufstocken. Das kostet 38 890 Franken. «Ich habe mir zusammen mit meiner Tochter Cathia überlegt, ob wir von den Hirschen Abschied nehmen und stattdessen Schafe halten wollen. Aber nicht lange.» Der Rentner schmunzelt über das ganze Gesicht. Im Herbst wird er 90 Jahre alt, ein Alter, das man ihm nie geben würde.

Zu sehr hängt er an seinem Rudel um den Hirschstier Bobby. Derzeit sind es sechs Tiere, die Höchstzahl lag bei elf. Für Blutauffrischung sorgt etwa alle 20 Jahre ein Hirschbock aus den Tierparks Arth Goldau oder St. Gallen.

Auf 3800 Quadratmetern tummeln sich die Sikahirsche auf einer Weide mit unterschiedlichem Boden, mit Schattenbäumen, Unterstand, Stall, Weiher (in dem sie im Sommer gern ein Bad nehmen), Tränke und Boxen als Verstecke für die Kitze. Im Winter füttert Caspar Riedi Emd zu, «Heu fressen die Hirsche nur ungern», und das ganze Jahr über trockenes Brot und Getreidemischung, Letzteres als Vitaminlieferant. «Dank dem Vierkorn lassen die Tiere die Bäume unbehelligt.»

Seit Beginn der letzten Woche sind nun zwei Arbeiter der Firma Wyss Zäune damit beschäftigt, das Maschendrahtgeflecht an die geltende Norm anzupassen. Eine Arbeit, die etwa zwei Wochen dauern wird.

Es sind Wildtiere

Caspar Riedi hält seine Hirsche als Wildtiere. Streicheln lassen sie sich nicht. Ausgebrochen ist in all den Jahren nur einmal ein Tier. Nach zwei Wochen Überlebenstraining im Militär ging Caspar Riedi nach der Heimkehr gleich zur Weide, um seine «Butzen» zu rufen, wie er die Hirsche nennt. «Ein Blick auf meinen ungewohnten Vollbart und sie nahmen Reissaus. Eine Hirschkuh ist vor Schreck am Zaun hochgeklettert und darüber gefallen», erinnert er sich. Das Tier sei unverletzt geblieben und habe sich gleich wieder einfangen lassen. «Da habe ich sofort den Bart abgehauen», sagt er und lacht.

Trotz aller Vorsichtsmassnahmen dringt gelegentlich ein Dachs oder ein Fuchs ins Gehege ein. Letzterer sei für die Kitze in den ersten drei Lebenswochen gefährlich. Nachher seien sie zu schnell für ihn, so Riedi. «Klarheit schaffen seit einiger Zeit Überwachungskameras.»

Eine grössere Gefahr war einst das Littering an der Allerheiligenstrasse. «Früher ging das Gehege bis nach oben zur Strasse. Da habe ich jedes zweite Jahr Tiere verloren», sagt Caspar Riedi traurig. Einmal wollte er es genau wissen. Er liess den toten Hirsch in Bern sezieren: «Gestorben ist er am Abfall, den er gefressen hatte.»

Fleisch für Familie

Wird das Rudel zu gross, oder ein Tier verletzt sich schwer, erfolgt der Abschuss auf der Weide. Das besorgt seine Tochter Cathia Riedi, die in Graubünden das Jagdpatent besitzt. «Im Notfall kann ich auf meine Nachbarn und Freunde hier in Grenchen zählen», weiss Caspar Riedi. Die Hirsche sind längst nicht sein einziges Hobby. Er singt im Jodlerklub Bärgbrünnli und spielt Alphorn. Entsprechend gross ist sein Beziehungsnetz.

Das Fleisch (auf 45 Kilo Lebendgewicht sind das rund 18 Kilo) verteilen Caspar und Cathia Riedi der Familie und an Freunde. «Das Geheimnis bei der Zubereitung besteht darin, dass es nicht zu heiss gebraten wird, am besten mit Niedergaren», verrät er.